Das Projekt Artcraft veröffentlicht seit Ende September kostenlose Open-Source-Klone bekannter Adobe-Programme. Die Anwendungen – darunter Photocraft als Pendant zu Photoshop, Lightcraft für Lightroom, Vectorcraft für Illustrator und Filmcraft für Premiere Pro – wurden mithilfe des KI-Modells Claude Opus 5.5 von Anthropic sowie der Programmiersprache Rust entwickelt. Ziel der Initiative ist es, Anwendern kostenfreie Alternativen zu proprietären Kreativ- und Produktivitätswerkzeugen bereitzustellen.
Hohe Ziele bei der Funktionsparität
Nach eigenen Angaben von Artcraft implementiert Photocraft derzeit etwa 76 Prozent der Photoshop-Hauptfunktionen bei einer praktischen Arbeitsreife von rund 45 Prozent. Die Entwickler streben an, für Photocraft innerhalb weniger Monate eine Funktionsparität von 99 Prozent zu erreichen.
Auch die übrigen Programme der Reihe weisen bereits beachtliche Umsetzungsgrade auf: Vectorcraft erreicht 62 Prozent, Lightcraft 59 Prozent und Filmcraft 56 Prozent. Das Projekt stößt in der Entwickler-Community auf starkes Interesse; so erreichte Photocraft am 7. Oktober 2026 den ersten Platz in der Tagesrangliste von GitTrend.
In Entwicklertests zeigte sich Photocraft in der Lage, PSD-Dateien in 99,4 Prozent der Fälle (307 von 309 Versuchen) ohne Bildverzerrungen zu öffnen und abzuspeichern. Filmcraft bringt zudem über 90 Videoeffekte mit.
Lokaler Betrieb und Erweiterung auf Bürosoftware
Die Software-Suite von Artcraft lässt sich lokal unter Windows, macOS und Linux sowie direkt im Browser ausführen. Eine Registrierung oder ein Cloud-Abonnement ist für die Nutzung nicht erforderlich. Damit stellt das Projekt einen Gegenentwurf zu den herkömmlichen Distributionsmodellen dar; die Adobe Creative Cloud schlägt regulär mit bis zu 70 US-Dollar monatlich beziehungsweise rund 840 US-Dollar pro Jahr zu Buche, bei anfänglichen Aktionspreisen von rund 740 US-Dollar im ersten Jahr sowie teils hohen vorzeitigen Kündigungsgebühren.
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Artcraft beschränkt sich jedoch nicht auf Grafik- und Videoanwendungen. Das Portfolio beinhaltet ebenso Klone klassischer Bürosoftware mit den Programmen Gridcraft, Deckcraft und Wordcraft. Letzteres verzeichnet bereits rund 16.600 Stars auf GitHub.
Insgesamt plant das Projekt, sieben Programme von Adobe zu ersetzen – ergänzend zu den bestehenden Werkzeugen sind EffectCraft für After Effects, DesignCraft für InDesign und PdfCraft für Acrobat vorgesehen. Zudem befinden sich Nachbauten von Figma, AutoCAD, Pro Tools sowie von Word, Excel und PowerPoint in Arbeit.
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Technische Grenzen und rechtliche Fragen
Trotz der raschen Fortschritte unterliegen die Werkzeuge gegenwärtig noch deutlichen funktionalen Beschränkungen. So unterstützt die Suite keine Plugins von Drittanbietern, Filmcraft kann keine PRPROJ-Dateien verarbeiten, und der Videoexport erfolgt rein CPU-basiert.
Darüber hinaus sehen sich die Entwicklungen mit Vorbehalten konfrontiert. Neben Fragen zur allgemeinen Code-Stabilität und potenziellen Sicherheitslücken stehen urheberrechtliche Bedenken im Raum, die trotz des verfolgten Clean-Room-Designs aufgeworfen werden. Dennoch markiert die automatisierte Erstellung komplexer Programmoberflächen einen bemerkenswerten Wandel im Software-Engineering.

