PC-Markt im freien Fall: KI-Boom lässt Verbraucher abblitzen

PC- und Mainboard-Verkäufe brechen ein, während KI-Investitionen Rekorde erzielen. AMD meldet Rekordumsatz im Rechenzentrum.

Während Konzerne Milliarden in KI-Infrastruktur pumpen, brechen Verkäufe von PCs und Mainboards dramatisch ein. Schuld sind explodierende Komponentenpreise und eine radikale Neuausrichtung der Lieferketten.

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Prozessor- und Mainboard-Verkäufe brechen zweistellig ein

Die Zahlen sind ernüchternd: Im ersten Quartal 2026 sind die Auslieferungen von Client-CPUs im Vergleich zum Vorquartal um 15 Prozent eingebrochen. Im Jahresvergleich beträgt das Minus 8,6 Prozent. Das geht aus Daten von Jon Peddie Research hervor, die am 11. Mai veröffentlicht wurden. Analysten führen den Abschwung auf mehrere Faktoren zurück: saisonale Marktkorrekturen, steigende Speicherpreise und geopolitische Spannungen wie der Konflikt im Iran sowie neue Zollstrukturen.

Noch härter trifft es den Mainboard-Markt. Branchenbeobachter prognostizieren für 2026 einen globalen Einbruch von 25 Prozent. Bereits 2025 hatte ASUS fünf Millionen Mainboards weniger verkauft als im Vorjahr. Auch Gigabyte, MSI und ASRock spüren die eisige Marktlage.

Der Hauptgrund: Hersteller priorisieren margenstarke KI-Hardware. RAM, SSDs und CPUs für Endverbraucher werden dadurch teurer. Immer mehr Nutzer verschieben ihre PC-Upgrades auf unbestimmte Zeit.

Speichermangel und der Aufstieg gefälschter Komponenten

Der Engpass bei NAND- und DRAM-Speicher wird sich laut Branchenexperten bis mindestens Ende 2028 hinziehen. Silicon Motion warnte am 10. Mai, dass KI-Unternehmen langfristige Lieferverträge abschließen und damit den traditionellen Elektronikherstellern den Zugang zu stabilen Beständen blockieren.

Die Folgen sind bereits im Einzelhandel sichtbar. Apple kämpft mit massiven Lieferverzögerungen. Die 32-GB-Version des Mac Mini wurde aus dem Sortiment genommen, die 24-GB-Variante hat eine Wartezeit von zwei Monaten. High-End-Konfigurationen des Mac Studio mit 256 oder 512 GB Speicher sind ebenfalls gestrichen. Selbst MacBook Pro und MacBook Air sind erstmals von Verzögerungen betroffen.

Die hohen DDR5-Preise haben zudem eine Welle von Betrugsfällen ausgelöst. In asiatischen Märkten tauchen vermehrt gefälschte DDR5-Riegel auf. Die Module nutzen Plastik-Attrappen, um Gewicht und Optik echter DRAM-Chips zu imitieren. Sie tragen oft Etiketten renommierter Hersteller wie Samsung oder SK Hynix. Auf Sekundärmärkten wie Yahoo Japan werden sie als „Schrott“ oder „Ausschuss“ angeboten – ein Trick, um Verbraucherschutzregeln zu umgehen.

KI-Sektor boomt – Rekordzahlen bei AMD

Während der Verbrauchermarkt ächzt, feiert die KI-Branche Rekorde. AMD meldete am 10. Mai einen Rekordumsatz von 5,8 Milliarden Euro im Rechenzentrumsgeschäft – ein Plus von 57 Prozent. Die Instinct-MI300-Serie findet reißenden Absatz, da Unternehmen nach Alternativen zu anderen Anbietern suchen.

Auch neue Prozessoren werden auf KI getrimmt. Tests des AMD Ryzen 9 9950X3D2 zeigen, dass der Chip für KI-Workloads optimiert wurde. In maschinellen Lernaufgaben ist er rund 10 Prozent schneller als sein Vorgänger. Bei KI-Inferenz-Anwendungen wie PyTorch, OpenVINO und Llama.cpp sind die Gewinne noch deutlicher. Allerdings läuft die Hardware unter Unix-Umgebungen deutlich besser als unter Windows.

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HP versucht derweil, Nischen zu besetzen. Am 10. Mai stellte das Unternehmen das EliteBoard G1a vor – einen „PC in einer Tastatur“ für Callcenter und Doppelarbeitsplätze. Das Gerät kostet ab 1.400 Euro und bietet einen AMD Ryzen AI 7 Pro 350 sowie bis zu 64 GB RAM. Im Gaming-Segment bringt Lenovo am 13. Mai die Lecoo Bellator Blade 7000-Desktops mit Intel Core Ultra 5 230F und Nvidia RTX 5060 auf den Markt. Die Preise liegen zwischen 1.130 und 1.240 Euro.

Milliarden-Investitionen in KI-Infrastruktur

Die Branche investiert massiv in die nächste KI-Generation. Nvidia und IREN – ein ehemaliger Krypto-Mining-Anbieter – planen den Bau von bis zu 5 Gigawatt KI-Infrastruktur. Nvidia sichert sich dabei das Recht, 30 Millionen IREN-Aktien zu je 70 Euro zu kaufen – ein Paket im Wert von rund 2 Milliarden Euro. Das Projektzentrum entsteht in Texas.

Parallel dazu werden Netzwerkprotokolle für KI-Cluster neu entwickelt. AMD hat am 10. Mai sein MRC-Netzwerkprotokoll an das Open Compute Project übergeben. Entwickelt in Zusammenarbeit mit OpenAI, Microsoft, Broadcom und Intel, soll es Engpässe in riesigen KI-Clustern mit Hunderttausenden GPUs verhindern.

Die Börse feiert die KI-Euphorie. Der KI-Chiphersteller Cerebras startet am 13. Mai seinen Börsengang. Wegen der hohen Nachfrage wurde der Preis auf 150 bis 160 Euro pro Aktie angehoben – zuvor waren 115 bis 125 Euro geplant. Die Emission von 30 Millionen Aktien ist Berichten zufolge 20-fach überzeichnet.

Ausblick: Die KI-Steuer für den Verbraucher

Die Kluft zwischen boomendem KI-Sektor und schrumpfendem PC-Markt wird die Branche noch Jahre prägen. Während Server-CPU-Lieferungen im ersten Quartal um 3 Prozent und im Jahresvergleich um 13,6 Prozent zulegten, leidet die Client-Seite unter der „KI-Steuer“ auf Komponenten.

ARM-CEO Rene Haas prognostizierte am 11. Mai, dass die Nachfrage nach Datenzentrum-CPUs bis 2030 auf über 100 Milliarden Euro steigen könnte. Die Anforderungen an die Hardware würden durch „agentische KI“ weiter extrem steigen – möglicherweise auf 256 bis 512 Kerne pro Prozessor.

Für den Durchschnittsverbraucher bedeutet das: Die Ära günstiger, leistungsstarker Upgrades ist vorerst vorbei. AMD entwickelt zwar Gerüchten zufolge neue Einstiegs-GPUs wie die RX 9050 mit 8 GB VRAM für das Sub-130-Watt-Segment. In China wurden bereits Preissenkungen für die Radeon RX 9000-Serie wegen schwacher Nachfrage beobachtet. Doch bis sich die globale Speicherversorgung stabilisiert – frühestens Ende 2028 – wird der Bau oder das Upgrade eines PCs für viele unerschwinglich bleiben.