Der Chairman des taiwanischen Technologiekonzerns Acer, Jason Chen (Chen Jun-sheng), rechnet für das vierte Quartal 2026 mit deutlich steigenden PC-Preisen. Wie mehrere Medien berichteten, geht Chen von Preiserhöhungen zwischen 5 und 20 Prozent aus. Einen Höhepunkt der Preisentwicklung erwartet er Mitte 2027, danach sollen die Speicher- und SSD-Kosten wieder sinken.
Speicherengpass entspannt sich – aber nicht überall
Nach Einschätzung des Acer-Chefs entspannt sich die Speicherknappheit derzeit, da chinesische Lieferanten zusätzliche Kapazitäten freigeben. Die Preise blieben jedoch volatil. Chen betonte zudem, es sei unmöglich, dass die Knappheit bis 2030 anhalte.
Differenzierter fällt seine Einschätzung bei einzelnen Speichertypen aus: Knapp bleiben laut Chen vor allem LPDDR5- und DDR5-9600-Module in Kombination mit N1/N1X-Chips, während bei DDR4-Speicher inzwischen eine Überkapazität bestehe.
Bei CPUs sieht er insgesamt eine ausreichende Verfügbarkeit – Ausnahme seien Microsoft-Low-Cost-Lizenzvarianten mit sogenannter Small-Core-Spezifikation sowie Einstiegs- und Mittelklasse-SKUs. Chen wies zudem darauf hin, dass Lieferanten in der Stückliste weiterhin Preiserhöhungen durchsetzten, die teils schwer zu rechtfertigen seien.
Als Reaktion auf die Marktlage baut Acer nach eigenen Angaben Bestände günstiger Komponenten auf. Laut einem Bericht verfügt der Konzern bereits über eine große Speicherreserve. PCs machen inzwischen nur noch die Hälfte des Acer-Umsatzes aus.
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Erholung erst in der zweiten Jahreshälfte 2027 erwartet
Chen rechnet damit, dass die PC-Preise vor einer Trendwende in der zweiten Jahreshälfte 2027 zunächst weiter steigen werden. Acer geht demnach für 2027 von niedrigeren SSD- und Speicherkosten sowie einer Stabilisierung in dieser Phase aus.
Chinesische Lieferanten wirkten laut Chen derzeit preisdämpfend, wobei Vertragspreise weiterhin stark schwanken. Ein akuter Speichermangel bestehe aus seiner Sicht derzeit nicht, DDR4-Speicher sei sogar im Überangebot.
Einordnung in ein breiteres Preisumfeld
Die Aussagen des Acer-Chefs reihen sich in eine Serie von Preisanpassungen in der Elektronikbranche ein, die im Zusammenhang mit gestiegener Nachfrage nach Speicherchips für KI-Anwendungen stehen.
So soll Apple laut einem DigiTimes-Bericht für das erste Quartal 2027 – dem Zeitfenster der erwarteten iPhone-18-Modelle – deutlich höhere Speicherpreise von Samsung akzeptieren; unklar bleibt dabei, ob DRAM, NAND oder beide Speichertypen betroffen sind.
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AMD kündigte gegenüber Partnern eine Preiserhöhung von rund 10 Prozent für Instinct-KI-Beschleuniger, Radeon-Grafikkarten und Mainboard-Chipsets ab dem vierten Quartal 2026 an, begründet mit höheren Waferkosten bei TSMC; Ryzen-Prozessoren sind davon ausgenommen. Auch Intel soll laut DigiTimes seine CPU-Preise um rund 10 Prozent anheben.
Auch der südkoreanische Speicherhersteller SK Hynix äußerte sich zur Marktlage: Der CEO des Unternehmens bezeichnete 2027 als das voraussichtlich schwierigste Versorgungsjahr, da die Nachfrage die verfügbare Kapazität bis 2030 übersteigen werde. Diese Einschätzung deckt sich mit Chens Erwartung eines baldigen Preishöhepunkts, unterscheidet sich jedoch in der Zeitachse der vollständigen Entspannung.
Für Verbraucher und Unternehmen, die Neuanschaffungen planen, deutet sich damit ein Fenster erhöhter Unsicherheit an: Sollten sich Chens Prognosen bestätigen, dürften PC-Preise bis weit ins Jahr 2027 hinein steigen, bevor mit einer spürbaren Entspannung bei Speicher- und SSD-Kosten zu rechnen wäre.

