Pax-Silica-Initiative: 35 Nationen sichern KI- und Rohstoff-Lieferketten

Die EU kämpft mit dem Spagat zwischen strenger KI-Regulierung und der Abhängigkeit von US-Technologie. Der Beitritt Italiens zur Pax-Silica-Initiative unterstreicht das strategische Dilemma.

Die Europäische Union steckt in einem strategischen Dilemma: Sie will Technologie regulieren, ist aber auf ausländische Anbieter angewiesen.

Auf dem Washingtoner Gipfel am 25. und 26. Juni 2026 ist Italien der Pax-Silica-Initiative beigetreten – einer US-geführten Partnerschaft zur Sicherung von Lieferketten für Künstliche Intelligenz, Halbleiter und kritische Rohstoffe. Die EU als Ganzes war dem Bündnis bereits Anfang Juni beigetreten. Mit Italien wächst der Pakt nun auf 35 Nationen. Rom bereitet zudem ein Memorandum of Understanding mit den USA zu Seltenen Erden vor.

Regulierung trifft auf Marktrealität

Die EU kämpft mit wachsenden Spannungen zwischen ihrem Regulierungsrahmen und den großen Technologieanbietern. Obwohl der EU AI Act 2026 verabschiedet wurde, bleibt Europa von ausländischer Infrastruktur abhängig.

Das zeigte sich zuletzt im Juni 2026: Das US-Handelsministerium ordnete an, dass Anthropic bestimmte KI-Modelle global aussetzen muss – auch in Europa. Betroffen ist unter anderem das fortschrittliche Tool Claude Fable. Parallel dazu verweigert Apple die Veröffentlichung seiner Siri-KI-Funktionen auf dem europäischen Markt. Grund: ein Streit über den Digital Markets Act (DMA).

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Beobachter sprechen von einem KI-Trilemma: Keine globale Macht habe bisher Demokratie, öffentliche Kontrolle und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit erfolgreich vereint. Während China auf Staatskontrolle setzt und die USA auf eine Partnerschaft von Regierung und Privatwirtschaft, hat Europas Regulierungsfokus bislang nicht zur Entwicklung eigener Kerntechnologien geführt.

Wirtschaftliche Schieflage

Die Zahlen zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit sind ernüchternd. Seit 2008 wuchs das EU-BIP um 18 Prozent – die USA legten 36 Prozent zu, China rund 300 Prozent. Rund 30 Prozent der europäischen Einhörner (Startups mit Milliardenbewertung) sind seit 2008 in die USA abgewandert.

Die KI-Investitionen in der EU betragen nur etwa vier Prozent des US-Niveaus. Der französische Vorzeige-Startup Mistral kommt auf eine Bewertung von umgerechnet rund 14 Milliarden Euro – OpenAI liegt bei etwa 470 Milliarden Euro. Ein weiterer Rückschlag: Im März 2026 meldete der Batteriehersteller Northvolt Insolvenz an.

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Einige Mitgliedsstaaten reagieren mit eigenen Initiativen. Frankreich hat über sein Programm „Choose France“ Zusagen von über 100 Milliarden Euro eingesammelt, darunter 70 Milliarden Euro von Softbank. Estland drängt auf eine stärker integrierte europäische Kapitalmarktunion, damit KI-Firmen ohne ausländisches Risikokapital wachsen können.

KI in der Landwirtschaft

Die EU-Kommission treibt den KI-Einsatz in konkreten Wirtschaftsbereichen voran. Am 24. Juni 2026 veranstalteten die Generaldirektionen Landwirtschaft und Connect einen Workshop zur Skalierung von KI in der Agrarwirtschaft. Die Ergebnisse sollen in die Apply-AI-Strategie und künftige EU-Förderprogramme einfließen.

Der Europäische Innovationsrat (EIC) veranstaltet vom 28. bis 30. Juni auf der kroatischen Insel Cres ein „Grow in Europe“-Bootcamp. Ziel: Startups auf Investorengespräche vorzubereiten. Höhepunkt ist ein Pitch-Event am 1. Juli 2026 in Zagreb.

Während europäische Führungskräfte ein eigenes Deep-Tech-Ökosystem aufbauen wollen, bleibt der unmittelbare Fokus auf der Navigation durch globale Verschiebungen. Der Rückzug der USA von einer rechtebasierten Regulierung – im Juni 2026 hob Colorado sein KI-Gesetz nach Bundesdruck auf – zeigt: Die weltweite Politik tendiert zunehmend zu Innovation und nationaler Sicherheit statt zu strengen Offenlegungspflichten.