Schuld ist eine dramatische Chip-Knappheit, die Preise in die Höhe treibt.
Im zweiten Quartal 2026 endete eine bemerkenswerte Serie: Neun Quartale in Folge hatten die Hersteller mehr Computer verkauft als im Vorjahreszeitraum. Doch nun ist Schluss damit. Die Marktforscher von IDC und Omdia melden einen Rückgang der Auslieferungen – und die Ursache ist eindeutig.
Lieferungen brechen um fast fünf Prozent ein
Laut IDC fielen die weltweiten PC-Auslieferungen im zweiten Quartal 2026 um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt wurden 68,2 Millionen Geräte verschifft. Omdia beziffert den Rückgang auf 3,6 Prozent (65,7 Millionen Einheiten). Besonders hart traf es Notebooks: Hier sanken die Stückzahlen um 4,2 Prozent auf 51,7 Millionen. Desktop-Computer verzeichneten mit minus 1,3 Prozent einen moderateren Rückgang.
Die Rangliste der größten Hersteller bleibt stabil, doch fast alle verlieren:
- Lenovo führt mit 16,6 Millionen ausgelieferten Geräten – ein Minus von 2,1 Prozent
- HP verzeichnete den stärksten Einbruch unter den Top 5: minus 9,0 Prozent auf 13,0 Millionen Einheiten
- Dell lieferte 9,3 Millionen Geräte aus (minus 5,0 Prozent)
- Apple trotzt dem Trend: plus 10,1 Prozent auf 6,7 Millionen Einheiten (IDC) beziehungsweise 7,3 Millionen (Omdia)
- ASUS blieb mit 5,0 Millionen Stück nahezu stabil (plus 0,2 Prozent)
Interessant: Obwohl weniger Geräte verkauft wurden, stiegen die Umsätze vieler Hersteller. Sie gaben die gestiegenen Komponentenkosten einfach an die Kunden weiter.
Speicherkrise: Preise verdreifacht, Engpässe bis 2030
Der Hauptgrund für den Abschwung: eine dramatische Verknappung bei Speicherchips. In Shenzhen, dem Elektronikzentrum Chinas, haben sich die Preise für Speicherbausteine innerhalb eines Jahres verdreifacht. Bei bestimmten Produkten – angetrieben durch die hohe Nachfrage aus dem KI-Sektor – betrug der Anstieg sogar das Fünffache. DDR5-Speicher verteuerte sich seit Mitte 2025 um 40 bis 60 Prozent.
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Und Besserung ist nicht in Sicht. Kwak Noh-jung, CEO von SK Hynix, das am 11. Juli 2026 an der Nasdaq notiert wurde, warnt: Die Knappheit werde sich 2027 noch verschärfen. Er bezeichnet das kommende Jahr als das „schwierigste für die Speicherversorgung“. Die Engpässe könnten mindestens bis 2030 anhalten, da die Nachfrage die Produktionskapazitäten weiterhin übersteigt. Ähnlich düster äußern sich Samsung und Micron.
Einige Hersteller reagieren bereits. MSI und Asus haben DDR5-Speicher des chinesischen Herstellers CXMT für AMD-AM5-Mainboards freigegeben. CXMT hält derzeit elf Prozent der globalen DRAM-Wafer-Kapazität und meldete für das erste Quartal 2026 einen Gewinnsprung von 719 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Neue Strategien: „Bring Your Own RAM“ und DRAM-lose SSDs
Die Industrie stellt sich neu auf. Systemintegratoren und Komponentenhersteller passen ihre Geschäftsmodelle an:
Maingear bietet seit dem 12. Juli 2026 eine „Bring Your Own RAM“-Option für kundenspezifische PCs an. Kunden können ihre eigenen Speichermodule mitbringen, um die aktuellen Marktaufschläge zu umgehen.
Samsung arbeitet offenbar an einer neuen PCIe-4.0-SSD, die ohne DRAM auskommt – ein Versuch, die Produktionskosten zu senken.
Trotz der schwierigen Marktlage brachten mehrere Hersteller Mitte Juli neue Hardware auf den Markt:
- Samsung startete am 8. Juli die Massenproduktion der PM1763 PCIe-6.0-SSD. Die für KI-Rechenzentren entwickelte SSD erreicht sequenzielle Lesegeschwindigkeiten von 28.400 MB/s und ist in Kapazitäten bis zu 16 Terabyte erhältlich.
- Minisforum präsentierte am 12. Juli den MS-03 Mini-PC. Das System unterstützt bis zu 128 GB DDR5-7200 RAM und wird von einem Intel Core Ultra 9 386H angetrieben. Vorbestellungen starten am 23. Juli.
- Cooler Master brachte am 12. Juli das Netzteil MWE Gold 750 V4 auf den Markt – mit ATX-3.1-Unterstützung und zehn Jahren Garantie.
- Thermaltake stellte am 11. und 12. Juli das CAPO X vor, ein Dual-System-Full-Tower-Gehäuse für zwei Micro-ATX-Mainboards.
- Lian Li enthüllte am 11. Juli die UNI-FAN-FLEX-Serie mit kabellosem Design und integrierten LCD-Bildschirmen.
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Ausblick: Preisdruck vor allem bei günstigen Geräten
Die Marktforscher erwarten keine schnelle Erholung. Omdia prognostiziert für die USA im Gesamtjahr 2026 einen Rückgang von 14,4 Prozent. Besonders betroffen ist das Segment unter 500 Euro: Hier brach der Absatz bereits im ersten Quartal um 18,7 Prozent ein. Die steigenden Kosten treffen vor allem preisbewusste Käufer – und die müssen sich wohl noch lange gedulden.

