Die großen Computerhersteller HP und Dell überprüfen derzeit intensiv ihre Lieferketten für gedruckte Schaltungen. Wie Medien unter Berufung auf Nikkei Asia Ende Oktober berichteten, prüfen beide Konzerne, ob Zulieferer ausreichend Leiterplatten (Printed Circuit Boards, PCB) für ihre geplanten Hardware-Produktlinien des Jahres 2027 bereitstellen können.
Hintergrund sind sich zuspitzende Engpässe in der Platinenfertigung, die durch den rasant steigenden Bedarf der Halbleiter- und Serverindustrie verstärkt werden.
Extreme Lieferzeiten und Rohstoffengpässe belasten Hersteller
Die Situation in der PCB-Lieferkette hat sich drastisch verschärft. Die regulären Lieferzeiten haben sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Bei bestimmten PCB-Aufträgen erreichen die Vorlaufzeiten mittlerweile bis zu 30 Monate. Eine gegenwärtig getätigte Neubestellung wäre demnach erst gegen Ende 2028 lieferbar.
Ein wesentlicher Engpassfaktor liegt bei den Vormaterialien, insbesondere bei kupferkaschierten Laminaten (CCL) sowie Spezialglasfasern. Bei einem führenden CCL-Lieferanten ist das Auftragsbuch bereits bis 2030 gefüllt, obwohl das Unternehmen plant, seine Kapazitäten bis 2028 zu verdreifachen.
Auch die Preise schnellen in Teilbereichen in die Höhe: Ein taiwanischer PC-Hersteller meldete, dass seine CCL-Kosten seit Juli mindestens das Zwölffache des vorherigen Niveaus erreicht haben.
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Diese Angabe bezieht sich auf das Einzelfirmenumfeld und gilt nicht für sämtliche Laminattypen. Zudem belasten steigende Personalkosten die Branche; die Löhne in der PCB-Produktion legten um 20 bis 30 Prozent zu.
KI-Boom verdrängt traditionelle Hardware
Verursacht wird der Mangel zu großen Teilen durch den Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Platinen für KI-Server erfordern deutlich mehr Lagen sowie anspruchsvolle Spezialmaterialien, wodurch sie ein Vielfaches an Fertigungskapazität binden. Um ihre Produktion abzusichern, haben Branchengrößen bereits weitreichende Vorkehrungen getroffen.
Der Chiphersteller Nvidia schloss Substratvereinbarungen mit Ibiden aus Japan, Samsung Electro-Mechanics aus Südkorea und Unimicron aus Taiwan. Unimicron plant zudem, die eigene Kapazität innerhalb von drei Jahren auf das 2,5-Fache zu steigern. Auch andere Tech-Konzerne sichern sich ab: Amazon erwarb im September Anteile an Gold Circuit Electronics im Umfang von rund 1,59 Milliarden NT-Dollar.
Auswirkungen auf Elektronikindustrie und Endverbraucher
Die Verknappung reicht weit über PC-Hersteller hinaus. Bei Canon bremst der PCB-Mangel die Produktion bereits seit August. Für das Jahr 2026 rechnet das Unternehmen in seinem Medizingeschäft mit einem Umsatzausfall von etwa 90 Milliarden Yen, der jedoch nicht allein auf fehlende Leiterplatten zurückzuführen ist.
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Für klassische PC-Hersteller stellt die PCB-Knappheit eine zusätzliche Hürde dar, da sie bereits mit steigenden Speicherpreisen konfrontiert sind. Die Kostendrücke könnten spürbare Folgen für Endkunden haben: Laut Prognosen des Marktforschungsunternehmens Gartner könnten Personal Computer zu einem Preis von unter 500 US-Dollar bis zum Jahr 2028 vollständig vom Markt verschwinden.

