Kriminelle nutzen gestohlene Buchungsdaten, um Reisende kurz vor der Abreise um ihr Geld zu bringen. Die Masche ist perfide – und immer häufiger.
Die Angreifer verschaffen sich Zugang zu den internen Systemen von Hotels. Über offizielle Nachrichtenkanäle wie den integrierten Messenger von Booking.com kontaktieren sie Gäste direkt. Die Täter geben sich als Hotelmitarbeiter aus und behaupten, es gebe ein Problem mit der Zahlung. Ohne eine erneute Bestätigung drohe die Stornierung des Zimmers.
Die Nachrichten enthalten Links zu gefälschten Webseiten, die täuschend echt aussehen. Wer dort seine Kreditkartendaten eingibt, liefert sie direkt den Betrügern aus. Sicherheitsexperten raten: Niemals auf Links in Chat-Nachrichten klicken. Stattdessen das Hotel unter der Telefonnummer anrufen, die auf der ursprünglichen Buchungsbestätigung steht.
Weltweite Welle von Reisebetrug
Die Branche erlebt eine beispiellose Welle digitaler Täuschung. In Indien warnten die Behörden von Kalkutta erst vor wenigen Tagen vor Phishing-Seiten rund um das Durga-Puja-Festival. In Vietnam imitieren Betrüger auf Facebook ganze Hotels in Vung Tau und Ho Tram. Die Opfer sollen bis zu 50 Prozent Anzahlung für Zimmer leisten, die es gar nicht gibt.
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In Hongkong sorgte ein spektakulärer Fall für Aufsehen: Ein Sicherheitsbeamter verlor umgerechnet fast 90.000 Euro an Betrüger, die angebliche „Verifizierungs-Überweisungen“ forderten. Allein zwischen dem 17. und 24. Juli 2026 registrierte die Polizei über 170 ähnliche Vorfälle. Der Gesamtschaden liegt bei mehr als 1,4 Millionen Euro.
Fake-Shops boomen – KI macht Betrug gefährlicher
Die Reisewelle fällt mit einem massiven Anstieg der Cyberkriminalität zusammen. Neue Daten zeigen: Die Zahl der Fake-Shop-Betrügereien ist im ersten Halbjahr 2026 um 134 Prozent gestiegen. Weltweit wurden über 114 Millionen solcher Angriffe blockiert – ein Plus von 109 Prozent.
Laut einem Bericht von Check Point Research für das zweite Quartal 2026 bleibt Microsoft die am häufigsten nachgeahmte Marke. Jeder vierte Phishing-Versuch (23 Prozent) zielt auf die Software-Riesen ab. Es folgen LinkedIn (11,6 Prozent), Google (6,7 Prozent), Apple (5,8 Prozent) und Amazon (5,2 Prozent). Erstmals taucht auch ChatGPT in den Top Ten auf – mit 1,1 Prozent aller Attacken. Branchenkenner führen die zunehmende Perfektion der Betrugsseiten auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zurück.
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Behörden schlagen zurück – Sparkasse warnt
Die Strafverfolger reagieren. Am heutigen Freitag wurde bekannt, dass deutsche, US-amerikanische und indonesische Behörden die Plattform „Kratos“ zerschlagen haben. Das „Phishing-as-a-Service“-Angebot stellte Kriminellen die komplette Infrastruktur für ihre Angriffe zur Verfügung. Über 200 Server wurden beschlagnahmt, ein mutmaßlicher Entwickler in Indonesien festgenommen. Vor der Schließung bediente Kratos rund 1.800 Kunden und half bei monatlich 15.000 Phishing-Kampagnen in 35 Ländern.
Trotz der Erfolge bleibt die Gefahr hoch. Erst diese Woche warnte die Sparkasse vor neuen Phishing-Mails. Die Betrüger drohen darin mit der Sperrung des Kontos innerhalb von 24 Stunden – es sei denn, der Empfänger „authentifiziere“ seine Daten über einen beigefügten Link. Die Sparkasse stellt klar: Niemals fordere das Institut sensible Daten per E-Mail-Link an. Kunden sollten ausschließlich die offizielle App oder die bekannte Webseite nutzen.

