Der Softwarekonzern Microsoft hat neue Automatisierungsfunktionen für seinen E-Mail-Client Outlook freigegeben, während Sicherheitsforscher eine aktive Angriffswelle auf eine kritische Schwachstelle im Web-Zugang melden. Besonders betroffen: Behörden und Unternehmen in den USA und Europa.
Neue Automatisierungsregeln für die Postfach-Verwaltung
Seit dem 30. Juli 2026 stehen vier neue Regel-Aktionen für Outlook im Web und das neue Outlook für Windows zur Verfügung. Die Funktionen, die unter der Roadmap-ID 543425 verfolgt werden, erlauben es Nutzern, die Bereinigung von Kennzeichnungen und Kategorien zu automatisieren. Konkret lassen sich Kategorien löschen, Flags entfernen, Aufgaben als erledigt markieren und Nachrichten automatisch mit Kennzeichnungen versehen.
Die serverbasierten Aktionen sind derzeit auf Microsoft-365-Konten für Arbeit und Schule beschränkt. Drittanbieter-E-Mail-Dienste werden noch nicht unterstützt. Einrichtbar sind die Werkzeuge in den Anwendungseinstellungen unter dem Bereich „Regeln“, wo Nutzer Folgeaufgaben und Organisationslabels ohne manuellen Eingriff verwalten können.
Kritische Sicherheitslücke: Angreifer nutzen Hintertür in Outlook Web Access
Sicherheitsanalysten von Proofpoint und der NSA warnen vor einer Kampagne der russlandnahen Gruppe TA488, die auch als Laundry Bear oder Void Blizzard bekannt ist. Die Angreifer nutzen die Schwachstelle CVE-2026-42897 aus – eine Cross-Site-Scripting-Lücke (XSS) im Outlook Web Access (OWA). Damit schleusen sie eine Hintertür namens OWAReaper ein.
Microsoft hatte den Fehler am 14. Mai offengelegt und am 9. Juni einen Patch bereitgestellt. Doch die eigentliche Angriffswelle startete erst am 22. Juli. Die Kampagne richtet sich gegen Regierungsbehörden, Telekommunikationsunternehmen, Finanzinstitute und die Luft- und Raumfahrtbranche in den USA und Europa. Der auslösende Moment ist banal: Bereits das Öffnen einer präparierten E-Mail in OWA genügt, um den Schadcode zu aktivieren.
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Was OWAReaper besonders gefährlich macht, ist seine Hartnäckigkeit. Der Schädling lagert im lokalen Browser-Speicher und in der IndexedDB – er übersteht damit sogar Passwort-Zurücksetzungen und das Neuaufsetzen von Geräten. Zudem kann die Malware Anmeldedaten und OAuth-Tokens stehlen und in einigen Fällen Besitzerrechte an der Standard-Exchange-Identität erlangen. Sicherheitsforscher entdeckten erste Hinweise auf die Infrastruktur bereits im März 2026 – ein Indiz dafür, dass die Lücke möglicherweise schon vor dem Frühjahrs-Patch als Zero-Day ausgenutzt wurde.
Update-Pfade für alle Plattformen
Um Sicherheitsrisiken zu minimieren und neue Funktionen zu erhalten, ist die aktuelle Version der software auf allen Plattformen entscheidend. Die im späten Juli 2026 veröffentlichten Branchenempfehlungen beschreiben die jeweiligen Update-Wege:
- Windows (klassisch): Updates laufen über das Datei-Menü unter „Konto“ und „Update-Optionen“.
- Windows (neu): Die Aktualisierung erfolgt über die Microsoft-Store-Bibliothek. Diese Version hat Windows Mail, Kalender und Personen offiziell ersetzt – der Support dafür endete am 31. Dezember 2024.
- macOS: Nutzer müssen im Hilfe-Menü die Funktion „Nach Updates suchen“ anstoßen, um Microsoft AutoUpdate zu aktivieren.
- Mobilgeräte (iOS und Android): Updates laufen über den jeweiligen App Store oder Google Play Store.
Wer Probleme mit automatisierten Regeln hat, sollte die Einstellung „Verarbeitung weiterer Regeln beenden“ prüfen, die Regelreihenfolge neu sortieren oder Regeln als serverbasierte Prozesse neu anlegen. Letzteres stellt sicher, dass sie auch dann ausgeführt werden, wenn der lokale Client geschlossen ist.
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KI-Integration und Massenkommunikation im Fokus
Neben der klassischen E-Mail-Verwaltung treibt Microsoft die Copilot-Integration voran. Der Sicherheitsforscher Håkon Måløy entdeckte zuletzt Schwachstellen in Copilot für Word und Outlook – darunter einen Prompt-Injection-Wurm und die als CVE-2026-55145 erfasste Lücke. Obwohl Microsoft am 14. und 15. Juli Korrekturen versuchte, fanden Forscher heraus, dass sich die weiterentwickelten Sprachmodelle weiterhin umgehen lassen. Ihre Empfehlung: Externe Dokumente grundsätzlich als nicht vertrauenswürdig behandeln.
Zusätzlich hat Microsoft High Volume Email (HVE) für Exchange Online eingeführt. Die Funktion ist für groß angelegte interne automatisierte Kommunikation konzipiert. Branchenbeobachter sehen allerdings potenzielle Hürden: Das nutzungsbasierte Preismodell und die Verwaltung mehrerer Massen-E-Mail-Ströme innerhalb derselben Organisation könnten für Unternehmen komplex werden.

