Sicherheitsanalysten beobachten eine neue Qualität bei digitalen Betrugsversuchen. Kriminelle greifen zunehmend auf bestehende E-Mail-Korrespondenzen zurück, um Phishing-Nachrichten zu erstellen, die kaum noch von legitimen Nachrichten zu unterscheiden sind.
Durch den Rückgriff auf reale Kommunikationshistorien entfallen typische Erkennungsmerkmale wie Rechtschreibfehler oder unplausible Formulierungen, was die Erkennungsrate durch Nutzer massiv senkt.
Steuererstattungen und Paketdienste im Visier
Ein aktueller Schwerpunkt dieser Betrugswelle liegt im Bereich der Finanz- und Logistikdienstleistungen. Behörden warnen derzeit vor gefälschten E-Mails, die eine Steuerrückzahlung in Aussicht stellen.
Die Empfänger werden über Links auf täuschend echte Kopien des ELSTER-Portals geleitet, um sensible Daten abzugreifen. In diesem Zusammenhang verwiesen Experten darauf, dass die reguläre Abgabefrist für die Steuererklärung 2025 bereits am 31. Juli 2026 endete.
Parallel dazu verzeichnen Paketdienstleister wie Hermes eine Zunahme gezielter Phishing-Versuche. Kunden erhalten Benachrichtigungen über ein angeblich blockiertes Paket, für das eine geringfügige Zollgebühr in Höhe von 1,99 Euro entrichtet werden müsse.
Der enthaltene Link führt zu einer manipulierten Hermes-Webseite. Das Verbraucherschutzportal Mimikama rät Betroffenen dazu, den Sendungsstatus ausschließlich über die offizielle App des Dienstleisters zu prüfen und keine Zahlungsdaten auf extern verlinkten Seiten einzugeben.
Massive Kampagnen gegen WhatsApp-Nutzer und das Gesundheitswesen
Auch Messenger-Dienste sind betroffen. Verbraucherzentralen melden eine neue Welle gefälschter E-Mails, die sich an die weltweit über 3 Milliarden Nutzer von WhatsApp richten. Darin fordern die Absender eine Bestätigung des Kontos innerhalb von 24 Stunden und drohen andernfalls mit der sofortigen Deaktivierung. Juristen der Verbraucherzentralen empfehlen, solche Nachrichten konsequent zu ignorieren und in den Spam-Ordner zu verschieben.
Wer sich vor solchen Manipulationstaktiken schützen und Phishing-Angriffe stoppen möchte, bevor sie entstehen, erhält in diesem Ratgeber eine fundierte 4-Schritte-Anleitung. Kostenloses Anti-Phishing-Paket jetzt herunterladen
Im Gesundheitssektor konzentrieren sich Angriffe derzeit auf das System Epic MyChart. Über ein Dutzend US-Gesundheitssysteme haben Warnungen vor Kampagnen herausgegeben, die gefälschte Logos und Lockmittel wie ein „MyChart Medicare Kit“ verwenden. Der Generalstaatsanwalt von Pennsylvania, Dave Sunday, warnte die Bürger explizit vor diesen Maschen.
Kriminelle nutzen dabei Domains wie mychart-epic[.]com und versenden Nachrichten über vermeintlich kritische Laborergebnisse oder Umfragen mit ablaufenden Timern. Das Unternehmen Epic bestätigte, dass trotz dieser Kampagnen keine Kompromittierung der eigenen Systeme vorliege.
Künstliche Intelligenz steigert Effektivität der Angriffe
Die technologische Basis der Angriffe hat sich laut Analysen von Check Point Research signifikant gewandelt. Künstliche Intelligenz (KI) ermöglicht es Angreifern, Phishing-Kampagnen wesentlich ausgefeilter zu gestalten.
Statistiken zeigen, dass zwischen 87 und 93 Prozent der untersuchten Organisationen monatlich mindestens eine risikoreiche KI-Interaktion verzeichnen. Microsoft gibt an, dass die Klickrate bei KI-generierten Phishing-Mails bei 54 Prozent liegt, während sie bei manuell erstellten Nachrichten lediglich 12 Prozent beträgt.
Nach Daten von IBM sind KI-basierte Angriffe im Jahresvergleich um 56 Prozent gestiegen. Rund 25 Prozent der Unternehmen seien bereits betroffen, wobei die durchschnittlichen Kosten eines Vorfalls bei 6,04 Mio. US-Dollar liegen.
Angesichts immer professionellerer KI-Angriffe und neuer rechtlicher Pflichten müssen Unternehmen ihre Sicherheitsstrategie proaktiv anpassen. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche Bedrohungen aktuell wirklich auf Sie zukommen. Gratis-E-Book zu Cyber Security Awareness Trends sichern
Den größten Anteil nehmen dabei Deepfake-Impersonationen mit 45 Prozent ein, gefolgt von KI-Malware (19 Prozent) und KI-Phishing (17 Prozent). Das FBI meldete für das Jahr 2025 bereits über 22.000 Internetverbrechen im Zusammenhang mit KI, die zu Verlusten von 893 Mio. US-Dollar führten.
Technologische Abwehr und Verhaltensempfehlungen
Die Komplexität der Angriffe zeigt sich auch in der technischen Umsetzung. Eine Analyse von SANS ISC untersuchte eine Kampagne mit server-seitiger Polymorphie, bei der 50 Downloads von derselben Quelle zu 50 unterschiedlichen SHA-256-Hashes führten. Gegen solche polymorphen Angriffe reichen statische Signaturen nicht mehr aus; Fachleute raten daher dringend zu verhaltensbasierten Erkennungssystemen.
Zum Schutz vor diesen hochgradig personalisierten Angriffen empfiehlt OpenAI den konsequenten Einsatz der Multi-Faktor-Authentifizierung. Zudem sollten Nutzer im Zweifelsfall verdächtige Anrufe durch einen Rückruf auf offiziellen Nummern verifizieren und innerhalb der Familie oder des Unternehmens Codewörter vereinbaren, um sich gegen Identitätsdiebstahl abzusichern. Experten raten zudem davon ab, KI-Tools direkt mit sensiblen Konten zu verknüpfen.

