Passkeys Standard: Microsoft zwingt 720.000 Unternehmen zum Wechsel

Microsoft startet zentrale Tenant-Governance-Lösung und forciert Passkeys. Ab 2027 endet SMS-Authentifizierung in Entra ID, während Experten vor WebAuthn-Lücken warnen.

Microsoft hat die allgemeine Verfügbarkeit von Microsoft Entra Tenant Governance bekannt gegeben. Damit steht Unternehmen ab sofort eine zentralisierte Lösung zur Steuerung komplexer Identitätsstrukturen über mehrere Mandanten (Tenants) hinweg zur Verfügung. Die Einführung adressiert wachsende Anforderungen an die Compliance und Sicherheit in verzweigten IT-Architekturen, indem sie Funktionen für verwandte Mandanten, Governance-Beziehungen sowie Konfigurations-Baselines bündelt.

Zentralisierung und erweiterte Verwaltungsmöglichkeiten

Der Fokus der neuen Lösung liegt auf einer verbesserten Transparenz und Kontrolle innerhalb von Multi-Tenant-Umgebungen. Zu den Kernfunktionen gehört eine zentralisierte Erkennung und die Möglichkeit, delegierte Verwaltungsstrukturen effizienter abzubilden. IT-Verantwortliche können künftig auf eine automatisierte Überwachung von Konfigurationsabweichungen (Drift-Monitoring) sowie auf Compliance-Prüfungen zurückgreifen.

Parallel zur allgemeinen Verfügbarkeit hat der Softwarekonzern neue, höhere Limits für verschiedene Lizenzmodelle eingeführt. Davon betroffen sind Microsoft Entra ID Governance, die Entra-Suite sowie die M365-E7-Lizenzen. Ergänzend dazu befindet sich eine mandantenübergreifende Agentenverwaltung derzeit in der Vorschauphase. Diese soll unter anderem die Integration von Sicherheitsdiensten wie Microsoft Defender und Microsoft Sentinel erleichtern und die Überwachung von KI-Agenten unterstützen.

Anzeige

Wer sich mit der Absicherung komplexer IT-Infrastrukturen befasst, muss auch die neuen gesetzlichen Anforderungen im Blick behalten. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche rechtlichen Pflichten und Bedrohungen Unternehmer jetzt im Bereich der IT-Sicherheit kennen müssen. Neue KI-Gesetze und Cyberrisiken: Kostenlosen Report anfordern

Strategischer Wechsel zur passwortlosen Authentifizierung

Flankierend zur neuen Governance-Struktur forciert Microsoft den Übergang zu modernen Sicherheitsstandards. Ab dem 1. September 2026 werden Passkeys standardmäßig als Authentifizierungsmethode aktiviert. Benutzer, die bislang auf SMS- oder Sprachauthentifizierung setzen, sollen automatisch für die Nutzung von Passkeys freigeschaltet werden.

Dieser Schritt leitet das Ende klassischer MFA-Methoden über das Telefonnetz ein. Laut Unternehmensplanung wird die SMS- und Sprachauthentifizierung in Microsoft Entra ID am 1. Februar 2027 vollständig eingestellt. Von diesem Übergang sind schätzungsweise über 720.000 Unternehmen betroffen, die Entra ID nutzen. Nach dem Stichtag im Februar 2027 wird die Registrierung neuer Passkeys für Anwender, die ausschließlich SMS oder Sprache nutzen, blockiert; sie werden beim nächsten Anmeldevorgang zur Einrichtung eines Passkeys aufgefordert.

Hintergrund dieser Entwicklung ist die zunehmende Verbreitung des Standards der FIDO Alliance. Aktuellen Daten zufolge sind weltweit bereits über 5 Milliarden Passkeys im Einsatz, wobei 68 % der Unternehmen diese Technologie bereits implementiert haben. Um die Akzeptanz weiter zu erhöhen, plant Microsoft, zwischen Anfang Oktober und Ende November 2026 zusätzliche Authentifizierungshürden für Windows Hello for Business und macOS PSSO zu entfernen.

Anzeige

Die Umstellung auf passwortlose Verfahren wie Passkeys verspricht Sicherheit und Nutzerkomfort zugleich. Ein kostenloser Report zeigt im Detail, wie Sie die neue Technologie bei großen Diensten wie Microsoft sofort einrichten und Passwort-Stress vermeiden. Was steckt hinter Passkeys? Jetzt den kostenlosen Report lesen

Sicherheitsanalysen fordern zusätzliche Schutzmaßnahmen

Trotz der technologischen Fortschritte warnen Sicherheitsexperten vor neuen Angriffsvektoren. Das Unternehmen SpecterOps wies darauf hin, dass sogenannte Pass-the-Passkey-Angriffe Schwachstellen in der WebAuthn-Implementierung ausnutzen können. Angreifer könnten dabei Authentifizierungs-Bestätigungen (Assertions) wiedergeben, um die Mehrfaktor-Authentifizierung zu umgehen.

Zwar wurde eine entsprechende Sicherheitslücke in Windows 11 (CVE-2026-34348, CVSS-Score 6.5) bereits am 14. Juli 2026 durch einen Patch behoben, dennoch fehle es in Microsoft Entra ID teilweise noch an serverseitigen Anti-Replay-Prüfungen. Experten raten dazu, neben dem Einspielen von Betriebssystem-Updates auch die Überwachung von WebAuthn-Schnittstellen zu intensivieren und serverseitige Schutzmaßnahmen für die Challenge-Eindeutigkeit und Sitzungsbindung konsequent durchzusetzen.

Für Unternehmen, die eigene Telekommunikationsanbieter einbinden möchten, bietet der Microsoft Security Store ab dem 18. September 2026 entsprechende Optionen an. Die technische Konfiguration dieser Anbieter soll ab dem 30. Oktober 2026 möglich sein.