Phishing-Angriffe: 341% Anstieg in 6 Monaten durch KI-Tools

KI-gestützte Phishing-Angriffe steigen um 341 Prozent, neue Techniken wie Device-Code-Phishing und BitB gefährden Unternehmen weltweit.

Sicherheitsforscher von Barracuda haben eine neue Qualität bei gezielten Phishing-Kampagnen identifiziert, die verstärkt auf die Infrastruktur von Microsoft setzen. Die Angreifer nutzen dabei echte Microsoft-Loginseiten, um Session-Tokens abzugreifen und Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen.

In den beobachteten Angriffsszenarien kommt zudem Device-Code-Phishing zum Einsatz, das mit hochentwickelten Funktionen wie Kill-Switches und sogenannten Split-Click-Buttons ausgestattet ist.

Technologische Evolution der Angriffsmethoden

Die aktuellen Kampagnen zeichnen sich durch eine hohe technische Komplexität aus. Laut den Erkenntnissen der Forscher wird häufig die Tycoon-2FA-Plattform genutzt, um die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) auszuhebeln. Dabei setzen die Akteure auf manipulierte PDF-Anhänge, die als Ausgangspunkt für das Device-Code-Phishing dienen.

Neben dem reinen Datendiebstahl wurde ein strategischer Wechsel hin zur Verteilung von Schadsoftware beobachtet. Hierfür nutzen die Angreifer obfuskierte Skripte, die in gefälschten Rechnungen eingebettet sind, um Malware-Payloads auf die Zielsysteme zu schleusen.

Ein wesentliches Merkmal dieser neuen Angriffswelle ist die Nutzung der Browser-in-the-Browser-Technik (BitB). Analysten von CTM360 entdeckten in diesem Zusammenhang über 3.000 betrügerische URLs im Bereich der Personalrekrutierung, die solche Credential-Fallen verwenden.

Auch legitime Dienste werden zweckentfremdet: Berichten von Spamhaus zufolge kompromittierten Akteure Google-Workspace-Konten in mehr als 450 Bildungsdomänen, um Spam-Filter erfolgreich zu umgehen.

Massive Zunahme KI-gestützter Bedrohungen

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Die beobachteten Einzelfälle sind Teil eines breiteren Trends im Jahr 2026. Marktanalysen von SlashNext belegen einen Anstieg von 341 % bei bösartigem Phishing, Business Email Compromise (BEC) und Bedrohungen durch QR-Codes innerhalb der letzten sechs Monate.

Im 12-Monats-Vergleich stieg das Aufkommen sogar um 856 %. Besonders signifikant ist die Entwicklung seit der Markteinführung von ChatGPT, wonach die Bedrohungslage um 4.151 % zunahm. BEC-Angriffe verursachten bereits im Jahr 2023 Verluste in Höhe von 2,9 Mrd. US-Dollar.

Der Einfluss künstlicher Intelligenz zeigt sich auch in einer Untersuchung von KnowBe4, laut der 82,6 % der Phishing-E-Mails Merkmale einer KI-Nutzung aufweisen – eine Steigerung um 53,5 % gegenüber dem Vorjahr. Kriminelle Dienste wie „MessiahGPT“, die auf Plattformen wie BreachForums beworben werden, erleichtern die Erstellung von Ransomware, Phishing-Kits und Stealern erheblich.

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Globale Auswirkungen und steigende Professionalisierung

Die Professionalisierung der Angreifer führt zu kürzeren Reaktionszeiten. CrowdStrike stellte in einem aktuellen Bericht fest, dass KI-gestützte Aktivitäten von Gegnern um 89 % zugenommen haben.

Zwischen Januar und Juni 2026 wurden 88 % aller Schwachstellen, für die ein öffentlicher Proof-of-Concept existierte, innerhalb von lediglich 48 Stunden ausgenutzt. Akteure mit Verbindung zu China weaponisieren Sicherheitslücken teilweise in weniger als 24 Stunden.

Auch auf dem afrikanischen Kontinent spiegelt sich diese Dynamik wider. INTERPOL-Daten zeigen, dass KI im Jahr 2025 in 55 % aller Cybercrime-Fälle in 36 afrikanischen Nationen involviert war. Die finanziellen Schäden in dieser Region stiegen von 192 Mio. US-Dollar im Jahr 2024 auf 484 Mio. US-Dollar im Jahr 2025 an.

In der ersten Jahreshälfte 2026 machten Scams laut Gen Digital insgesamt 46 % aller Bedrohungserkennungen aus. Während Tech-Support-Scams mit 20,3 Millionen blockierten Angriffen ein hohes Niveau hielten, verzeichneten Imposter-Scams einen Zuwachs von 387 %.

Besonders kritisch bewerten Experten die Zunahme von Web-Skimming-Angriffen, die im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2025 um 212 % anstiegen. Angesichts dieser Entwicklung warnen Analysten, dass das Vertrauen der Verbraucher gefährdet sei, da 40 % der Kunden Geschäftsbeziehungen nach nachlässigem Umgang mit Daten beenden würden.