Pentagon drängt auf KI ohne Sicherheitsbremse für Geheimnetze

Das US-Verteidigungsministerium verhandelt mit Tech-Firmen über den Einsatz entfesselter KI in geheimen Militärnetzwerken. Dies könnte das Wettrüsten neu definieren und stellt Unternehmen vor ethische Konflikte.

Das US-Verteidigungsministerium prescht vor: Führende KI-Modelle sollen ohne übliche Sicherheitsbeschränkungen in geheime Militärnetze integriert werden. Diese strategische Kehrtwende könnte das Wettrüsten im Bereich Künstliche Intelligenz neu definieren – mit direkten Folgen für die NATO und europäische Sicherheitsinteressen.

„Keine Bremsen“ für Geheimdienst-KI

Hinter den verschlossenen Türen des Pentagon tobt ein technologischer Machtkampf. Unter Führung von Chief Technology Officer Emil Michael drängt das Ministerium Tech-Giganten dazu, ihre leistungsstärksten KI-Modelle auf streng geheimen Netzwerken wie dem SIPRNet laufen zu lassen – und zwar ohne die üblichen Sicherheitsvorkehrungen. Diese sogenannten „Guardrails“ verhindern normalerweise, dass KI-Systeme Anleitungen für Waffenbau oder Cyberangriffe geben.

Doch genau diese Einschränkungen will das Militär loswerden. „Für Verteidigungsanalysten, die Feindverhalten simulieren oder Militäroptionen durchspielen müssen, sind zensierte Tools nutzlos“, argumentiert ein Insider. In der Logik des Pentagons entscheidet in einem Konflikt mit China oder Russland die Geschwindigkeit der Entscheidungsfindung – und KI soll diesen Vorsprung garantieren.

Silicon Valley im Gewissenskonflikt

Die Forderung nach entfesselter KI für Kriegsszenarien spaltet die Tech-Elite. Während lukrative Rüstungsaufträge locken, fürchten Unternehmen Imageverluste und ethische Fallstricke.

Besonders hart verlaufen die Verhandlungen mit Anthropic. Das Unternehmen, bekannt für seinen sicherheitsorientierten „Constitutional AI“-Ansatz, sträubt sich gegen die Nutzung seiner Technologie für autonome Zielerfassung oder Überwachung. „Wir werden klare Grenzen ziehen, selbst in klassifizierten Umgebungen“, beharrt die Firmenführung.

Anders OpenAI: Der KI-Pionier hat diese Woche einen Deal für den Einsatz in nicht-klassifizierten Pentagon-Netzen abgeschlossen. Über die Integration in Geheimnetze wird noch verhandelt. Das Unternehmen betont seine Verpflichtung zur nationalen Sicherheit, muss aber die Risiken für hochsensible Militärdomänen abwägen.

Vorbild GenAI.mil – jetzt für Geheimnisse

Die neue Offensive baut auf dem Erfolg von GenAI.mil auf. Diese Plattform versorgt seit Ende 2025 das Verteidigungsministerium mit KI-Tools für administrative Aufgaben – und hat bereits über 3 Millionen Nutzer. Was für Büroarbeit funktioniert, soll nun auch Geheimdienstanalysten und Kommandeure zur Verfügung stehen.

Doch der Schritt in klassifizierte Netze ist technisch heikel. Wie verhindert man, dass sensible Daten nach außen dringen? Die Lösung könnten „air-gapped“-Systeme sein: KI-Modelle, die komplett in abgeschirmten Regierungseinrichtungen laufen, ohne Verbindung zum offenen Internet.

Hegseths „KI-zuerst“-Doktrin

Hinter dem Tempo steht Verteidigungsminister Pete Hegseth und seine „AI Acceleration Strategy“. Für Hegseth ist Künstliche Intelligenz das modernes Äquivalent der nuklearen Abschreckung. „Bürokratische Vorsicht und ideologische Zwänge dürfen nicht die Adoption überlebenswichtiger Werkzeuge blockieren“, erklärte er kürzlich.

Diese Strategie verändert auch die Kultur im Pentagon. Das Ministerium baut Hierarchien ab, um Daten schneller von Sensoren zu KI-Modellen und menschlichen Entscheidungsträgern fließen zu lassen. Die Chief Digital and Artificial Intelligence Office (CDAO) gewinnt an Einfluss – ein klarer Signal für Prioritätenverschiebung.

Wettlauf mit ungewissem Ausgang

Die laufenden Verhandlungen werden Präzedenzfall für die Zukunft militärischer Technologie. Setzt sich das Pentagon durch, beschleunigt dies die Entwicklung autonomer Waffensysteme fundamental. Doch Experten warnen: Selbst ohne Sicherheitsfilter neigen KI-Modelle zu „Halluzinationen“ und Fehlern. In Hochrisikoumgebungen, wo ein Irrtum zur Eskalation führen kann, sind solche Unwägbarkeiten brandgefährlich.

In den kommenden Monaten will das Pentagon erste Pilotprogramme für geheime KI-Netze starten, wahrscheinlich für Nachrichtenauswertung und Logistik. Deren Erfolg oder Scheitern wird zeigen, ob die Vision einer KI-gesteuerten Armee ohne Kompromisse bei Sicherheit und Ethik realisierbar ist.

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