Phishing-Welle: Schweiz registriert 7.409 Fälle – Plus 25 Prozent

Gesundheitssektor erlebt Rekord-Ransomware-Attacken. Konferenzen in Boston und Brüssel suchen nach Lösungen für mehr IT-Sicherheit.

Eine Reihe internationaler Konferenzen und Kampagnen im Juni 2026 soll Unternehmen, Krankenhäuser und Verbraucher für die wachsenden Gefahren sensibilisieren. Besonders das Gesundheitswesen und die kritische Infrastruktur stehen im Fadenkreuz der Hacker.

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Krankenhäuser im Visier der Erpresser

Die Gesundheitsbranche erlebt eine beispiellose Welle von Cyberangriffen. Allein 2025 registrierten Ermittler und Marktforscher 642 Vorfälle im Gesundheitssektor – darunter 460 gezielte Ransomware-Attacken. Die Kriminellen legen Krankenhäuser lahm, verschlüsseln Patientendaten und fordern Lösegeld.

Vom 9. bis 10. Juni findet in Boston der HealthSec Summit USA 2026 statt. Vertreter von Mayo Clinic und Johnson & Johnson beraten dort über den Einsatz Künstlicher Intelligenz, Cybersicherheit und Investitionsstrategien. Ein dringendes Thema: Wie lassen sich Kliniken besser schützen, ohne den Betrieb zu gefährden?

Ergänzend dazu veranstaltet die Wharton Health Care Alumni Association am 10. Juni ein Webinar mit dem Titel „Hospitals Under Siege“ („Krankenhäuser unter Belagerung“). Die Experten Adam C. Powell und Mark-David McLaughlin analysieren die ethischen Dilemmata, vor denen Klinikleitungen bei Erpressungsangriffen stehen.

Technische Sicherheit: Vom Konzept zur Praxis

Bereits heute, am 4. Juni, geben Sicherheitsexperten von Akamai und den US-Gesundheitsbehörden (CMS) in einem technischen Seminar Einblicke in moderne Sicherheitsarchitekturen. Keith Busby und Joe Henry zeigen, wie Unternehmen mit Zero-Trust-Modellen, Mikrosegmentierung und dem Prinzip der geringsten Privilegien ihre Daten schützen können.

Am 10. Juni folgt eine weitere Schulung: Der IT-Dienstleister N-able veranstaltet eine Masterclass zur Geschäftskontinuität für Managed Service Provider (MSPs). Stefanie Hammond will Resilienz nicht als technische Pflicht, sondern als strategisches Geschäftsziel verankern. Weitere Termine sind für August und September geplant.

EU-Datenschutz: Vereinfachen, ohne zu verwässern

In Brüssel findet am 8. Juni eine hochrangige Debatte statt. Der Europäische Datenschutzbeauftragte (EDPS) diskutiert gemeinsam mit den deutschen Aufsichtsbehörden BfDI und BayLfD über die EU-„Omnibus“-Vorschläge. Ziel: Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und den AI Act entschlacken, ohne die Schutzstandards zu senken. Ein Balanceakt, der für die digitale Wirtschaft in Europa richtungsweisend sein dürfte.

Phishing-Welle: Schweiz schlägt Alarm

Die Schweiz erlebt einen dramatischen Anstieg von Phishing-Angriffen. 2025 registrierte die Polizei 7.409 Fälle – ein Plus von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Fast jedes fünfte Cyberdelikt in der Schweiz entfällt inzwischen auf Phishing. Die Behörden reagieren mit der Kampagne „LINDA“: Sie ruft Bürger dazu auf, Absender kritisch zu prüfen und bei ungewöhnlichen Aufforderungen misstrauisch zu werden.

Dass die Gefahr real ist, zeigt ein Fall aus Offenburg: Ein 60-Jähriger verlor über 200.000 Euro durch einen Cyber-Betrug, der über eine Dating-Plattform eingefädelt wurde.

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Jungforscher entwickelt Schutz gegen „Schockanrufe“

Während die Behörden aufklären, tüfteln Tüftler an technischen Lösungen. Der 19-jährige Vincent Nack aus Bayern gewann mit seiner Software den Bundeswettbewerb „Jugend forscht“. Sein Programm erkennt sogenannte Schockanrufe – eine besonders perfide Masche, bei der sich Täter als Polizisten oder Angehörige ausgeben – und beendet die Verbindung automatisch. Nack hatte zuvor bereits eine Fahrrad-Sicherheitstechnologie entwickelt. Sein Erfolg zeigt: Der Kampf gegen Cyberkriminalität braucht nicht nur Konzerne und Behörden, sondern auch kreative Köpfe.