Oracle erweitert seine Cloud-Infrastruktur um neue Hardwarearchitekturen für Künstliche Intelligenz. Auf der Konferenz Oracle AI World in Las Vegas kündigte Oracle Cloud Infrastructure (OCI) an, als erster Hyperscaler außerhalb von Google künftig Google TPUs anzubieten und zudem Nvidias Vera-Prozessoren einzubinden, um die Skalierung sogenannter KI-Supercluster voranzutreiben. Dies geht aus Unternehmensmitteilungen und Branchenberichten vom 27. Oktober 2026 hervor.
Partnerschaften mit Nvidia und Google für Rechenzentren im Gigawatt-Bereich
Im Rahmen der Erweiterung sind die Systeme NVIDIA Vera Rubin NVL72 sowie Vera CPUs ab sofort allgemein auf OCI verfügbar. Oracle plant den Ausbau seiner OCI Superclusters auf Basis der Vera-Rubin-NVL72-Architektur bis in den Multigigawatt-Maßstab.
Ergänzend dazu soll der Einsatz von Google TPUs ab dem Kalenderjahr 2027 starten und über mehrere Jahre hinweg ebenfalls auf eine Gigawatt-Skala hochgefahren werden. OCI übernimmt dabei die Bereitstellung von Stromversorgung, Kühlung und der Rechenzentrums-Netzwerkinfrastruktur für die TPU-Implementierung.
Die Integration markiert eine Ausweitung der bisherigen Hardware-Auswahl für Kunden. Googles achte TPU-Generation umfasst die Prozessoren TPU 8t für Trainingsaufgaben und TPU 8i für Inferenzanwendungen. Diese liefern laut Google bis zu 12,6 PFLOPS native FP4-Rechenleistung pro Chip, was mehr als dem Hundertfachen der ursprünglichen TPU v1 (92 TFLOPS) entspricht, bei bis zu doppelter Leistung pro Watt im Vergleich zur Vorgängergeneration.
Google verweist bei großskaligen Trainingsläufen über Tausende Chips auf einen Goodput von über 97 Prozent sowie bis zu 80 Prozent bessere Leistung pro US-Dollar bei Inferenz unter niedriger Latenz. Die zugehörige Software TorchTPU wurde auf GitHub als Open Source freigegeben.
Einsatz von Vera-Prozessoren und großskalige Cluster
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Parallel dazu führt OCI Nvidias Vera-Rubin-Systeme ein, bei denen jedes Rack 72 Grafikprozessoren über NVLink zusammenschließt und laut Nvidia eine bis zu vierfache Trainingsleistung sowie einen bis zu 30-fach höheren Inferenz-Durchsatz pro Watt gegenüber der Blackwell-Generation bietet.
Das Erstdeployment der Vera CPUs umfasst 150.000 Prozessoren über verschiedene Oracle-Regionen hinweg. Die Chips verfügen über 88 Olympus-Kerne, 176 Threads, bis zu 1,2 Terabyte pro Sekunde Speicherbandbreite über LPDDR5X und 3,4 Terabyte pro Sekunde bisektionale Bandbreite.
In ausgewählten Regionen bietet OCI dieses Quartal Instanzen mit zwei Vera-Prozessoren, 176 Kernen, 352 Threads, 1 Terabyte LPDDR5X-Speicher, 7,68 Terabyte NVMe-Speicher und einer Acceleron-Anbindung von 200 Gigabit pro Sekunde als Bare Metal und Flex VM an. Nvidia plant zudem das System HGX Rubin NVL8 mit acht Rubin-Grafikprozessoren und zwei 64-Kern-Prozessoren der Reihe Intel Xeon 6.
Erste Großkunden nutzen die Infrastruktur bereits intensiv. OpenAI trainierte und betrieb das Modell GPT-6 Astra in Abilene im US-Bundesstaat Texas auf einem OCI Supercluster mit mehr als 100.000 Nvidia-Blackwell-Grafikprozessoren.
Laut Uday Ruddarraju, dem für Rechenkapazitäten zuständigen Technikchef von OpenAI, setzt das Unternehmen Vera CPUs im Produktivbetrieb für agentische Sandbox-Workloads ein.
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Die Supercluster werden auf Rechenzentrumscampussen der Gigawatt-Klasse innerhalb eines Zwei-Kilometer-Radius betrieben und nutzen teils Oracles eigene Acceleron-Netzwerkchips für Cluster mit mehr als 131.000 Grafikprozessoren.
Strategische Ausrichtung und milliardenschwere Investitionen
OCI-Präsident Mahesh Thiagarajan betonte, dass der Schritt keine Abkehr von Nvidia darstelle, da Nvidia-Komponenten weiterhin hochgradig flexibel einsetzbar blieben und unterschiedliche KI-Workloads verschiedene Hardwarearchitekturen erforderten. Nvidia-Chef Jensen Huang bezifferte das wirtschaftliche Potenzial der Vera-Rubin-Systeme auf bis zu 40 Milliarden US-Dollar Umsatz pro Gigawatt Rechenzentrumskapazität.
Oracle bekräftigte unterdessen sein Investitionsziel von rund 90 bis 95 Milliarden US-Dollar für das Geschäftsjahr 2027. Im ersten Geschäftsquartal 2027, das am 31. August 2026 endete, erzielte Oracle einen Gesamtumsatz von 19,3 Milliarden US-Dollar, ein Zuwachs von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Das Geschäft mit Cloud-Infrastruktur wuchs dabei um 121 Prozent auf 7,4 Milliarden US-Dollar, bei einem verbleibenden Leistungsversprechen von 664 Milliarden US-Dollar.
Für den Ausbau befinden sich laut Unternehmensangaben quartalsweise 30 bis 40 Rechenzentrumsprojekte in der Entwicklung. Die Aktie von Oracle legte am Ankündigungstag um rund 5 Prozent zu, verzeichnete im Jahresverlauf jedoch ein Minus von mehr als 30 Prozent.

