Oracle-Update: 1.449 Patches schließen Rekord-Schwachstellen

Oracle veröffentlicht größtes Sicherheitsupdate mit 1.449 Patches. Neue Studien aus Singapur belegen steigende Cyberkriminalität und Milliardenverluste.

Mehr als 1.400 Schwachstellen in einem einzigen Update – der Softwarekonzern Oracle hat einen beispiellosen Sicherheitspakt geschnürt. Zeitgleich zeigen neue Daten aus Asien und dem Nahen Osten: Die Bedrohungslage im Netz eskaliert.

Rekord-Update mit 1.449 Patches

Am 21. Juli veröffentlichte Oracle das bislang umfangreichste Sicherheitsupdate seiner Unternehmensgeschichte. Insgesamt 1.449 Patches schließen 1.434 bekannte Sicherheitslücken (CVEs) in 334 verschiedenen Produkten. Besonders alarmierend: Über 600 der entdeckten Schwachstellen sind aus der Ferne ausnutzbar – ohne dass ein Nutzer eingreifen müsste.

Eine kritische Lücke in der Software PeopleSoft (CVE-2026-35278) mit einem Schweregrad von 9,8 wurde bereits aktiv von der Hackergruppe ShinyHunters ausgenutzt. Die Angreifer sollen hunderte Server kompromittiert haben. Das Update enthält zudem 410 Patches für die E-Business Suite und 355 für Fusion Middleware.

Die britische Regierung hatte Oracle erst am 13. Juli als „Kritischen Drittanbieter“ eingestuft – ein Beleg für die zentrale Rolle des Konzerns in der nationalen Infrastruktur. Für deutsche Unternehmen, die ebenfalls stark auf Oracle-Systeme setzen, ist das Update daher Pflichtprogramm.

Jeder zweite Singapurer wurde schon Opfer von Cyberkriminalität

Eine am 27. Juli veröffentlichte Studie der Organisation SG Her Empowerment (SHE) zeigt erschreckende Zahlen: 40 Prozent der Singapurer sind bereits Opfer von Internetkriminalität geworden. Von den 1.048 Befragten erlebten 25 Prozent mindestens einen Vorfall im vergangenen Jahr. Fast 40 Prozent der Betroffenen trugen schwere Folgen davon – finanzieller Verlust oder psychische Belastung inklusive.

Der singapurische Justizminister Edwin Tong berichtete, dass die neu geschaffene Online Safety Commission seit Ende Juni bereits rund 200 Fälle bearbeitet habe. Häufig geht es um die Verbreitung intimer Aufnahmen ohne Einwilligung oder das sogenannte Doxxing von Minderjährigen. Besonders besorgniserregend: 30 Prozent der Opfer verzichteten auf eine Anzeige – weil sie den Vorfall nicht für schwerwiegend genug hielten. Frauen sind dabei überdurchschnittlich oft über Hilfsangebote im Unklaren.

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Milliardenverluste durch Betrug im Netz

Die finanziellen Schäden durch Cyberkriminalität sind immens. Singapur hat seit 2019 mehr als vier Milliarden Euro durch Betrugsmaschen verloren. Allein im ersten Halbjahr 2025 erbeuteten Kriminelle umgerechnet rund 420 Millionen Euro – bei knapp 20.000 gemeldeten Fällen. Zwar ist die Summe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (480 Millionen Euro) gesunken, doch die Zahl der Hochwert-Opfer steigt: Rund 1.000 Menschen verloren jeweils mehr als 92.000 Euro – im Vorjahr waren es noch etwa 700.

Auch im Nahen Osten schlagen Sicherheitsvorfälle massiv zu Buche. Der Mastercard Cyber Pulse Report 2026 beziffert die durchschnittlichen Kosten eines Datenlecks in der Region auf 6,7 Millionen Euro – satte 64 Prozent mehr als der globale Durchschnitt. 71 Prozent der Cyberkriminalität dort ist finanziell motiviert oder zielt auf gezielte Störungen ab.

KI und staatliche Hacker beschleunigen Angriffe

Die Geschwindigkeit, mit der Angriffe entwickelt und ausgeführt werden, nimmt rasant zu. David Koh, der langjährige Chef der singapurischen Cybersicherheitsbehörde (im Juli 2026 in den Ruhestand getreten), stellte fest: Künstliche Intelligenz habe die Entwicklungszeit für einen Angriff von Wochen auf Stunden verkürzt.

Die japanische Sicherheitsfirma S&J Corp bestätigt diesen Trend: Japanische Unternehmen geraten zunehmend ins Visier, weil KI-gesteuerte Exploits die Zeitspanne zwischen der Entdeckung einer Lücke und dem aktiven Angriff drastisch verkürzen.

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Eine gemeinsame Warnung US-amerikanischer und britischer Behörden vom 23. Juli 2026 betrifft die russische Hackergruppe Laundry Bear (auch bekannt als TA488). Die Gruppe nutzte einen sogenannten Zero-Click-Exploit (CVE-2025-66376), um Zimbra-Mailserver von Nuklearwissenschaftlern, Rüstungskonzernen und Regierungsstellen zu kompromittieren. Obwohl die Sicherheitslücke bereits im November 2025 geschlossen wurde, zapften die Angreifer offenbar ein ganzes Jahr lang Passwörter und Zwei-Faktor-Authentifizierungscodes ab.

Ransomware-Bande im Visier deutscher Behörden

Die Erpresserbande Clop hat es auf die Software PTC Windchill und FlexPLM abgesehen. Die Gruppe nutzt die Schwachstelle CVE-2026-12569 für Schadcode-Einschleusung und Datendiebstahl. PTC veröffentlichte zwar am 17. Juni 2026 einen Patch – doch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und die US-Behörde CISA warnen: Die Lücke wird weiterhin aktiv ausgenutzt. Für Unternehmen, die diese Produkte einsetzen, gilt höchste Alarmstufe.