Passwörter obsolet: Experten sehen Ende innerhalb von vier Jahren

Neue Angriffsmethoden setzen klassische Passwörter unter Druck, während Unternehmen und Behörden zunehmend auf passwortlose Anmeldungen setzen.

Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass traditionelle Passwörter innerhalb der nächsten vier Jahre vollständig obsolet und als Schutzmechanismus unsicher werden könnten. Die Einschätzung fällt in eine Phase, in der sich Angriffsmethoden und Verteidigungstechnologien gleichermaßen rasant weiterentwickeln – mit teils widersprüchlichen Signalen für Nutzer und Unternehmen.

Neue Angriffswege umgehen klassische Schutzmechanismen

Das FBI warnte zuletzt vor sogenanntem OAuth-Consent-Phishing, bei dem Angreifer legitime OAuth-Anwendungen missbrauchen, um sich Zugriff auf E-Mail-Konten zu verschaffen – selbst ein klassischer Passwort-Reset schützt in diesen Fällen nicht mehr, nur ein Widerruf der betroffenen Zugriffstoken hilft.

Laut den Internet Crime Complaint Center (IC3) des FBI gingen 2025 rund 1 Million Beschwerden mit einem Gesamtschaden von 20,8 Milliarden US-Dollar ein, allein durch Business-E-Mail-Compromise-Betrug entstand ein Schaden von 3,04 Milliarden US-Dollar.

Verschärft wird die Lage durch Schadsoftware wie den Infostealer-Wurm Shai-Hulud, der inzwischen 469 statt zuvor 189 Orte nach Zugangsdaten in Entwicklungsumgebungen, CI/CD-Pipelines, Cloud-Diensten und KI-Tools durchsucht.

Ein Report von NordLayer zeigt zudem, dass 82 Prozent der befragten IT-Fachleute im vergangenen Jahr Sicherheitsvorfälle im Browser erlebten – einem Bereich, über den nahezu alle der 504 untersuchten Top-Anwendungen laufen. Infostealer erbeuteten den Angaben zufolge 2025 rund 1,8 Millionen Zugangsdaten und 68,8 Milliarden Cookies.

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Konkrete Vorfälle unterstreichen die Risiken

Wie aktuell gewordene Vorfälle zeigen, bleibt die Bedrohungslage real: Bei JetBrains nutzten Angreifer eine ungepatchte Schwachstelle in TeamCity aus, um AWS-Zugangsdaten zu extrahieren; betroffene Cadence-Nutzer müssen sämtliche Zugangsdaten rotieren, da E-Mail-Adressen, Benutzernamen und gehashte Passwörter kompromittiert wurden.

Der Sicherheitsforscher Krebs berichtete zudem von einem Datenleck mit 153 Millionen Führerschein-Scans im Darknet, das FBI ermittelt bereits; allein in Texas wurden 3 Millionen Führerscheine gestohlen.

Eine Studie ergab außerdem, dass 94 Prozent der Nutzer ungenutzte „Zombie“-Konten besitzen, wobei Dienste wie Pandora, Groupon und Shutterfly besonders häufig betroffen sind. 29 Prozent dieser Konten wurden demnach bereits gehackt, 53 Prozent betrafen soziale Medien, der durchschnittliche Verlust lag bei 180 US-Dollar, und 40 Prozent der Betroffenen erlitten in der Folge einen Identitätsdiebstahl.

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Laut einer IBM-Studie stiegen KI-gesteuerte Angriffe im Jahresvergleich um 56 Prozent, während die durchschnittlichen Kosten einer Datenschutzverletzung um über 1 Million US-Dollar zunahmen – im Finanzsektor liegen die Kosten pro Vorfall bei 6,29 Millionen US-Dollar.

Branche setzt auf Alternativen

Als Reaktion auf diese Entwicklung setzen Unternehmen verstärkt auf passwortlose Verfahren. OpenAI verlangt künftig Hardware-Passkeys für Mitglieder seines Technical Advisory Council.

Apple hatte bereits mit iCloud Keychain Passkeys eingeführt, die eine Anmeldung per Face ID oder Touch ID auf Basis des WebAuthn-Standards ermöglichen und laut Unternehmensangaben sicherer sind als ein Passwort in Kombination mit Zwei-Faktor-Authentifizierung – allerdings zunächst nur für Apple-Geräte und als Entwicklervorschau.

Auch auf Behördenseite gibt es Nachholbedarf: Laut dem Verband NASCIO verfügen nur 13 Prozent der US-Bundesstaaten über eine vollständige digitale Bürger-Identitätslösung. Angesichts der Häufung von Vorfällen und der zunehmenden Automatisierung von Angriffen durch KI-Systeme dürfte der Druck auf Unternehmen und Behörden wachsen, klassische Passwörter zügig durch robustere Authentifizierungsverfahren zu ersetzen.