Phishing-Dienst Kratos zerschlagen: BKA stoppt 15.000 Betrugs-Kampagnen

Ein Erfurter verliert 23.000 Euro an Love-Scammer. Neobanken geraten in den Fokus der Ermittler, während das BKA den Phishing-Dienst Kratos zerschlägt.

Über mehrere Monate überwies er insgesamt 23.000 Euro an eine Internetbekanntschaft. Die Täter hatten ihm vorgegaukelt, ein Koffer voller Gold sei auf dem Weg zu ihm – doch dafür müssten erst hohe Zollgebühren bezahlt werden.

So läuft die Masche ab

Zwischen April und Juli 2026 bauten die Täter eine emotionale Bindung zu dem Mann auf. Sobald das Vertrauen saß, kam die Geschichte mit dem Goldkoffer. Der Geschädigte zahlte mehrfach auf ausländische Konten – angeblich für die Freigabe der Sendung.

Als die versprochene Lieferung ausblieb, schaltete der Mann die Polizei ein. Die Beamten ermitteln nun wegen Betrugs. Sie betonen: Beim Love Scamming werden professionelle psychologische Taktiken eingesetzt. Die Opfer werden systematisch in eine emotionale Abhängigkeit getrieben.

Neobanken im Fokus der Ermittler

Der Fall reiht sich ein in eine besorgniserregende Entwicklung. Laut Financial Intelligence Unit (FIU) gab es 2025 insgesamt 108.158 Verdachtsmeldungen im Zusammenhang mit Neobanken. Das ist mehr als eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr (34.357 Meldungen). Der Anteil dieser Institute an allen Verdachtsmeldungen liegt mittlerweile bei 29 Prozent.

Die Dimensionen des organisierten Betrugs zeigen sich auch in der „Operation Chargeback“. Hier identifizierten Ermittler rund 19 Millionen fingierte Abonnements. Der Gesamtschaden: über 300 Millionen Euro. Rund 4,3 Millionen Menschen waren betroffen. Insgesamt stieg die Zahl der Verdachtsmeldungen um 41 Prozent auf über 374.000 Fälle.

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BKA zerschlägt Phishing-Dienst „Kratos“

Am 20. Juli 2026 gelang den Behörden ein Schlag gegen die technische Infrastruktur der Betrüger. Das Bundeskriminalamt (BKA) und US-Behörden zerschlugen den Phishing-Service „Kratos“. Der Dienst erlaubte sogenannten Franchisenehmern, täuschend echte Microsoft-Seiten zu erstellen – sogar die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) ließ sich damit umgehen.

Seit 2024 soll „Kratos“ mehr als 300.000 Euro eingebracht haben. Monatlich liefen rund 15.000 Kampagnen über die Plattform. Über 200 Server waren weltweit im Einsatz. In Indonesien konnten Ermittler einen mutmaßlichen Entwickler der Software festnehmen.

Prozess in Münster: 180.000 Euro mit gefälschter Bankseite erbeutet

Auch vor Gericht wird die Betrugsserie aufgearbeitet. Vor dem Landgericht Münster begann am 20. Juli 2026 der Prozess gegen sechs Männer aus dem Ruhrgebiet. Die Angeklagten (19 bis 61 Jahre) sollen mit einer gefälschten Volksbank-Seite und anschließendem Telefonbetrug bundesweit mehr als 180.000 Euro erbeutet haben.

Bei Durchsuchungen fanden Beamten erhebliche Bargeldbeträge – unter anderem 90.000 Euro unter einem Bett versteckt. Das Verfahren soll bis September dauern.

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Neue Gefahr: Quishing und Datenklau bei Dienstleistern

Experten warnen vor neuen Methoden. Beim sogenannten Quishing führen manipulierte QR-Codes auf gefälschte Webseiten. Dort werden Zahlungsdaten abgegriffen. Hinzu kommen Datenschutzverletzungen bei externen IT-Dienstleistern. Erst kürzlich meldete ein großer Discounter einen solchen Vorfall.

Persönliche Daten wie E-Mail-Adressen und Telefonnummern landen so in den Händen von Kriminellen. Das ist die Basis für personalisierte Betrugsversuche – die nächste Stufe des Love Scammings.