Phishing-Plattform Kratos zerschlagen: 200 Server beschlagnahmt

Raiffeisen Bank klagt gegen Rasperia, während eine Großrazzia Phishing-Netzwerke zerschlägt und Bank Austria starke Halbjahreszahlen meldet.

Die Raiffeisen Bank International (RBI) und ihre russische Tochter AO Raiffeisenbank planen eine Klage in Österreich gegen das Fintech-Unternehmen Rasperia. Hintergrund sind angebliche Vertragsverletzungen und finanzielle Unregelmäßigkeiten aus einer Partnerschaft aus dem Jahr 2023.

Der Schritt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die europäische Bankenbranche unter verschärfter regulatorischer Beobachtung steht. Besonders die IT-Sicherheit rückt dabei zunehmend in den Fokus.

Großrazzia gegen globale Phishing-Netzwerke

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat gemeinsam mit internationalen Partnern, darunter das FBI, einen schweren Schlag gegen die Cyberkriminalität geführt. Bei der Aktion „Olympus Blade“ gelang es den Ermittlern, die Phishing-as-a-Service-Plattform „Kratos“ unschädlich zu machen.

Die Behörden beschlagnahmten am Dienstag mehr als 200 Server. Der Hauptverantwortliche der Plattform wurde in Indonesien festgenommen. Das „Kratos“-Netzwerk war seit 2024 aktiv und erwirtschaftete rund 300.000 Euro Umsatz mit etwa 1.800 Nutzern.

Die Bilanz ist erschreckend: Rund 15.000 Phishing-Kampagnen pro Monat liefen über die Plattform. Mindestens 850 Opfer in 35 Ländern wurden identifiziert. Derzeit treiben unbekannte Täter ihr Unwesen mit einer großangelegten Phishing-Welle, die gezielt Kunden deutscher und österreichischer Banken ins Visier nimmt. Betroffen sind unter anderem die Sparkasse, die Commerzbank und die österreichische easybank.

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Die Betrugs-Mails tarnen sich als angeblich notwendige Sicherheitsupdates für chipTAN oder PSD2. Wer darauf hereinfällt, gibt sensible Bankdaten preis.

Regulatorische Hürden für die Branche

In Wien musste die Western Union International Bank GmbH kürzlich ihre Offenlegungspflichten nach dem österreichischen Zahlungsdienstegesetz 2018 und dem Fern-Finanzdienstleistungs-Gesetz erfüllen. Das Institut aktualisierte seine vorvertraglichen Unterlagen für mehrere europäische Märkte.

Doch die Finanzmarktaufsicht (FMA) verhängte Sanktionen gegen die Bank. Grund waren Verstöße bei Meldepflichten nach dem Digital Operational Resilience Act (DORA). Diese EU-Verordnung soll sicherstellen, dass Finanzinstitute IT-Störungen standhalten und angemessen reagieren können.

70 Millionen Euro für Fintech-Startups

Trotz der regulatorischen Herausforderungen investiert die österreichische Bankenbranche kräftig in die Zukunft. Elevator Ventures, der von RBI, Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien und Raiffeisen-Landesbank Steiermark getragene Venture-Capital-Arm, startete am Dienstag den neuen Fonds EV II.

Das Volumen: 70 Millionen Euro. Das Geld ist speziell für Fintech-Startups reserviert. Ein klares Signal, dass die traditionellen Banken auf Innovation setzen – trotz aller Risiken.

Das Ende der Passwörter?

Um die wachsende Phishing-Gefahr einzudämmen, setzen immer mehr Finanzinstitute auf passwortlose Authentifizierung. GMO Aozora Net Bank führte am Dienstag die FIDO-konforme Passkey-Authentifizierung ein. Kunden können sich künftig per Biometrie einloggen.

Hintergrund: Die japanische Polizei meldete für 2025 über 4.700 Fälle betrügerischer Überweisungen mit einem Schaden von fast 10,4 Milliarden Yen (rund 64 Millionen Euro).

Auch in Europa ziehen die Anbieter nach. GMX und WEB.DE führten diese Woche die Passkey-Authentifizierung für ihre 38 Millionen Kunden ein. Branchenweit zeichnet sich ein trend ab: Die klassische SMS-Authentifizierung soll bis Ende 2027 auslaufen. Biometrische Standards gelten als sicherer.

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Bank Austria mit starkem Halbjahr

Inmitten dieser Sicherheitsdebatten meldet die Bank Austria, eine Tochter der UniCredit, starke Zahlen für das erste Halbjahr 2026. Der Nettogewinn stieg um 9,3 Prozent auf 739 Millionen Euro. Grund dafür sind gestiegene Zinseinnahmen und ein um 5,7 Prozent gewachsenes Kreditvolumen.