Phishing ist mittlerweile für über die Hälfte aller Sicherheitsvorfälle verantwortlich. Die Angriffe werden immer raffinierter und treffen Verbraucher wie Unternehmen gleichermaßen.
Phishing dominiert die Bedrohungslage
Der aktuelle Quartalsbericht von Cisco Talos zeigt eine drastische Zunahme: Über 50 Prozent aller registrierten Sicherheitsvorfälle gehen auf Phishing zurück. Im Vorquartal lag der Anteil noch bei rund 33 Prozent.
Besonders alarmierend ist die Geschwindigkeit der Angriffe. Bei sogenannten Vishing-Kampagnen – Betrug via Telefon oder Microsoft Teams – schaffen es Täter teilweise in weniger als 17 Stunden, Ransomware in Systemen zu platzieren.
Auch die Mehr-Faktor-Authentifizierung (MFA) ist kein sicherer Schutz mehr. Beim „Device-Code-Phishing“ umgehen Angreifer diese Sicherheitsbarriere gezielt. Innerhalb von vier Wochen registrierten Experten rund sieben Millionen solcher Angriffe – 99 Prozent davon auf Microsoft-Nutzer.
Trojaner und Fake-Shops auf dem Vormarsch
Der Gen Threat Report für das erste Halbjahr 2026 bestätigt den Trend mit klaren Zahlen: Dropper nahmen um 160 Prozent zu, Trojaner um 145 Prozent. Besonders stark wächst der Betrug mit gefälschten Online-Shops – hier beträgt das Plus 134 Prozent.
Deutschland steht dabei weltweit an unrühmlicher dritter Stelle: Mit rund 2,3 Millionen abgewehrten Angriffen im Bereich Tech-Support-Betrug liegt die Bundesrepublik global auf dem dritten Platz.
Doch nicht nur Software ist das Einfallstor. Eine nicht patchbare Sicherheitslücke namens „usbliter8“ betrifft ältere iPhone- und iPad-Modelle mit A12- und A13-Chips. Zudem entdeckten Experten Malware, die auf bestimmten Smartphones kleinerer Hersteller ab Werk vorinstalliert war – ein Zurücksetzen auf Werkseinstellungen half nicht.
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Neue Betrugsmaschen bei PayPal und WhatsApp
Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein und der Weiße Ring warnen vor einer Welle des Identitätsdiebstahls. Täter nutzen Daten aus Leaks für unberechtigte Kontenabbuchungen. Eine aktuelle Masche zielt auf PayPal-Nutzer: Betrüger versenden E-Mails über die echte Plattform, die eine angebliche Belastung von fast 1.000 US-Dollar ankündigen. Die Zahlungsaufforderung läuft über „Geld unter Freunden“ – dort greift kein Käuferschutz.
In WhatsApp übernehmen Angreifer Konten über manipulierte QR-Codes und Fake-Abstimmungen. Ein Fall aus Rostock zeigt die Folgen: Ein Nutzer verlor den Zugang zu seinem Profil, Betrüger erbeuteten über 3.000 Euro von seinen Kontakten. Die Finanzaufsicht BaFin warnte Ende Juli zudem vor mehreren Krypto-Plattformen ohne Erlaubnis – Anlegern droht der Totalverlust.
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So schützen Sie sich vor Angriffen
Sicherheitsexperten empfehlen eine Kombination aus Technik und Wachsamkeit:
- Zwei-Schritt-Verifizierung für alle Online-Konten konsequent nutzen
- Unaufgeforderte Kontaktaufnahmen per Telefon, SMS oder E-Mail misstrauisch prüfen – auch wenn sie offiziell wirken
- Zahlungsaufforderungen immer über die offiziellen Apps oder Webseiten verifizieren, nicht über Links in Nachrichten
- Sicherheitsupdates für Betriebssysteme und Anwendungen regelmäßig installieren
Härtere Gesetze gegen Wirtschaftskriminalität
Die Bundesregierung plant parallel strengere Regeln. Ein Aktionsplan sieht eine erweiterte Registrierkassenpflicht vor: Ab Anfang 2028 gilt sie für Betriebe mit mehr als 100.000 Euro Jahresumsatz. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis 25.000 Euro oder Haftstrafen.
Auch für spezielle Produkte wie Solaranlagen gibt es mittlerweile detaillierte Checklisten, um Verbraucher vor professionell aufgemachten Fake-Shops zu schützen. Die Devise lautet: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – besonders im Netz.

