Phishing-Alarm: OAuth-Attacken explodieren um 3.750 Prozent

KI-gestütztes Phishing verursacht 2026 Milliardenschäden. Betrugsportale und neue Maschen gefährden Anleger, während Behörden erste Erfolge melden.

Finanzaufsicht und Rechtsexperten schlagen Alarm: Die Zahl der Betrugsfälle im Online-Trading und Kryptosektor explodiert. Allein KI-gestütztes Phishing verursachte 2026 einen wirtschaftlichen Schaden von rund 442 Milliarden Euro.

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Diese Plattformen sind aktuell gefährlich

Mehrere Rechtsanwaltskanzleien veröffentlichten Ende Mai Warnungen vor konkreten Trading-Portalen. Betroffen sind Elite Capital Limited (elite-ltd.pro), Aivolix (aivolix.com) und die Plattform VTNOD unter der Domain vantur[.]com.

Die Masche ist immer ähnlich: Professionelle Webseiten und simulierte Kontostände täuschen hohe Gewinne vor. Bei Aivolix fiel Analysten eine extrem kurze Domain-Laufzeit seit Ende April auf – ein klassisches Alarmzeichen.

Der Kontakt läuft meist über soziale Medien oder WhatsApp. Anleger werden zu kleinen Einzahlungen bewegt. Will jemand Geld abheben, fordern die Betrüger plötzlich zusätzliche Zahlungen für angebliche Steuern oder Provisionen.

In Mannheim verlor ein 60-Jähriger auf diese Weise einen hohen sechsstelligen Betrag. Er wurde über eine Internetplattform kontaktiert und zur Installation einer App sowie zu Überweisungen auf verschiedene Konten verleitet.

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KI macht Betrug gefährlicher

Die technologische Aufrüstung der Täter schreitet rasant voran. 86 Prozent aller Phishing-Kampagnen gelten inzwischen als KI-gesteuert. Im ersten Quartal stieg die Zahl der Banking-Trojaner um 196 Prozent auf 1,24 Millionen Fälle.

Besonders perfide: Manipulationen in der Suchmaschinenwerbung. Eine einzige Kampagne mit gefälschten Uniswap-Anzeigen erbeutete bis zum 26. Mai mindestens 400.000 US-Dollar.

Sicherheitsexperten beobachten zudem einen explosionsartigen Anstieg von OAuth-Phishing – plus 3.750 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei nutzen Angreifer den Autorisierungsprozess für Clouddienste aus.

Die Europäische Zentralbank reagierte: Sie berief eine Krisensitzung mit den 111 größten Banken ein.

Erste Erfolge bei Strafverfolgung

In Südkorea kam es Ende Mai zum ersten Prozess wegen eines „Rug Pulls“ auf einer dezentralen Kryptobörse. Die Betreiber des Projekts Catfi sollen den Token-Preis innerhalb von 26 Stunden um das 1.001-Fache manipuliert haben. 256 Investoren verloren rund 900 Millionen Won.

In Deutschland führten Razzien in Hessen und Nordrhein-Westfalen zur Zerschlagung eines Geldwäsche-Netzwerks. Über Krypto-Wallets flossen mehr als 100 Millionen Euro.

Steuerliche Absetzung? Gericht bremst Betroffene

Ein Dämpfer für Geschädigte: Das Finanzgericht Münster entschied, dass Verluste aus Trickbetrug nicht als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abgesetzt werden können. Die Richter argumentierten, solche Aufwendungen seien nicht zwangsläufig – zumumtbare Handlungsalternativen hätten bestanden. Die Revision wurde zugelassen.

Dass eine Rückholung von Geldern möglich ist, zeigt ein Fall aus der Schweiz. Eine Geschädigte erhielt fast 200.000 Franken zurück, nachdem ihre Gelder auf einem Kryptokonto auf den Seychellen eingefroren wurden. Experten führen den Erfolg auf die verbesserte Zusammenarbeit zwischen Behörden und großen Kryptobörsen zurück.