Das US-Verteidigungsministerium drückt beim Schutz vor Drohnen aufs Tempo. Seine Innovationsabteilung DIU sucht in einem beschleunigten Verfahren neue Sensortechnologien, um kritische Infrastruktur im Inland und Truppen im Ausland zu schützen. Eine Demonstration ist bereits für Frühjahr 2026 geplant.
Wettlauf gegen die Drohnen-Schwärme
Die Bedrohung durch kleine, kostengünstige Drohnen wächst rasant. Sie können traditionelle Luftabwehrsysteme umgehen. Die Defense Innovation Unit (DIU) hat nun einen förmlichen Aufruf an die Industrie gerichtet. Gefragt sind skalierbare und robuste Sensorsysteme. Der Zeitplan ist extrem straff: Ausgewählte Unternehmen haben möglicherweise nur 30 Tage Vorbereitungszeit für eine Demonstration im Yuma Proving Ground in Arizona.
Die Ausschreibung verfolgt eine Zweigleisige Strategie. Zum einen geht es um den stationären Schutz wichtiger Einrichtungen in den USA. Zum anderen um die mobile Verteidigung von Truppen in umkämpften Gebieten. Beide Bereiche gelten als gleich dringlich.
Zwei Einsatzszenarien: Heimat und Front
Für den Schutz heimischer Infrastruktur sucht das Pentagon radarbasierte Sensornetze. Sie müssen in komplexen städtischen Umgebungen funktionieren. Die Systeme sollen Drohnen unter neun Kilogramm auf mindestens zwei Kilometer Entfernung erkennen. Dabei müssen sie Störsignale von Vögeln oder dem Boden herausfiltern. Ziel ist eine nahtlose Integration in bestehende Abwehrsysteme.
Im zweiten Szenario, der mobil-taktischen Aufklärung, stehen Truppen im Fokus. Gesucht sind kompakte Systeme für taktische Fahrzeuge. Sie müssen auch ohne GPS und unter elektronischer Kriegsführung funktionieren – sowohl im Stand als auch während der Fahrt. Die Bedienung soll für Soldaten intuitiv sein, ohne spezielles Ingenieurwissen. Diese Anforderung spiegelt die taktische Realität wider: Immer häufiger werden Drohnenschwärme eingesetzt, um Bodenoperationen zu stören.
Globale Industrie reagiert auf Bedrohung
Der dringende Aufruf aus Washington fällt in eine Phase intensiver globaler Aktivitäten. Die Wirksamkeit von Drohnen in aktuellen Konflikten treibt die Entwicklung an.
- Raytheon testete diese Woche erfolgreich sein Coyote Block 3NK-System. Es bekämpft Drohnenschwärme nicht-kinetisch, also ohne Geschosse. Das minimiert Kollateralschäden in besiedelten Gebieten – eine Schlüsselfähigkeit für den Heimatschutz.
- Die Europäische Kommission stellte am 11. Februar einen Aktionsplan vor. Er soll die Drohnen- und Abwehrfähigkeiten der EU stärken. Geplant sind Testzentren und angepasste Regularien.
- Internationale Kooperationen boomen: Hanwha Aerospace aus Südkorea und Frankenburg Technologies aus Estland entwickeln gemeinsam integrierte Abwehrsysteme für Panzerfahrzeuge. Australiens EOS und die türkische ROKETSAN arbeiten an gerichteten Energiewaffen.
Komplexe Herausforderungen im zivilen Luftraum
Der beschleunigte Zeitplan des DIU zeigt einen strategischen Wandel. Statt langfristiger Entwicklungen setzt das Pentagon nun auf schnelle Beschaffung kommerzieller Technologien. Diese „Geschwindigkeit der Relevanz“ soll mit der rasanten Innovation von Gegnern Schritt halten.
Die Finanzmittel sind beträchtlich. Das US-Heimatschutzministerium hat Förderprogramme aufgelegt, um Veranstaltungsorte für die Fußball-WM 2026 zu sichern.
Jüngste Vorfälle zeigen jedoch die Schwierigkeiten beim Einsatz. Ein vorübergehender Flughafen-Stopp in El Paso, Texas, am 10. Februar wurde mutmaßlich auf den Test eines Energiewaffen-Systems zurückgeführt. Solche Ereignisse unterstreichen den dringenden Abstimmungsbedarf zwischen Sicherheitskräften und ziviler Luftfahrt.
Die US-Armee setzt daher auf einen Mix aus Lösungen. Neben nicht-kinetischen Systemen wie dem Coyote beschaffte sie kürzlich für 4,8 Millionen Euro die kinetische Abwehrdrohne Bumblebee V2.
Ausblick: KI-gesteuerte, integrierte Verteidigung
Die Demonstration im Frühjahr 2026 wird wegweisend für künftige Beschaffungen sein. Die Architektur eines mehrschichtigen Abwehrnetzes für Heimat und Front hängt von den Ergebnissen ab. Ein klarer Trend ist die Integration verschiedener Sensoren – Radar, Funkfrequenz-Detektoren, Optik – durch KI-gestützte Software.
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Die Industrie arbeitet an hochautomatisierten Systemen. Sie sollen die kognitive Last für menschliche Bediener verringern und Entscheidungen extrem beschleunigen. Nur so lassen sich autonome Drohnenschwärme wirksam bekämpfen. Der Wettlauf um die Lufthoheit wird eine nationale Sicherheitspriorität bleiben.





