OVHcloud baut Frontier-KI: 150–200 Millionen Euro für europäische Modelle

OVHcloud launcht kollaborativen Workspace mit lokaler KI und kündigt eigene Frontier-Modelle sowie neue Quantendienste an.

Der französische Cloud-Anbieter OVHcloud bringt mit OVHai Workspace eine kollaborative Plattform auf den Markt, die künstliche Intelligenz mit maximalem Datenschutz verbindet. Das Unternehmen will damit eine europäische Alternative zu den großen US-Produktivitätssuiten bieten.

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Agentische KI mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Die neue Plattform vereint E-Mail-Dienste, Cloud-Speicher und Videokonferenzen in einer Umgebung. Herzstück ist die sogenannte agentische KI – intelligente Assistenten, die komplexe Aufgaben innerhalb des Workspace eigenständig übernehmen können.

Besonders bemerkenswert: Aktivieren Nutzer die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, laufen alle KI-Funktionen lokal auf dem Gerät – nicht auf den Servern von OVHcloud. Das stellt sicher, dass sensible Daten selbst für den Dienstanbieter unzugänglich bleiben.

OVHcloud verwaltet bereits rund 4 Millionen E-Mail-Konten und vermittelt monatlich 100 Millionen Telefonate für seine 1,7 Millionen Kunden. Ein erster Beta-Start des Workspace ist für November 2026 auf dem OVHcloud Summit geplant.

Eigene KI-Modelle als europäische Antwort

Einen Tag vor der Workspace-Ankündigung sorgte OVHcloud-CEO Octave Klaba auf der VivaTech-Konferenz für Aufsehen. Er kündigte an, dass das Unternehmen eigene Frontier-KI-Modelle trainieren will – und damit in direkte Konkurrenz zu Anbietern wie Mistral tritt.

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Die Strategie: Statt eines einzelnen Modells soll eine ganze Modellfamilie entstehen. Die Kosten dafür sind drastisch gesunken – von rund einer Milliarde Euro auf 150 bis 200 Millionen Euro. Grund dafür sind effizientere Chips, bessere Trainingsmethoden und der Einsatz synthetischer Daten.

Bereits im März 2026 übernahm OVHcloud das Startup DragonLLM, das auf KI-Modelle für regulierte Branchen wie die Finanzwirtschaft spezialisiert ist und einst den EU-Wettbewerb „Large AI Grand Challenge“ gewann. Ein eigenes KI-Labor wurde eingerichtet, das Pre-Training läuft bereits auf dem Supercomputer Jupiter.

Wichtig für Kunden: Keine Nutzerdaten fließen ins Training. Und wenn die Modelle bestimmte Leistungsschwellen erreichen, sollen sie als Open Source veröffentlicht werden.

Quantencomputer jetzt als Dienstleistung

Die KI-Offensive ruht auf einer massiven Infrastruktur: Über 500.000 Server in 46 Rechenzentren unter europäischer Rechtshoheit.

Parallel dazu baut OVHcloud sein Quantum-as-a-Service-Angebot aus. Seit dem 17. Juni 2026 ist der Quandela Belenos – ein photonischer Quantencomputer mit 12 Qubits, der bei Raumtemperatur arbeitet – in der Public Cloud verfügbar. Abgerechnet wird nach Verbrauch, ohne langfristige Verträge.

Zwei Tage zuvor gab OVHcloud eine Forschungskooperation mit Welinq bekannt, die sich auf Quanten-Netzwerke und Orchestrierung in Rechenzentren konzentriert. Und bis Ende 2026 soll mit dem Alloy Pioneer von Quobly ein weiterer Quantencomputer auf Basis von Silizium-Spin-Qubits auf die Plattform kommen.

Der Markt für verschlüsselte Produktivitätstools ist in Bewegung: Noch am selben Tag weitete Google Workspace seine Client-seitige Verschlüsselung auf Gmail und Kalender aus. Und ein Entwicklerteam rund um das Signal-Protokoll stellte mit „Encrypted Spaces“ eine Open-Source-Infrastruktur für Ende-zu-Ende-verschlüsselte Kollaborationsanwendungen vor.