PC-Hardware: Neue Preisschockwelle trifft Netzteile und Kühler

Rohstoffkosten treiben Preise für Netzteile und Prozessorkühler um bis zu 10 Prozent in die Höhe. Ab Februar entfallen zudem alle Rabatte, was zu deutlich höheren Endkundenpreisen führt.

Netzteile und CPU-Kühler werden deutlich teurer – eine neue Preisschockwelle rollt auf PC-Bastler zu. Nach den explodierenden Kosten für Arbeitsspeicher und SSDs im vergangenen Jahr trifft es nun die zentralen Komponenten für Stromversorgung und Kühlung. Auslöser sind drastisch gestiegene Rohstoffpreise, die Hersteller ab sofort an die Kunden weitergeben.

Rohstoffkrise zwingt zu sofortigen Preisanpassungen

Die Warnung kommt direkt aus der Lieferkette. Das chinesische Unternehmen Guangzhou Xinhongzheng Electronic Technology, ein wichtiger Zulieferer, hat diese Woche einen drastischen Schritt bekanntgegeben: Seine Vorlieferanten akzeptieren seit dem 6. Januar 2026 keine Bestellungen mehr zu alten Preisen. Die Folge sind sofortige Aufschläge bei den Endprodukten.

Für Verbraucher bedeutet das konkret: Die Preise für Netzteile (PSUs) werden um 6 bis 10 Prozent steigen. Bei CPU-Luftkühlern und Kühlkörpern sind Aufschläge von 6 bis 8 Prozent zu erwarten. Besonders hart trifft es High-End-Produkte für leistungshungrige Prozessoren und Grafikkarten, wo die prozentualen Steigerungen hohe absolute Beträge ausmachen.

Treiber der Inflation sind die globalen Rohstoffmärkte. Die Preise für Kupfer, Silber und Zinn – essenzielle Metalle für Kabel, Kühlrippen und Lötstellen – schießen in die Höhe. Die Margen der Hersteller sind so stark unter Druck, dass sie die Kosten nicht mehr auffangen können.

Doppelschlag: Rabatte fallen ab Februar weg

Doch damit nicht genug. Ab dem 1. Februar 2026 wollen die Hersteller eine weitere drastische Maßnahme umsetzen: Sie streichen alle bestehenden Verkaufsförderungsmaßnahmen. Das heißt, die üblichen Rabatte, Sonderaktionen und Mengenrabatte für Händler entfallen.

Da schätzungsweise 90 Prozent der betroffenen Produkte aktuell mit solchen Promotionen verkauft werden, kommt es zum Doppelschlag. Ein Netzteil, das heute im Angebot noch 100 Euro kostet, könnte ab Februar schnell bei 120 Euro oder mehr liegen. Die Kombination aus Grundpreiserhöhung und wegfallenden Rabatten wird für Endkunden deutlich spürbar sein.

Für Verbraucher bleibt ein kleines Zeitfenster. Lagerbestände bei Händlern in Europa und den USA werden wohl noch zu alten Konditionen verkauft. Doch sobald im ersten Quartal 2026 neuer Nachschub aus Asien eintrifft, werden die höheren Preise voll durchschlagen.

„Superzyklus“ der Komponentenkosten weitet sich aus

Die neuen Preissteigerungen verschärfen einen ohnehin angespannten Markt. Analysten sprechen bereits von einem „Component Cost Super-Cycle“, einem Superzyklus steigender Komponentenkosten. 2025 trieb vor allem der globale KI-Boom die Preise für DRAM und SSDs in die Höhe, weil Halbleiterkapazitäten in Rechenzentren flossen.

Bislang waren Gehäuse, Kühler und Netzteile von dieser Volatilität verschont geblieben. Doch nun hat die Kostenwelle auch diese „strukturellen“ Bauteile erfasst. Ihre Abhängigkeit von Kupfer und Aluminium macht sie anfällig für Schwankungen an den Rohstoffbörsen.

Hinzu kommt der technologische Druck: Die hohen Leistungsanforderungen neuer Grafikkarten und Prozessoren zwingen zu aufwendigeren Netzteilen nach ATX-3.1-Standard. Diese sind von Haus aus teurer in der Produktion – noch bevor die Rohstoffinflation überhaupt berücksichtigt wird.

Ausblick: Teurere PCs im gesamten Jahr 2026

Die Prognose für das erste Halbjahr 2026 ist eindeutig: Die Preise für PC-Hardware werden weiter steigen. Kurzfristig könnte es einen Nachfrageschub geben, wenn sich Systemintegratoren und versierte Bastler noch schnell mit Altbeständen eindecken.

Experten raten dringend: Wer in den kommenden Monaten einen PC bauen oder aufrüsten will, sollte Netzteil und Kühler prioritär und sofort kaufen. Im Gegensatz zu spekulationsgetriebenen GPU-Knappheiten der Vergangenheit sind diese Preiserhöhungen strukturell bedingt. Eine schnelle Trendumkehr ist unwahrscheinlich.

Spekuliert wird bereits über weitere Dominoeffekte. Sollten die Rohstoffpreise weiter klettern, könnten noch in diesem Jahr auch PC-Gehäuse und Lüfter teurer werden. Die Botschaft aus der Lieferkette ist klar: Die Kosten, um einen PC mit Strom zu versorgen und kühl zu halten, steigen. Das Zeitfenster, zu Preisen von 2025 zu kaufen, schließt sich rapide.