Phishing-Angriffe: 2,3 Millionen Mails täglich mit ASCII-Smuggling

Microsoft registriert täglich über 2,3 Millionen Phishing-Nachrichten. KI-Modelle und neue Angriffskits erweitern zugleich die Bedrohung für Unternehmen.

Sicherheitsanalysten von Microsoft beobachten derzeit eine großangelegte Phishing-Kampagne, bei der täglich mehr als 2,3 Millionen Nachrichten versendet werden. Im Zentrum der Angriffe steht eine als „ASCII-Smuggling“ bezeichnete Technik, die ihren Ursprung in der KI-Forschung hat. Ziel dieser Methode ist es, herkömmliche Sicherheitskontrollen zu umgehen und schädliche Inhalte für Filtermechanismen unsichtbar zu machen.

Tarnung durch unsichtbare Unicode-Zeichen

Die aktuelle Kampagne, deren Beginn Microsoft auf den 9. Februar 2026 datiert, nutzt spezielle Unicode-Tag-Zeichen im Bereich von U+E0000 bis U+E007F. Diese Zeichen sind für das menschliche Auge unsichtbar, können jedoch von Software verarbeitet werden. Die Angreifer verwenden diese Technik, um Begriffe wie „funding“ innerhalb der E-Mails zu verstecken, die andernfalls von Sicherheitslösungen als verdächtig eingestuft würden.

Den Beobachtungen zufolge ist die Aktivität eng mit Phishing-Versuchen verknüpft, die Themen der Small Business Administration (SBA) imitieren. Als Infrastruktur für den Versand der Nachrichten wird unter anderem die Plattform ActiveCampaign genutzt.

KI-Modelle verschärfen die Bedrohungslage

Die Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz spielt bei der Identifizierung und Ausnutzung von Sicherheitslücken eine zunehmend kritische Rolle. OpenAI hat in diesem Zusammenhang das Modell GPT-6 Astra veröffentlicht, welches als erstes KI-Modell die Einstufung „Critical“ innerhalb des hauseigenen Preparedness Frameworks erhielt.

In Tests erreichte das Modell eine Erfolgsquote von 100 Prozent auf der Benchmark ExploitBench sowie 42,4 Prozent auf ExploitGym. GPT-6 Astra war laut Berichten in der Lage, zwei Zero-Day-Lücken in der V8-Engine zu finden und aus einer Browser-Sandbox auszubrechen.

Trotz dieser Fähigkeiten verweigere das Modell in 91,5 Prozent der Fälle Versuche, Sicherheitsbeschränkungen durch sogenannte Jailbreaks zu umgehen. Die Nutzungskosten für das Modell werden mit 10 US-Dollar pro einer Million Input-Tokens und 50 US-Dollar pro einer Million Output-Tokens angegeben.

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Automatisierung von Vishing-Angriffen

Parallel zur Entwicklung bei Textmodellen nehmen KI-gestützte Angriffe im Bereich Voice-Phishing (Vishing) zu. Group-IB identifizierte das Phishing-as-a-Service-Kit „Balonx Sistema“, das ein Modul namens „CallFlow“ enthält. Dieses nutzt unter anderem GPT-4o-mini, synthetische Stimmen von ElevenLabs sowie Whisper-Transkriptionen, um Anrufe bei Finanzinstituten zu automatisieren.

Das System ermöglicht es einem einzelnen Operator, hunderte Anrufe parallel zu führen. In der Standardkonfiguration sind 30 gleichzeitige SIP-Kanäle vorgesehen. Die Kampagne zielt aktuell vorwiegend auf Bankkunden in Mexiko ab.

Vielfalt der Angriffsvektoren nimmt zu

Neben KI-gestützten Methoden verzeichnen Sicherheitsforscher eine Zunahme spezialisierter Angriffskits und neuer Taktiken:

  • Knight Office-Kit: Huntress entdeckte dieses Kit, das für Adversary-in-the-Middle-Angriffe (AiTM) auf Microsoft 365-Konten eingesetzt wird. Es nutzt DocuSign-Themen und Redirects über Plattformen wie Monday.com. Die Angreifer erzielen Persistenz durch OAuth-Berechtigungen und Windows Hello for Business.
  • Outsider-Plattform: Trotz internationaler Takedown-Operationen bleibt der Dienst „Outsider“ aktiv. Zwischen Dezember 2025 und Mai 2026 wurden über 100.000 Phishing-Seiten in 54 Ländern registriert.
  • Quishing und Recruitment-Phishing: QR-Phishing erreicht laut Branchenberichten Rekordniveau, da URLs in Codes versteckt werden, um E-Mail-Gateways zu umgehen. Zudem warnt Zimperium vor gefälschten Rekrutierungsprozessen, bei denen Angreifer HR-Mitarbeiter namhafter Konzerne wie Amazon, Apple oder Boeing imitieren, um Unternehmenszugänge abzugreifen.
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Zusätzlich beobachtet Microsoft Kampagnen, bei denen Angreifer den IT-Support via Microsoft Teams imitieren. Dabei wird versucht, über Remote-Zugriff ein Node.js-Implantat zu installieren, um eine Seitwärtsbewegung (Lateral Movement) innerhalb des Firmennetzwerks bis hin zu den Domain-Controllern zu ermöglichen.