PayPal im Übernahmefieber: Rivalin Stripe als mögliche Käuferin

Spekulationen über eine Übernahme durch Stripe treiben den Paypal-Kurs nach oben. Der angeschlagene Bezahldienstleister steht am Scheideweg zwischen Fusion und Zerschlagung.

Die Nachricht elektrisiert die Fintech-Branche: Der Bezahldienstleister PayPal steht offenbar zum Verkauf. Als heißester Kandidat gilt die Privatfirma Stripe. Die Spekulationen katapultieren den angeschlagenen Konzern zurück in den Fokus der Anleger.

PayPals Aktie legte innerhalb von zwei Tagen über 13 Prozent zu, nachdem Berichte über unaufgefordertes Übernahmeinteresse die Runde machten. Im Zentrum der Gerüchte: der Zahlungsabwickler Stripe. Er soll prüfen, den Pionier des Online-Bezahlens ganz oder teilweise zu übernehmen. Offizielle Stellungnahmen gibt es von beiden Unternehmen nicht, die Gespräche sollen in einem frühen Stadium sein. Doch allein die Möglichkeit eines Mega-Deals verändert die Wahrnehmung des Zahlungsriesen fundamental.

Ein Fintech-Gigant erwägt den Schlag

Laut mehreren Berichten erwägt Stripe tatsächlich einen Zugriff auf PayPal. Eine solche Fusion wäre ein Paukenschlag. Sie würde zwei der größten Namen der Branche vereinen. Stripe, zuletzt mit rund 159 Milliarden Euro bewertet, würde damit ein börsennotiertes Unternehmen schlucken, dessen Börsenwert vor dem jüngsten Kursfeuerwerk bei etwa 43 Milliarden Euro lag.

Die Logik hinter einem Deal scheint auf der Hand zu liegen. Analysten sehen großes Potenzial für Synergien. Stripes moderne, auf Softwareentwickler zugeschnittene Infrastruktur könnte mit PayPals etabliertem, globalem Netzwerk aus hunderten Millionen Kunden- und Händlerkonten verschmolzen werden. Die Herausforderungen wären jedoch immens: die Integration zweier unterschiedlicher Unternehmenskulturen und potenzielle hohe regulatorische Hürden.

PayPal am Scheideweg

Das Übernahmeinteresse kommt nicht von ungefähr. PayPal kämpft seit Monaten mit massiven Problemen. Die Aktie verlor deutlich an Wert, angetrieben von Sorgen über schärferen Wettbewerb, operative Schwierigkeiten und nachlassendes Wachstum. Die Quartalszahlen für das vierte Quartal 2025 enttäuschten die Märkte.

Hinzu kommt ein Führungswechsel an der Spitze. Erst im Februar verkündete der Aufsichtsrat, dass CEO Alex Chriss durch den derzeitigen Aufsichtsratsvorsitzenden Enrique Lores ersetzt wird – wirksam zum 1. März 2026. Dieser Wechsel gilt als Versuch, die Strategie zu beschleunigen und Schwächen im Kerngeschäft zu beheben. Diese Kombination aus niedriger Bewertung und Führungswechsel macht PayPal zu einem attraktiven, wenn auch komplexen Übernahmeziel.

Zwei Szenarien: Fusion oder Zerschlagung

Die Diskussion über PayPals Zukunft kreist nun um zwei grundlegend verschiedene Pfade. Der eine ist die Integration durch einen strategischen Käufer wie Stripe. Das Ziel: eine unvergleichliche Macht im digitalen Handel zu schmieden, die PayPals riesige Nutzerbasis und Marken wie Venmo mit Stripes leistungsstarker Zahlungsabwicklung kombiniert.

Das andere Szenario ist die Zerschlagung. Einige Analysten halten es für möglich, dass PayPal in Einzelteilen verkauft wird. So könnte etwa eine Großbank wie JPMorgan Chase Interesse an der Peer-to-Peer-App Venmo haben, während ein anderer Konzern den Zahlungsdienstleister Braintree übernehmen könnte. Dieser Ansatz könnte Wert freisetzen, indem spezialisierte Unternehmen genau die Teile von PayPal erwerben, die zu ihrer Strategie passen.

Was kommt als Nächstes?

Die unmittelbare Zukunft PayPals ist ungewiss. Die Berichte über Übernahmegespräche sind vorläufig, ein Deal ist keineswegs garantiert. Der Fokus liegt nun auf dem neuen CEO Enrique Lores, der sein Amt am 1. März inmitten dieser Spekulationen antritt. Seine ersten Schritte werden genauestens beobachtet werden. Wird er einen internen Turnaround-Kurs steuern oder ernsthaft mit potenziellen Käufern verhandeln?

Für die gesamte Digital Payments-Branche ist die Situation ein klares Signal für den anhaltenden Konsolidierungsdruck. Ob PayPal nun verkauft wird oder unter neuer Führung einen eigenen Weg geht – die kommenden Wochen werden entscheidend sein für das Unternehmen, das einst das Zeitalter des Online-Handels mitdefinierte.