Orange setzt mit KI-Strategie auf Vertrauen und Afrika

Der französische Telekomkonzern Orange investiert massiv in KI und Afrika, um Effizienz zu steigern und sich als vertrauenswürdiger Anbieter zu positionieren.

Der französische Telekom-Riese Orange stellt künstliche Intelligenz in den Mittelpunkt seines globalen Wachstums. Konzernchefin Christel Heydemann hat in Casablanca einen Fünf-Jahres-Plan mit Milliardenschweren Investitionen vorgestellt.

KI als Architekt des Vertrauens

Orange will sich vom reinen Netzbetreiber zum „Architekt des Vertrauens“ entwickeln. Hintergrund ist die globale Dominanz US-amerikanischer und chinesischer KI-Technologie. Das Unternehmen sieht seine Rolle darin, Kunden vor den Risiken von Desinformation und Deepfakes zu schützen. „In einer Welt mit KI-generierten Inhalten muss sich unsere Aufgabe fundamental ändern“, so die Botschaft des Managements.

Anzeige

Während Konzerne wie Orange auf europäische Souveränität setzen, stellt der EU AI Act bereits heute konkrete Anforderungen an die Kennzeichnung und Risikodokumentation von KI-Systemen. Dieser kostenlose Leitfaden bietet Unternehmen einen kompakten Überblick über alle neuen Pflichten und Fristen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt

Die Strategie „Trust the Future“ setzt auf einen zweigleisigen Ansatz. Die „Live Intelligence“-Plattform bietet Geschäftskunden einerseits Zugang zu globalen Modellen wie Google Gemini oder Microsoft Azure. Andererseits setzt die „Trust“-Version auf europäische Souveränität mit Modellen von Mistral AI, gehostet auf Oranges eigener Infrastruktur. Für Technologievorstand Bruno Zerbib sind Datenhoheit und sichere KI-Kontrollen nicht verhandelbar – besonders im streng regulierten europäischen Markt.

Von Chatbots zu autonomen Agenten

Ein Kernstück ist der Übergang zu „agentischer KI“. Diese Systeme können komplexe Arbeitsabläufe eigenständig ausführen. Orange integriert sie bereits in seine Kontaktzentren, wo sie rund 30 Prozent der einfachen Anfragen automatisch bearbeiten sollen.

Die Entwicklung wird durch Partnerschaften mit US-Techfirmen vorangetrieben. Gemeinsam mit LangChain hat Orange ein Studio für Entwickler geschaffen. Mit Amazon Web Services und Nokia demonstrierte der Konzern zudem eine KI-gesteuerte Netzwerk-Slicing-Lösung. Sie passt die Mobilfunkkapazität in Echtzeit bei Großveranstaltungen an.

Anzeige

Der Einsatz autonomer Agenten und neuer KI-Technologien schafft nicht nur Effizienz, sondern auch neue rechtliche Risiken für Unternehmen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten und wie Sie Ihre Compliance-Strategie rechtzeitig anpassen. Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko – und was müssen Unternehmen jetzt konkret tun?

Der Blick geht bereits in die Zukunft: Orange forscht an der Integration von KI in 6G-Netze. Ziel sind sogenannte AI-RAN-Technologien, die mit maschinellem Lernen die Signaleffizienz optimieren und den CO₂-Fußabdruck datenintensiver Dienste verringern sollen.

Fünf Milliarden für Afrika und den Nahen Osten

Die Präsentation in Casablanca unterstreicht die wachsende Bedeutung der Region Afrika und Naher Osten (MEA). Sie ist mit 8,4 Milliarden Euro Umsatz und zweistelligem Wachstum zum wichtigsten Wachstumsmotor avanciert – und übertrifft damit die reifen europäischen Märkte.

Das neue Fünf-Milliarden-Euro-Investitionspaket bis 2028 zielt auf 40 Millionen neue Mobilfunkkunden und den Ausbau des 5G-Netzes ab, das derzeit in sieben Märkten wie Ägypten und Marokko aktiv ist. Teil der Expansion ist das Programm „AI Garden“, eine Partnerschaft zur Förderung lokaler KI-Start-ups in Marokko.

Orange will so einen größeren Teil der digitalen Wertschöpfungskette in aufstrebenden Volkswirtschaften abschöpfen. Die Kombination aus US-Cloud-Innovation und lokalisierten KI-Anwendungen – etwa für afrikanische Sprachen – soll den Vorteil gegenüber globalen Tech-Plattformen ohne eigene Infrastruktur vor Ort ausspielen.

600 Millionen Euro Effizienzgewinne bis 2028

Der Umbau zu einem KI-zentrierten Betriebsmodell soll handfeste finanzielle Ergebnisse liefern. Orange peilt bis 2028 600 Millionen Euro an Effizienzgewinnen durch KI an – doppelt so viel wie 2025. Diese sollen aus vorausschauender Wartung, optimiertem Netzwerk-Management und automatisierter Kundenbetreuung stammen.

Anfang März begannen exklusive Verhandlungen mit dem Systemintegrator Tech Mahindra über eine fünfjährige Partnerschaft. Bestimmte Support- und Backoffice-Aufgaben sollen ausgelagert werden, damit sich Orange auf wertschöpfende Digitaldienstleistungen konzentrieren kann.

Trotz der Automatisierungsoffensive betont das Management, die Technologie solle die 137.000 Mitarbeiter weltweit unterstützen, nicht ersetzen. Rund 65.000 Beschäftigte wurden bereits in KI-Werkzeugen geschult. Orange setzt auf einen „Human-in-the-Loop“-Ansatz, bei dem Menschen autonome Entscheidungsprozesse überwachen.

Die Bilanz für das erste Quartal 2026, die Ende April veröffentlicht wird, wird zeigen, ob der Fokus auf KI und das MEA-Engagement den Wachstumskurs fortsetzen können. Für Orange steht fest: In der KI-Ökonomie wird Vertrauen das wertvollste Gut sein – noch vor der bloßen Konnektivität.