KI-generierte Phishing-Mails nehmen rasant zu – und werden immer raffinierter.
Cybersicherheitsforscher schlagen Alarm: Eine neue Welle von Phishing-Angriffen zielt gezielt darauf ab, künstliche Intelligenz-basierte Sicherheitsfilter zu umgehen. Seit April 2026 haben Angreifer über eine Million Einzelhandels-Phishing-Mails mit einer Technik namens „Text Salting“ versendet, wie der Sicherheitsanbieter Barracuda in einem aktuellen Bericht warnt.
Wie „Text Salting“ die KI austrickst
Die Methode ist ebenso einfach wie tückisch: Angreifer fügen unsichtbaren, harmlosen Text in E-Mails ein, um Machine-Learning- und Large-Language-Model-Filter zu verwirren. Per HTML und CSS wird dieser Text für menschliche Leser versteckt – etwa durch Schriftgröße null, unsichtbare Einrückungen oder minimierte Anzeigefenster. Für die KI-Scanner bleibt er jedoch sichtbar.
„Die Technik verwässert verdächtige Schlüsselwörter wie ‚dringend‘, ‚Passwort abgelaufen‘ oder ‚Prämie‘“, erklärt Pranati Sethi, Sicherheitsanalystin bei Barracuda. Indem die Angreifer die Mails mit zufälligen Geschichten oder harmlosen Textpassagen fluten, sinkt die Erkennungswahrscheinlichkeit der Sicherheitssoftware. Generative KI-Tools machen diese Kampagnen dabei deutlich billiger und skalierbarer – für jede Nachricht lässt sich im Handumdrehen einzigartiger, harmloser Inhalt generieren.
Explosionsartiges Wachstum durch KI
Das Jahr 2026 hat die Bedrohungslandschaft fundamental verändert. Marktdaten zufolge sind mittlerweile 83 Prozent aller Phishing-Mails KI-generiert. Das entspricht einem Anstieg des Phishing-Volumens um atemberaubende 4.150 Prozent seit der öffentlichen Einführung von Tools wie ChatGPT.
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Die Erfolgsquote dieser KI-gesteuerten Nachrichten ist enorm: Branchenbeobachter berichten von Öffnungsraten zwischen 54 und 78 Prozent – bei traditionellem Phishing sind es gerade einmal zwölf Prozent. Die Angreifer nutzen KI nicht nur für fehlerfreie Grammatik, sondern auch für personalisierte Inhalte, die auf öffentlich zugänglichen Informationen basieren.
Erst im vergangenen Monat deckten Forscher von Hunt.io eine chinesisch gesteuerte Spionagekampagne auf. Mit Automatisierungstools wie Claude Code und DeepSeek-v4-pro griffen die Angreifer Regierungssysteme in Thailand, Afghanistan und Taiwan an – sowie globale Finanzunternehmen.
Neue Wege: Regierungsdomänen und SVG-Dateien
Die Kriminellen werden immer einfallsreicher. Neben Text Salting nutzen sie zunehmend legitime Infrastruktur und alternative Dateiformate:
- Kompromittierte Regierungsdomänen: Die PhantomEnigma-Kampagne kaperte über 20 brasilianische Regierungsdomänen. Weil die Mails von echten .gov.br-Adressen kamen, passierten sie problemlos Sicherheitsprotokolle wie SPF, DKIM und DMARC.
- SVG-Anhänge im Visier: Der Einsatz von Scalable Vector Graphics (SVG) zur Malware-Verbreitung boomt. Allein im Februar 2026 registrierten Analysten 1,2 Millionen SVG-basierte Phishing-Nachrichten. Diese Dateien können ausführbares JavaScript enthalten, das direkt im Browser des Nutzers läuft.
- Blockchain als Kommandozentrale: Eine gegen japanische Hotels gerichtete Kampagne nutzte die Malware „TONResolver“. Sie verwendet Smart Contracts auf der TON-Blockchain als toten Briefkasten für Steuerungsbefehle.
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Millionenschäden für Verbraucher und Unternehmen
Die finanziellen Folgen sind gewaltig. In Singapur meldeten die Behörden Verluste von umgerechnet über 180.000 Euro durch Paketdienst-Phishing seit dem 24. Juni 2026. Die Masche: Betrüger versenden Nachrichten über angeblich unzustellbare Pakete und locken die Opfer mit einer geringen Nachgebühr zur Preisgabe ihrer Kreditkartendaten.
Noch dramatischer ist die Lage bei Business-E-Mail-Compromise. Das FBI verzeichnete im vergangenen Jahr über 22.000 Meldungen zu KI-gestützten Stimmen- und Video-Betrugsfällen – mit Gesamtschäden von annähernd 900 Millionen Euro.
Sicherheitsexperten empfehlen mehrstufige Verteidigungsstrategien: Dazu gehören die Bestätigung von Finanztransaktionen über separate Kommunikationswege sowie Technologien zur tiefgreifenden Inhaltsentschärfung, die aktive Skripte aus Anhängen entfernen.

