Phishing-Explosion: Text-Salting umgeht KI-Filter seit April

Internationale Betrugswelle zielt gezielt auf ältere Menschen ab. Von Schockanrufen bis zu Deepfakes reichen die perfiden Methoden der Täter.

Polizeibehörden und Finanzinstitute auf mehreren Kontinenten schlagen Alarm: Eine neue Welle ausgeklügelter Betrugsmethoden richtet sich gezielt gegen ältere Menschen. Die Täter setzen dabei auf eine Mischung aus psychologischer Manipulation und technischer Raffinesse.

„Schockanrufe“ in Deutschland: Täter erbeuten hohe Summen

Erst Mitte Juli schlugen Betrüger in Deutschland gleich mehrfach zu. Einem Rentnerehepaar aus dem Raum Kamenz entwendeten Kriminelle 25.000 Euro. Der Vorwurf am Telefon: Der Sohn habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht und benötige dringend Kaution. Das Geld übergaben die Opfer wenig später einem Kurier direkt an der Haustür.

Am selben Tag wurde eine 87-jährige Frau aus Wipperfürth um Goldschmuck und Münzen im hohen fünfstelligen Bereich gebracht. Ein falscher Polizist hatte ihr am Telefon weisgemacht, ihr Sohn sei in einen tödlichen Unfall verwickelt.

Solche „Schockanrufe“ sind kein Einzelfall. Die Täter setzen auf Zeitdruck und emotionale Ausnahmesituationen. Die Opfer sollen keine Gelegenheit haben, die Geschichte zu überprüfen.

Großbritannien: Jahrzehntelanger Betrug aufgeflogen

In Großbritannien endete kürzlich ein besonders dreister Fall vor Gericht. Steven Long, 59, muss für acht Jahre ins Gefängnis. Über ein Jahrzehnt hinweg hatte er 115 ältere Menschen um umgerechnet rund 13,5 Millionen Euro gebracht. Über eine angebliche Wertaufbewahrungsfirma täuschte Long seine Opfer in den Grafschaften Kent, Essex, Bedfordshire und Hertfordshire.

Indien und Malaysia: Technik und Täuschung im Doppelpack

In Asien kombinieren Betrüger zunehmend klassische Tricks mit moderner Technik. Einem 67-jährigen pensionierten Lehrer in Pune fiel am 17. Juli auf, dass über 33 Lakh Rupien (rund 37.000 Euro) von seinen Festgeldkonten verschwunden waren. Die Ermittler fanden heraus: Die Täter hatten die hinterlegten E-Mail-Adressen manipuliert, um Sicherheitsbenachrichtigungen der Bank zu umgehen.

Noch raffinierter gingen Betrüger in Udupi vor. Eine Frau erhielt Videoanrufe über WhatsApp – angeblich von der Polizei in Mumbai. Die Täter behaupteten, illegale Gelder seien auf ihrem Konto gelandet. Die Frau überwies daraufhin umgerechnet rund 73.000 Euro.

Besonders hohe Verluste verzeichnet ein Fall aus Haldwani. Ein älterer Mann verlor zwischen Juli 2025 und Mai 2026 rund 81.000 Euro. Er hatte auf eine angebliche Rückerstattung von Versicherungsprämien gehofft und 84 Online-Überweisungen getätigt.

In Malaysia traf es einen Rentner in Kampar. Zwischen September 2025 und Juni 2026 verlor er umgerechnet rund 30.000 Euro in einem betrügerischen Anlagesystem, das die Marke eines Sportunternehmens nutzte.

Südkorea: Jeder siebte Betrugsfall betrifft Senioren

Die südkoreanischen Behörden legten alarmierende Zahlen vor: 2024 gingen rund 13,9 Prozent aller Betrugsopfer zur älteren Bevölkerungsgruppe. Die Gesamtschadenssumme belief sich auf umgerechnet rund 19 Milliarden Euro. Ein besonders perfider Fall: Ein Mann in seinen 60ern verlor umgerechnet rund 28.000 Euro in einem Rentenfonds-Betrug, bei dem gefälschte Kunstwerke als Sicherheit dienten.

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USA: Gewinnspielbetrug und Liebesfallen

In Wisconsin wurde ein 27-Jähriger zu drei Jahren Haft verurteilt. Er hatte ein älteres Ehepaar mit einem angeblichen Gewinnspiel um umgerechnet rund 400.000 Euro gebracht. Die Opfer zahlten Bargeld, kauften Geschenkkarten und erlitten nicht genehmigte Kontoabhebungen. Das Gericht ordnete eine Rückzahlung von umgerechnet rund 420.000 Euro an.

Ein besonders tragischer Fall ereignete sich in Kalifornien. Eine 76-jährige Frau aus Riverside verlor ihr Eigenheim und Hunderttausende Dollar in einer Liebesbetrugsmasche. Der Täter gab vor, über Vermögenswerte in Höhe von umgerechnet rund 6,5 Millionen Euro zu verfügen – nur um Vertrauen zu gewinnen. Dann liquidierte er ihr gesamtes Eigentum und ihre Ersparnisse.

Neue technische Tricks: „Text-Salting“ umgeht KI-Filter

Cybersicherheitsforscher haben eine neue Methode identifiziert, mit der Betrüger moderne Sicherheitssysteme austricksen. Seit April 2026 wurden über eine Million Phishing-Versuche mit einer Technik namens „Text-Salting“ registriert. Die Täter verstecken unsichtbare, harmlose Textblöcke im HTML-Code, um KI-basierte Sicherheitsfilter zu täuschen.

Australien: Senioren tragen Hauptlast der Verluste

Die australischen Behörden melden, dass Bürger über 55 Jahre im Jahr 2025 umgerechnet rund 48 Millionen Euro durch Betrug verloren haben. Das entspricht 55 Prozent aller landesweiten Verluste. Allein in der ersten Jahreshälfte 2026 entfielen auf Anlagebetrug in dieser Altersgruppe über 25 Millionen Euro.

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Deepfakes und gestohlene Smartphones

In Mumbai verhafteten Sicherheitskräfte kürzlich sechs Verdächtige. Sie sollen mit Deepfake-Technologie einen sogenannten „Chef-Betrug“ durchgeführt haben. Innerhalb von 13 Tagen erbeuteten sie umgerechnet rund 11,5 Millionen Euro.

Auch nach Smartphone-Diebstählen schlagen Banken und Telekommunikationsanbieter wie die Deutsche Telekom Alarm. Kriminelle geben sich oft als hilfsbereite Finder aus und versuchen, die Passwörter der Opfer zu erschleichen. Ziel ist es, die Gerätesperren zu umgehen und Zugriff auf Banking-Apps und Identitätsdaten zu erhalten.