Physical AI: Anthropic stellt MHS-Standard vor – 430-Mrd.-Markt bis 2030

Anthropic öffnet KI-Agenten den Zugang zu Maschinen. Qiagen testet MHS, während der Physical-AI-Markt bis 2030 auf 430 Milliarden US-Dollar wachsen soll.

Der US-amerikanische KI-Entwickler Anthropic hat einen neuen technologischen Standard namens MHS veröffentlicht, der die Brücke zwischen digitaler Intelligenz und physischer Hardware schlagen soll.

Mit der Einführung dieses Standards für sogenannte „Physical AI“ ermöglicht das Unternehmen seinen KI-Agenten erstmals die direkte Steuerung von physischen Geräten und Maschinen. Dieser strategische Vorstoß zielt auf einen Markt ab, der bisher maßgeblich von der deutschen Industrie geprägt wurde, und könnte die Wettbewerbsfähigkeit klassischer Maschinenbauer grundlegend verändern.

Ein neuer Standard für die Interaktion zwischen Software und Hardware

Der nun vorgestellte MHS-Standard fungiert als Schnittstelle, die es KI-Modellen erlaubt, komplexe Arbeitsabläufe in der realen Welt auszuführen. Bisher waren KI-Anwendungen weitgehend auf die Verarbeitung von Texten, Bildern oder Code innerhalb geschlossener Softwaresysteme beschränkt. Durch MHS können die Agenten nun Anweisungen an Laborgeräte, Roboterarme oder industrielle Fertigungsanlagen übermitteln und diese steuern.

Die Initiative für diesen neuen Standard ging von dem Neurowissenschaftler Arco Bast vom Howard Hughes Medical Institute (HHMI) aus. Das Ziel der Entwicklung ist eine Vereinheitlichung der Kommunikation zwischen verschiedenen Hardware-Typen und KI-Modellen, um die Automatisierung in hochspezialisierten Bereichen wie der Biotechnologie oder der Materialforschung zu beschleunigen.

Milliardenmarkt für Physical AI bis 2030

Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Entwicklung wird durch aktuelle Marktprognosen unterstrichen. Branchenanalysten von Strategy& schätzen, dass der Markt für Physical AI bis zum Jahr 2030 auf ein Volumen von 430 Milliarden US-Dollar anwachsen wird. In diesem Segment treffen die Software-Expertise der großen KI-Laboratorien aus dem Silicon Valley und die Ingenieurskunst der Hardware-Hersteller aufeinander.

Für die deutsche Industrie, die weltweit eine führende Position in der Automatisierungstechnik und im Spezialmaschinenbau einnimmt, stellt der Vorstoß von Anthropic eine erhebliche Herausforderung dar. Während deutsche Unternehmen traditionell die Kontrolle über die Hardware-Schnittstellen behielten, könnten universelle Standards wie MHS dazu führen, dass die Wertschöpfung zunehmend auf die Anbieter der steuernden Intelligenz übergeht.

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Erste Anwendungen in der Life-Science-Branche

Bereits zur Einführung des Standards zeigen namhafte Unternehmen aus dem Bereich der Lebenswissenschaften praktisches Interesse an der Technologie. Das deutsche Biotech-Unternehmen Qiagen testet den MHS-Standard derzeit im Rahmen seines Systems QIAsymphony-Connect. Ziel ist es hierbei offenbar, die Konnektivität und Automatisierung in Laborumgebungen zu erhöhen, indem die Geräte für KI-gesteuerte Prozesse zugänglich gemacht werden.

Auch das US-Biotech-Unternehmen Genentech nutzt die neuen Möglichkeiten bereits aktiv. In einer Roboter-Workstation des Unternehmens kommt das KI-Modell Claude von Anthropic zum Einsatz, um physische Abläufe zu koordinieren. Diese Beispiele verdeutlichen, dass die Integration von KI in physische Arbeitsumgebungen über das Stadium reiner Forschungsprojekte hinausgewachsen ist und den Weg in die kommerzielle Anwendung findet.

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Die Veröffentlichung des MHS-Standards markiert einen Wendepunkt in der Strategie von Anthropic. Das Unternehmen, das bisher vor allem für seine sprachbasierten KI-Modelle bekannt war, positioniert sich damit als Infrastrukturgeber für die nächste phase der industriellen Automatisierung.

Ob sich der MHS-Standard als globaler Industrie-Maßstab etablieren kann, wird maßgeblich davon abhängen, wie schnell weitere Hardware-Produzenten die Schnittstelle in ihre Systeme integrieren.

Teile dieses Beitrags beruhen auf Recherchen von WirtschaftsWoche.