Phishing-Attacken haben sich zur gefährlichsten digitalen Bedrohung in Asien und im Südpazifik entwickelt. Das zeigt der aktuelle INTERPOL-Bericht für 2025/2026.
Mehr als die Hälfte der INTERPOL-Mitgliedsstaaten in der Region meldet, dass Cyberkriminalität inzwischen für 30 Prozent oder mehr aller angezeigten Straftaten verantwortlich ist. Besonders alarmierend: Die Klickrate auf Phishing-Links liegt in Asien mit 5,5 von 1.000 Personen monatlich fast doppelt so hoch wie der globale Durchschnitt von 2,9.
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Ransomware und DDoS-Attacken auf dem Vormarsch
Zwischen Januar 2024 und März 2025 verzeichnete ein Drittel der Länder im asiatisch-pazifischen Raum jeweils mehr als 10.000 Phishing-Fälle. Doch nicht nur Phishing bereitet den Behörden Kopfzerbrechen.
Ransomware bleibt eine kritische Gefahr: Über 135.000 Angriffe wurden 2024 in der Region registriert. Besonders betroffen sind die Immobilienbranche, die Fertigungsindustrie und der Finanzsektor. Die Zahl der DDoS-Angriffe (Distributed Denial-of-Service) stieg 2024 im Vergleich zum Vorjahr um erschreckende 92 Prozent. Systemeindringlinge waren für 80 Prozent aller Datenlecks verantwortlich.
KI-gestützter Betrug: „Romance Baiting“ mit Deepfakes
Organisierte kriminelle Netzwerke aus Myanmar, Kambodscha und Laos setzen zunehmend auf Deepfake-Technologie, um ihre „Romance-Baiting“-Maschen zu perfektionieren. Die Schäden durch diese KI-gesteuerten Aktivitäten belaufen sich auf geschätzte 37 Milliarden Euro.
Einem US-Kongressausschuss wurde kürzlich mitgeteilt, dass KI-gestützte Betrugsfälle innerhalb eines Jahres um 500 Prozent zugenommen haben. Die Technologie macht es deutlich einfacher, täuschend echte Deepfakes zu erstellen und Opfer zu manipulieren.
Eine Studie von Kaspersky zeigt: 64,5 Prozent der Betrugsopfer weltweit glauben, dass bei den Angriffen gegen sie KI-Werkzeuge eingesetzt wurden. In Großbritannien vermutete mehr als die Hälfte der Opfer den Einsatz synthetischer Stimmen oder Deepfakes. Besonders erschreckend ist die Geschwindigkeit: 12,2 Prozent der britischen Opfer verloren bereits innerhalb von fünf Minuten nach dem Erstkontakt Geld oder Daten.
Erfolg gegen Phishing-as-a-Service: „Tycoon 2FA“ zerschlagen
Am heutigen Montag gelang Europol, Microsoft und Coinbase ein bedeutender Schlag gegen die Cyberkriminalität: Die Zerschlagung von „Tycoon 2FA“, einer prominenten Phishing-as-a-Service-Plattform. Mitte 2025 war dieses Netzwerk für 62 Prozent der von Microsoft abgefangenen Phishing-Versuche verantwortlich.
Die Plattform generierte monatlich rund 30 Millionen schädliche E-Mails und ermöglichte unbefugten Zugriff auf schätzungsweise 100.000 Organisationen weltweit. Microsoft blockierte im Zuge der Operation 330 Domainnamen, und Blockchain-Forensik half dabei, die Administratoren und Kunden der Plattform zu identifizieren.
CEOs fürchten Phishing mehr als Ransomware
Der Global Cybersecurity Outlook 2026 des Weltwirtschaftsforums zeigt einen bemerkenswerten Wandel: Betrug und Phishing haben Ransomware als größtes Cyberrisiko aus CEO-Sicht abgelöst. 2025 berichteten 73 Prozent der Befragten von Cyberbetrug. Allein in den USA verursachten Business-E-Mail-Compromise-Angriffe (BEC) Schäden von über 17 Milliarden Euro.
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Razzien gegen „Scam-Hubs“ in Südostasien
Die Strafverfolgungsbehörden erhöhen den Druck auf die sogenannten „Scam-Hubs“ in Südostasien, die oft mit Menschenhandel und Zwangsarbeit in Verbindung stehen. Das FBI berichtet, dass US-Bürger 2025 in Kambodscha mehr als 20 Milliarden Euro durch „Pig-Butchering“-Betrugsmaschen verloren haben. Auf den Philippinen führte die Polizei am 15. Juni 2026 eine Razzia in Alabang durch, bei der 12 Personen auf einer illegalen Online-Plattform festgenommen wurden.
Die Folgen solcher Cyberangriffe treffen auch öffentliche Einrichtungen. In den USA meldete die Evanston Township High School einen Ransomware-Angriff, der um den 11. Juni 2026 entdeckt wurde und die Telefonsysteme der Schule für mehr als zehn Tage lahmlegte. Sicherheitsexperten betonen: Schulen und Krankenhäuser bleiben aufgrund ihrer sensiblen Daten und oft begrenzten Sicherheitsressourcen bevorzugte Ziele.

