Jensen Huang besiegelte bei seinem Seoul-Besuch fünf strategische Partnerschaften – ein klares Signal für die Zukunft der „Physical AI“.
Der Nvidia-CEO reiste im Juni 2026 nach Südkorea und unterschrieb wegweisende Abkommen mit SK Hynix, LG, Doosan, Naver und SK Telecom. Die Deals zielen darauf ab, die Lieferkette für „Physical AI“ abzusichern – also die Integration künstlicher Intelligenz in Robotik, Fertigung und autonome Systeme. Für deutsche Unternehmen, die im Maschinenbau und der Industrie 4.0 führend sind, zeichnet sich damit ein neuer Technologiewettlauf ab.
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Gemeinsame Entwicklung der nächsten Speicher-Generation
Ein zentraler Baustein der Expansion ist die mehrjährige Technologiepartnerschaft mit SK Hynix. Der südkoreanische Speicherhersteller liefert schätzungsweise 50 bis 70 Prozent von Nvidias HBM4-Bedarf – den Hochleistungsspeichern, die für KI-Fabriken und Supercomputer unverzichtbar sind.
Die Zusammenarbeit umfasst die Auslieferung von HBM4E-DRAM-Mustern mit 16 Gbps pro Pin und einem 12-Lagen-Stack. Diese Komponenten sind für Nvidias kommende Vera Rubin KI-Supercomputer, Vera-CPUs und die Jetson-Thor-Roboterplattform vorgesehen. Huang warnte während seines Besuchs, dass der weltweite Speichermangel noch mehrere Jahre anhalten könnte. SK Hynix reagiert mit einer geplanten Verdopplung seiner Speicherkapazität in den nächsten fünf Jahren. Zur Optimierung setzt das Unternehmen auf Nvidias CUDA-X und Digital-Twin-Technologie für die Halbleitersimulation.
LG und Doosan setzen auf Physical AI
Am 18. Juni 2026 gaben Nvidia und die LG Group den Bau einer „KI-Fabrik“ bekannt. LG Electronics entwickelt darin eine Physical-AI-Datenfabrik mit Nvidia Cosmos, während LG Innotek Vision-Sensing-Module und Robotikkomponenten liefern wird. LG Energy Solution arbeitet an 800-Volt-Gleichstromlösungen für Rechenzentren. Die interne KI-Strategie von LG, die seit acht Jahren entwickelt wird, soll bis 2030 mehr als acht Billionen Won (etwa 5,5 Milliarden Euro) Umsatz aus Autonomie und Robotik generieren.
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Parallel dazu besiegelte Nvidia am 8. Juni 2026 eine erweiterte Partnerschaft mit der Doosan Group. Doosan Robotics integriert Nvidia Isaac Sim und Jetson Thor in sein Roboter-Betriebssystem. Das Ziel: die kommerzielle Einführung humanoider Roboter bis 2028. Doosan Electro-Materials wurde als Lieferant für kupferkaschierte Laminate für Nvidias Blackwell-Chip-Architektur benannt – gestützt durch eine Investition von 180 Milliarden Won (rund 130 Millionen Euro) in eine neue Produktionsstätte in Thailand. Doosan Enerbility prüft zudem den Einsatz kleiner modularer Reaktoren (SMRs) zur Energieversorgung von Nvidias KI-Rechenzentren.
KI-Cloud und Dateninfrastruktur im Gigawatt-Maßstab
Die Vereinbarungen adressieren auch den enormen Energie- und Datenbedarf generativer KI. Naver hat zugesagt, sein Gak-Sejong-Rechenzentrum bis 2027 auf 55 Megawatt auszubauen, mit Plänen für Anlagen im Gigawatt-Maßstab im Ausland. SK Telecom baut ebenfalls eine KI-Cloud im Gigawatt-Bereich in Südkorea auf, deren erste Einrichtung für 2027 geplant ist.
Am 19. Juni 2026 vertieften LG CNS und Doosan dieses Ökosystem durch eine Absichtserklärung zur Bildung einer gemeinsamen Taskforce. Die Kooperation konzentriert sich auf die Integration von Digital-Twin-Technologie in der Fertigung und die Erforschung von Brennstoffzellen als Energiequellen für Rechenzentren.
Spannungen im heimischen KI-Ökosystem
Trotz der breiten neuen Deals fiel auf: Prominente südkoreanische KI-Halbleiter-Start-ups wie FuriosaAI und Rebellions wurden nicht zu einem privaten „Korea AI Ecosystem Reception“ am 8. Juni 2026 im Shilla Hotel eingeladen. Branchenkenner spekulieren, dass Nvidia heimische NPU-Entwickler als künftige Konkurrenten betrachtet.
Der Besuch hat die Diskussionen über „Sovereign AI“ in Südkorea neu entfacht. Während die Partnerschaften das Land als kritischen Hardware- und Speicherlieferanten festigen, betonen Analysten die Notwendigkeit, die Datensouveränität zu sichern – um nicht zur „Datenkolonie“ im Zeitalter der Physical AI zu werden. Nvidia selbst prognostiziert einen adressierbaren Gesamtmarkt für seine Technologien von mindestens einer Billion Euro bis 2027.

