Phishing-Welle: 971.000 Angriffe im Q1 2026, 13,8% Anstieg

Kriminelle nutzen virale Inhalte und KI-Deepfakes für gezielte Angriffe. Phishing-Zahlen steigen rasant, besonders auf sozialen Plattformen.

Sicherheitsbehörden warnen aktuell vor einer neuen Betrugswelle, bei der Kriminelle das Interesse an viralen Inhalten in sozialen Netzwerken ausnutzen. Im Zentrum der Masche stehen Suchanfragen zu einem sogenannten „Aklolo-Video“. Nutzer, die nach diesem Clip suchen, werden gezielt auf gefährliche Phishing-Webseiten gelockt, um sensible Informationen abzugreifen. Diese Entwicklung verdeutlicht eine zunehmende Professionalisierung und Dynamik im Bereich der Online-Kriminalität.

Soziale Netzwerke und bekannte Marken im Visier

Die Bedrohungslage auf sozialen Plattformen hat laut aktuellen Berichten von Branchenorganisationen massiv zugenommen. Die Anti-Phishing Working Group (APWG) meldete für das erste Quartal 2026 insgesamt 971.181 Phishing-Angriffe, was einer Steigerung von 13,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal entspricht. Dabei entfielen 43,8 Prozent der Bedrohungen auf soziale Plattformen.

Ergebnisse des Brand Phishing Report für das zweite Quartal 2026 von Check Point unterstreichen diesen Trend. Demnach ist Microsoft mit 22,6 Prozent die am häufigsten imitierte Marke, gefolgt von LinkedIn mit 11,6 Prozent. Der Anteil von LinkedIn hat sich im Vergleich zum ersten Quartal, in dem er bei 6 Prozent lag, nahezu verdoppelt. Erstmals tauchte zudem ChatGPT mit einem Anteil von 1,1 Prozent in der Liste der zehn am häufigsten missbrauchten Marken auf.

Betrugsmaschen im Finanzsektor und bei Online-Diensten

Parallel zu den viralen Ködern warnen Verbraucherschützer und Experten vor gezielten Angriffen auf Bankkunden. Die Verbraucherzentrale wies auf Phishing-Mails im Namen der Commerzbank hin. Darin werden Kunden unter dem Vorwand einer photoTAN-Neuregistrierung dazu aufgefordert, einen angeblich per Post versandten QR-Code zu nutzen. Merkmale dieser Betrugsversuche seien eine unpersönliche Anrede, unseriöse Absenderadressen sowie die Androhung von Kontoeinschränkungen.

Auch Kunden der Sparkasse sind Ziel einer aktuellen Welle. Laut Beobachtungen von mimikama.org kursieren E-Mails mit dem Betreff eines essenziellen Sicherheitsupdates für das Online-Banking. Die Nachrichten, die von der Domain ashoj.com stammen, leiten über einen Link auf gefälschte Webseiten weiter, die sogar Captcha-Abfragen nutzen, um Seriosität vorzutäuschen. Ziel sei das Abgreifen von Logins und Transaktionsnummern (TANs). Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) teilte dazu mit, dass mittlerweile jede dritte unerwünschte E-Mail einen Phishing-Versuch enthält.

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Einsatz von Künstlicher Intelligenz und technische Manipulation

Die Methoden der Täter werden technisch anspruchsvoller. Die Polizei Brandenburg berichtete von einem Fall, bei dem eine 85-Jährige durch ein KI-generiertes Video geschädigt wurde. Das Deepfake-Video imitierte ein bekanntes Talkshow-Format und warb für Geldanlagen, woraufhin das Opfer einen mittleren fünfstelligen Betrag überwies. Ein weiterer Senior verlor durch falsche Gewinnversprechen über mehrere Monate einen mittleren sechsstelligen Betrag an ausländische Konten.

Sicherheitsanalysten von ReliaQuest deckten zudem eine Kampagne auf, die seit Juni 2026 WLAN-Gateways in Hotels und Konferenzzentren angreift. Durch DNS-Poisoning werden Nutzer beim Versuch, sich bei Microsoft-Diensten anzumelden, auf gefälschte Domains wie owa-ms365.com umgeleitet. In diesen Fällen ist kein aktiver Klick auf einen schädlichen Link nötig; die bloße Verbindung mit dem manipulierten WLAN genügt.

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Fake-Shops und Nachbetreuung von Diebstählen

Auch der Online-Handel bleibt ein Schwerpunkt. Bitdefender Labs identifizierte zwischen März und Mai 2026 über 55 koordinierte Fake-Shop-Kampagnen in Europa. In Deutschland wurde etwa das Samsung Galaxy S26 Ultra für lediglich 249 Euro auf der Domain shopintertec.com beworben – ein Rabatt von 90 Prozent. Die Täter nutzen dabei oft Unicode-Ähnlichkeitsdomänen, um bekannte Markennamen wie Adidas oder Nike optisch zu imitieren.

Zudem warnte die Telekom vor Betrugsversuchen im Nachgang von Smartphone-Diebstählen. Täter verschicken Nachrichten im Namen von Apple oder Google und behaupten, das gestohlene Gerät sei gefunden worden. Die verlinkten Seiten dienen dazu, die Zugangsdaten der Besitzer zu stehlen, um die Gerätesperren zu umgehen und Zugriff auf persönliche Daten zu erhalten.