Der Zahlungsriese PayPal steckt in der tiefsten Krise seiner Geschichte. Nach dem überraschenden Rauswurf von CEO Alex Chriss und einer drastischen Gewinnwarnung stürzte der Aktienkurs um 20 Prozent ab. Die Ernennung von HP-Chef Enrique Lores zum Retter ab März wirft eine grundlegende Frage auf: Steht das einstige Vorzeige-Unternehmen vor einem Wendepunkt – oder vor dem Niedergang?
Führungswechsel als Notbremse
Die Abberufung von Alex Chriss am 3. Februar war ein Paukenschlag. Das Direktorium begründete den Schritt ungewöhnlich deutlich: Das Tempo der Veränderungen und die Umsetzung unter Chriss hätten nicht den Erwartungen entsprochen. Als Übergangs-CEO sprang Finanzchef Jamie Miller ein. Ab 1. März übernimmt Enrique Lores, der seit über sechs Jahren HP führt, das Ruder. Parallel wurde David W. Dorman neuer Aufsichtsratsvorsitzender.
Die Botschaft ist klar: Der Vorstand verlangt einen kompletten Neustart. Analysten deuten den überstürzten Wechsel als Zeichen wachsender Panik. Steht eine radikale Strategieänderung oder sogar der Verkauf von Teilen des Konzerns bevor? Die häufigen Führungswechsel – Lores ist der dritte CEO in kurzer Zeit – nähren jedenfalls Zweifel an der langfristigen Planung.
Kern-Geschäft bröckelt bedrohlich
Der Auslöser der Krise sind verheerende Zahlen für das vierte Quartal 2025. Der Umsatz von 8,68 Milliarden US-Dollar und der bereinigte Gewinn je Aktie von 1,23 Dollar blieben unter den Erwartungen. Das wahre Alarmsignal kommt jedoch aus dem profitabelsten Segment: dem branded Checkout.
Das Wachstum dieses Kerngeschäfts, bei dem Kunden aktiv den PayPal-Button wählen, brach von 6 Prozent auf nur noch 1 Prozent ein. Die Konkurrenz durch Apple Pay, Google Wallet und zahlreiche Fintechs frisst Marktanteile. Die Firmenführung führte die Schwäche auf Einzelhandelsprobleme in den USA und internationale Widrigkeiten – explizit auch in Deutschland – zurück. Doch das Eingeständnis, bei der Umsetzung versagt zu haben, wiegt schwer.
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Düstere Prognose löst Ermittlungen aus
Die Aussichten für 2026 sind alles andere als rosig. PayPal erwartet für das laufende Jahr lediglich ein stagnierendes bis leicht rückläufiges bereinigtes Ergebnis. Die Analysten hatten hingegen ein Plus von rund 8 Prozent prognostiziert. Noch bezeichnender: Das Unternehmen zog seine konkrete Prognose für 2027 komplett zurück und will künftig nur noch jährliche Ausblicke geben.
Diese eingeschränkte Planungssicherheit löste an der Wall Street eine Abverkaufswelle aus. Die Aktie fiel auf ein Jahres-Tief. Mindestens eine Kanzlei leitete wegen der Kluft zwischen früheren Versprechungen und der jetzigen Realität eine Untersuchung ein. Eine Flut von Herabstufungen durch Analysten folgte.
Wert-Chance oder struktureller Niedergang?
Unter Investoren herrscht tiefe Zwiespalt. Die einen sehen eine Wert-Chance. Sie verweisen auf die massive freie Cashflow-Generierung von 6,4 Milliarden Dollar im Jahr 2025 und das angekündigte Aktienrückkaufprogramm über 6 Milliarden Dollar für 2026. Der stark gefallene Kurs biete eine Sicherheitsmarge.
Die Skeptiker warnen vor einem strukturellen Problem. Das schwindende Wachstum im Kernbereich, die strategische Unsicherheit und der Druck, Händlern immer größere Zugeständnisse zu machen, um überhaupt noch auf deren Websites platziert zu werden, sind für sie Alarmzeichen. Die zentrale Frage lautet: Sind PayPals Probleme mit besserer Führung lösbar – oder zeigt sich hier der Anfang vom Ende eines einstigen Vorreiters?
Alles hängt nun am neuen CEO Enrique Lores. Seine erste Aufgabe wird es sein, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen und einen klaren Plan für die Wiederbelebung des Kerngeschäfts vorzulegen. Er muss das Unternehmen stabilisieren, die Innovation in Bereichen wie KI-getriebenem Handel vorantreiben und in einem erbarmungslosen Wettbewerb bestehen. Für den Fintech-Pionier beginnt eine Ära der Bewährung.





