Phishing-Kampagnen: 7,6 Milliarden Bedrohungen im Q2 2026

Internationale Operation zerschlägt Phishing-Dienst mit 1.800 Nutzern. Behörden warnen vor neuen Angriffsmethoden wie KI-gestütztem Vishing.

Rund 1.800 Kriminelle weltweit nutzten den Dienst – nun ist er vom Netz. Eine internationale Großrazzia hat eine der gefährlichsten Phishing-as-a-Service-Plattformen lahmgelegt. Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime (ZIT) gaben gemeinsam mit dem FBI und indonesischen Behörden die erfolgreiche Zerschlagung der Plattform „Kratos“ bekannt.

Operation Olympus Blade: 200 Server beschlagnahmt

Die Aktion mit dem Namen Operation Olympus Blade führte zur Beschlagnahmung von über 200 Servern. In Indonesien nahmen die Ermittler zudem die mutmaßlichen Entwickler fest. Seit 2024 hatte „Kratos“ seinen Abonnenten Werkzeuge bereitgestellt, um die Zwei-Faktor-Authentifizierung (MFA) zu umgehen und Sitzungscookies zu stehlen. Der Umsatz des illegalen Dienstes: rund 300.000 Euro.

Die Plattform verzeichnete etwa 1.800 Abonnenten. Sie ermöglichte monatlich rund 15.000 Phishing-Kampagnen in mehr als 30 Ländern. Parallel dazu griffen die Behörden auch das Netzwerk Tycoon2FA an. Die Folge: 96.000 betrügerische Banking-Apps wurden gesichert. Laut Branchendaten aus dem zweiten Quartal 2026 brach das Phishing-Volumen von Tycoon2FA nach den Maßnahmen um 92 Prozent ein.

Neue Bedrohungen: Vishing und KI-gestützte Angriffe

Doch während etablierte Methoden zurückgehen, entstehen neue Gefahren. Microsoft registrierte im zweiten Quartal 2026 insgesamt 7,6 Milliarden E-Mail-Phishing-Bedrohungen. Einige Techniken verlieren an Bedeutung: QR-Code-Phishing sank von 18,7 Millionen Vorfällen im März auf 8,3 Millionen im Juni. CAPTCHA-geschütztes Phishing ging im selben Zeitraum um 81 Prozent zurück.

Ganz anders sieht es beim sogenannten Vishing aus – Sprach-Phishing über Microsoft Teams. Hier verzeichneten die Sicherheitsexperten einen zehnfachen Anstieg im Vergleich zum Jahresmitte 2025.

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Aktuelle Warnung: Sparkassen-Kunden im Visier

Aktuelle Sicherheitswarnungen vom heutigen Freitag zeigen: Deutsche Finanzinstitute sind akut bedroht. Angreifer verschicken derzeit betrügerische E-Mails an Sparkassen-Kunden. Sie drohen mit Kontosperrungen oder fordern angeblich notwendige „ChipTAN“-Updates. Ziel ist es, die Empfänger auf gefälschte Webseiten zu locken und dort ihre Bankzugangsdaten abzugreifen.

Auch Steuerbetrug ist wieder im Kommen. Sicherheitsforscher warnen vor Phishing-Mails, die angeblich von Finanzämtern stammen und bevorstehende Betriebsprüfungen ankündigen. Die Nachrichten enthalten HTML-Anhänge, die beim Öffnen Schadsoftware installieren.

Sicherheitslücke in ChatGPT entdeckt

Auch die Welt der KI-Tools bleibt nicht verschont. Anfang Juni 2026 entdeckten Forscher von Zenity Labs eine Schwachstelle namens „AgentForger“ in ChatGPT Workspace Agents. Zwischen dem 4. und 8. Juni 2026 arbeitete OpenAI daran, den Fehler zu beheben. Die Lücke hätte es Angreifern ermöglicht, über einen einzigen Phishing-Link eigenständige Schad-Agenten zu erschaffen. Diese hätten Daten aus verbundenen Anwendungen wie Slack, Teams oder Google Drive stehlen können.

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Staatliche Hacker: Russische Gruppe bleibt aktiv

Staatsnahe Akteure nutzen weiterhin gezielt Softwarelücken für langfristige Spionage. Die mit Russland in Verbindung gebrachte Gruppe Laundry Bear (auch Void Blizzard genannt) hat eine Sicherheitslücke in der Zimbra Collaboration Suite (CVE-2025-66376) ausgenutzt. Obwohl Zimbra bereits im November 2025 Patches veröffentlichte und die US-Behörde CISA den Fehler am 18. März 2026 in ihren Katalog bekannter Schwachstellen aufnahm, bleibt die Gruppe aktiv.

Laundry Bear hat Organisationen in den Bereichen Verteidigung, Energie und Regierung in NATO-Mitgliedsstaaten angegriffen. Der Exploit ermöglicht den Abruf von 90 Tagen E-Mail-Verlauf und schafft dauerhaften Zugriff, der selbst nach Passwortänderungen bestehen bleibt.

Iranische Gruppe setzt auf KI

Auch die iranische Gruppe APT42 hat nachgerüstet. Sie integriert KI-generierte Köder in ihre Kampagne „SpearSpecter“. Die Gruppe ist seit mindestens 2025 aktiv, mit einer deutlichen Zunahme der Aktivitäten nach Luftangriffen im Februar 2026. Ihr aktuelles Werkzeugset umfasst die Hintertür TAMECAT, die Telegram und Discord zur Steuerung nutzt, um Sitzungscookies von Zielpersonen zu stehlen.