Play Store: 200+ bösartige Apps mit 8 Millionen Downloads

Mehrere Klagen und Ermittlungen belasten Google und Apple wegen unzureichender Prüfung von Apps und Anzeigen.

Die Sicherheitsvorkehrungen in den App-Stores von Google und Apple geraten zunehmend ins Visier der Justiz. Mehrere Vorfälle in Indien, den USA und Deutschland zeigen: Die finanziellen und rechtlichen Risiken für Plattformbetreiber wachsen.

Ermittlungen gegen Google-Verantwortliche in Indien

In Hyderabad wurde Anzeige gegen den Nodal Officer von Google India erstattet. Ein Mitarbeiter eines öffentlichen Verteidigungsunternehmens verlor rund 795.000 Indische Rupien über eine Trading-App namens GVS Institution – gelistet im offiziellen Play Store.

Das Opfer gab an, der App vertraut zu haben, weil sie im offiziellen Store verfügbar war. Die Anwendung habe Scheingewinne in Millionenhöhe suggeriert, während tatsächliche Auszahlungen verweigert wurden. Es ist nicht der erste Fall dieser Art: Der Google-India-Chef wurde bereits in mehreren ähnlichen Verfahren als Mitbeschuldigter genannt.

Google leitete eigenen Angaben zufolge bereits in der vergangenen Woche Untersuchungen ein. Nach einer Prüfung habe nur eine der beanstandeten Apps tatsächlich im Play Store verfügbar gewesen sein – und diese habe den Richtlinien entsprochen. Die Polizei in Hyderabad plant nun Gespräche mit hochrangigen Google-Führungskräften über die Prüfprozesse für Finanz-Apps.

Apple verklagt: Gefälschte Krypto-Wallets kosten Millionen

Auch Apple steht vor Gericht. Drei Bitcoin-Anleger haben Klage eingereicht, nachdem sie durch eine gefälschte Version der Sparrow-Wallet-App insgesamt rund 1,8 Millionen US-Dollar verloren hatten. Sie luden die App aus dem offiziellen App Store herunter, gaben ihre Wiederherstellungsphrasen ein – und ihre Bestände waren weg.

Die echte Sparrow-Wallet gibt es nur für Desktop-Systeme. Der Entwickler hatte bereits vor gefälschten Mobil-Versionen gewarnt. Apple entfernte die betrügerischen Apps nach Bekanntwerden der Verstöße und kündigte die Entwicklerkonten. Die Kläger werfen dem Konzern unzureichende Prüfverfahren vor und fordern Schadenersatz.

Deutsches Gericht: Google haftet für Fake-Shop-Anzeigen

Das Amtsgericht Starnberg verschärft die Haftung für Plattformbetreiber zusätzlich. Es verurteilte Google zur Zahlung von Schadenersatz an einen Verbraucher, der über eine Google-Anzeige auf einen Fake-Shop hereingefallen war. Der Kläger hatte einen Fahrradträger bestellt und bezahlt – die Ware kam nie an.

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Die Richter: Google hätte die Anzeige nicht ausspielen dürfen, weil der Shop zum Zeitpunkt der Schaltung bereits als betrügerisch gemeldet war. Google muss nun Kaufpreis plus Anwalts- und Gerichtskosten tragen. Das Unternehmen prüft Rechtsmittel.

Marktanalyse: Über 200 bösartige Apps im Play Store

Sicherheitsforscher von Zscaler ThreatLabz identifizierten zwischen Juni 2023 und Mai 2024 über 200 bösartige Apps im Google Play Store – mit mehr als acht Millionen Downloads. Besonders im Fokus: die Banking-Malware Anatsa, die auf Kunden von über 650 Finanzinstituten weltweit abzielt.

Neben Südkorea und Singapur gehört auch Deutschland zu den Hauptzielen. Indien liegt mit 28 Prozent Anteil bei mobiler Malware auf Platz eins, die USA verzeichnen die meisten IoT-Cyberattacken.

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Parallel zu den zivilrechtlichen Verfahren gehen Strafverfolger gegen die Hintermänner vor. In Mumbai wurde ein Student festgenommen, der fast tausend betrügerische APK-Dateien für kriminelle Netzwerke entwickelt haben soll. In Bengaluru erfolgte die Festnahme eines Verdächtigen im Zusammenhang mit einem Betrugssystem über gefälschte Trading-Plattformen – Gesamtschaden: über 300 Millionen Indische Rupien.