In der Finanzbranche zeichnet sich ein deutlicher Trend zur Automatisierung komplexer Aufgaben durch spezialisierte KI-Agenten ab. Wie aus aktuellen Branchenberichten hervorgeht, haben mehrere Technologieunternehmen neue Lösungen vorgestellt, die von Procure-to-Pay-Prozessen über das Monitoring von Private-Wealth-Daten bis hin zur proaktiven Finanzmodellierung für Gründer reichen. Diese neuen agentischen Systeme zielen darauf ab, manuelle Tätigkeiten in Finanzabteilungen und Investmenthäusern signifikant zu reduzieren.
Automatisierung in der Beschaffung und im Zahlungsverkehr
Automation Anywhere hat die allgemeine Verfügbarkeit seiner agentischen Procure-to-Pay-Lösung bekannt gegeben, die als Teil des Bereichs Autonomous Finance in Zusammenarbeit mit OpenAI entwickelt wurde.
Das System baut auf einer Engine für die Kreditorenbuchhaltung auf, die eine Dunkelverarbeitung von bis zu 90% erreichen soll. Das Portfolio für autonome Finanzprozesse umfasst laut Unternehmensangaben mehr als 55 KI-Agenten und deckt über 100 Aufgabentypen in mehr als zehn Finanz-Subfunktionen ab.
Parallel dazu hat Paystand in Santa Cruz seine Agentic-Finance-Suite eingeführt. Während die Module für Reporting und Ausgabenmanagement bereits verfügbar sind, befindet sich ein Agent für das Forderungsmanagement derzeit in einer privaten Testphase.
Das Unternehmen strebt damit eine Verkürzung des Monatsabschlusses um 78% sowie eine Reduktion der Außenstandsdauer von Forderungen um 62% an. Paystand verweist auf ein Netzwerk von mehr als einer Million zahlenden Unternehmen und ein Transaktionsvolumen von über 20 Milliarden US-Dollar.
Im Bereich des strategischen Einkaufs hat Globality die Plattform Glo 2.0 gestartet. Diese ermöglicht es KI-Agenten, autonom Verhandlungen mit Lieferanten über Preise, Qualität und Servicelevel zu führen. Das System bietet dabei sowohl einen kollaborativen als auch einen vollständig autonomen Modus an.
Wer sich mit dem Einsatz intelligenter Systeme im Unternehmen befasst, muss auch die rechtlichen Rahmenbedingungen der neuen EU-Vorgaben im Blick behalten. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen des EU AI Acts. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Neue Werkzeuge für Investmentbanking und Treasury
OpenAI adressiert mit dem Launch von ChatGPT for Financial Services gezielt den Bereich Investmentbanking und Aktienanalyse. Die Lösung basiert auf dem Modell GPT-6 Astra und wurde mit Partnern wie Morgan Stanley und Evercore entwickelt.
Das System verfügt über native Zugriffe auf Datenbestände von LSEG News, PitchBook und Daloopa sowie Integrationen für S&P Capital IQ und Moody’s. Nach Angaben von OpenAI-Finanzchefin Sarah Friar ist das Enterprise-Geschäft des Unternehmens seit August 2026 umsatzstärker als der Consumer-Bereich. In internen Benchmarks erreichte das neue Modell eine Genauigkeit von 69,9%, verglichen mit 60,2% beim Vorgängermodell.
Auch Ripple baut sein Angebot im Bereich Treasury weiter aus. Die KI-Lösung GSmart wurde um Funktionen für Liquiditätsprognosen, Risikomanagement und Reporting erweitert. Laut Unternehmensangaben nutzen bereits 60% der berechtigten Kunden die Risiko-Analysen.
Trotz der zunehmenden Automatisierung bleibe eine menschliche Freigabe vor der Ausführung von Transaktionen verpflichtend. Marktbeobachter von Gartner prognostizieren, dass Fortune-500-Unternehmen bis zum Jahr 2028 durchschnittlich mehr als 150.000 Agenten einsetzen könnten.
Die Einführung neuer KI-Systeme stellt Unternehmen nicht nur vor technische, sondern auch vor neue regulatorische Herausforderungen hinsichtlich der Risikodokumentation. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche Systeme als Hochrisiko eingestuft werden und welche konkreten Schritte jetzt für die Compliance notwendig sind. Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko – und was müssen Unternehmen jetzt konkret tun?
Speziallösungen für CFOs und Vermögensverwaltung
Für kleinere Unternehmen und Gründer hat cfo.ai den KI-CFO namens Ari vorgestellt. Das System lässt sich mit gängigen Softwarelösungen wie NetSuite, QuickBooks oder Stripe verbinden, um Live-Finanzmodelle und Cash-Forecasts zu erstellen. Es überwacht proaktiv Kennzahlen wie das EBITDA oder die Abwanderungsrate.
Im Sektor der Vermögensverwaltung hat FINTRX den Agenten Fin eingeführt, der auf eine Datenbank von über 850.000 Finanzunternehmen und Kontakten zugreift. Das Tool soll Berater bei der Vorbereitung von Meetings und der Identifikation potenzieller Kunden unterstützen.
Ergänzend dazu präsentierte Esker ein Framework für das Office of the CFO. Kundenberichten zufolge ermöglicht der Einsatz dieser Technologie eine um das Dreifache beschleunigte Genehmigung von Prozessen sowie eine signifikante Steigerung der kontaktlosen Rechnungsverarbeitung.
Exiger wiederum hat seinen Technologie-Stack für Lieferketten und Compliance modernisiert, nachdem das Unternehmen Anfang des Jahres eine umfassende Neuausrichtung seiner KI-Plattform vorgenommen hatte.

