Passkey-Revolution: Nintendo und Microsoft beenden Passwort-Ära

Nintendo und Microsoft setzen auf biometrische Authentifizierung. Der Trend zu Passkeys gewinnt in der Tech-Branche an Dynamik.

Gleich zwei Branchengrößen haben diese Woche ihre Sicherheitssysteme umgestellt: Nintendo führt Passkeys für Spieler-Konten ein, während Microsoft den Master-Passwort-Schutz im Edge-Browser beendet. Der Trend zur gerätegebundenen Authentifizierung gewinnt damit deutlich an Fahrt.

Nintendo: Fingerabdruck statt Passwort

Nintendo veröffentlichte am heutigen Samstag eine umfassende Anleitung zur Einrichtung von Passkeys für Nintendo-Accounts. Statt sich ein kompliziertes Passwort merken zu müssen, können Spieler künftig auf biometrische Verfahren wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung zurückgreifen. Auch die Eingabe eines Geräte-PINs ist möglich.

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Die Konfiguration erfolgt über die Sicherheitseinstellungen im offiziellen Nintendo-Portal. Besonders praktisch: Nutzer können mehrere Passkeys für unterschiedliche Geräte hinterlegen. Wer sein Smartphone oder Tablet verliert, kommt weiterhin über die klassische E-Mail-und-Passwort-Kombination an sein Konto – ein wichtiger Notfall-Pfad.

Microsoft Edge: Schluss mit dem Master-Passwort

Microsoft zog bereits am Donnerstag nach. Mit der Veröffentlichung von Edge Version 145 strich der Konzern die Möglichkeit, ein separates Master-Passwort für den Browser festzulegen. Stattdessen setzt Edge nun auf Windows Hello – die systemeigene Authentifizierung per Biometrie oder PIN.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Nutzer müssen sich weniger Passwörter merken, während die Sicherheit durch die direkte Anbindung an die Hardware des Betriebssystems steigt. Ein cleverer Schachzug, der den Anmeldevorgang deutlich verschlankt.

Auch Finanzbranche und Mobilfunk ziehen nach

Der Trend zu Passkeys beschränkt sich längst nicht mehr auf Spiele und Browser. Die Kryptobörse Coinbase hat ihre Nutzer ebenfalls auf die neue Technologie umgestellt. Das Unternehmen betont, dass Passkeys aufgrund ihrer Gerätebindung resistent gegen Malware-Angriffe seien. Wer mag, kann zusätzlich auf physische YubiKeys als Hardware-Alternative setzen.

Im mobilen Bereich gibt es ebenfalls Neuerungen: Die Microsoft Authenticator-App für das iPhone unterstützt jetzt Passkeys für Geschäfts- und Schulkonten. Unter iOS 18 lässt sich die App sogar als primärer Anbieter für die automatische Passkey-Eingabe festlegen. Allerdings gab es am Freitag erste Berichte über Kompatibilitätsprobleme – die App erkannte bestimmte Passkey-Typen während der Einrichtung noch nicht.

Warum der Umstieg so dringend ist

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Die Sicherheitslage macht den Wandel notwendig. Cyberkriminelle werden immer raffinierter: Erst im Frühjahr warnte das FBI vor einer neuen Phishing-Software namens Kali365, die speziell Microsoft-365-Konten ins Visier nimmt. Die Angreifer stehlen OAuth-Tokens und umgehen so selbst die Zwei-Faktor-Authentifizierung.

Noch perfider geht eine Gruppe namens Pink vor: Sie setzt auf Vishing – also Phishing per Telefon. Die Täter geben sich als IT-Helpdesk-Mitarbeiter aus und tricksen Angestellte aus, ihnen MFA-Codes zu verraten. Ziel sind dann Cloud-Umgebungen wie SharePoint oder OneDrive.

Die aktuellen Zahlen sind alarmierend: Eine YouGov-Umfrage ergab, dass zwar 74 Prozent der Nutzer Passwörter für sicher halten, aber nur 39 Prozent tatsächlich eine Zwei-Faktor-Authentifizierung nutzen. Dabei zeigt eine Deloitte-Studie, dass 97 Prozent der Großunternehmen im DACH-Raum bereits von Cybervorfällen betroffen waren. Und der Thales Data Threat Report 2026 offenbart: 47 Prozent aller sensiblen Cloud-Daten sind nach wie vor unverschlüsselt. Höchste Zeit also für eine Sicherheitsrevolution – und die heißt Passkey.