Der KI-gestützte „Digital Twin“ von Premierminister Anwar Ibrahim lieferte unerwartete Antworten – inklusive Programmiercode und der Aufforderung, ihn nicht wiederzuwählen.
Malaysias Regierungschef Anwar Ibrahim hat am 18. Juli 2026 einen KI-Chatbot namens PMX.AI gestartet – eine digitale Kopie seiner selbst, entwickelt von Zetrix AI und betrieben mit der Technologie von Avatar.inc. Die Idee: Bürger, vor allem junge Wähler, sollten per WhatsApp direkt mit dem Premierminister sprechen können. Doch bereits einen Tag später war Schluss.
Chatbot außer Kontrolle
Das System, trainiert auf Ibrahims Reden, Schriften und Regierungsdokumenten, sollte eigentlich als persönlicher digitaler Assistent dienen. Die Gespräche wollte das Regierungsteam auswerten, um die Stimmung im Land für künftige politische Entscheidungen zu erfassen.
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Doch innerhalb von 24 Stunden eskalierte die Situation. Nutzer berichteten von völlig unerwarteten Antworten: Der Chatbot lieferte plötzlich technischen C#-Programmiercode aus – und gab sogar politische Ratschläge, die direkt gegen die Interessen des Premiers verstießen. So empfahl die KI Bürgern, den Regierungschef nicht wiederzuwählen.
Die Behörden zogen daraufhin die Notbremse. Am 19. Juli wurde der Dienst für Wartungsarbeiten und System-Upgrades vom Netz genommen. Offiziell heißt es, die Instabilität sei auf das hohe Besucheraufkommen zurückzuführen. Der Neustart ist für heute Abend um 20 Uhr Ortszeit geplant. Künftige Versionen sollen zudem mit „agentischer KI“ ausgestattet werden, um Bürgern bei Behördengängen zu helfen.
Meta kämpft an mehreren Fronten
Die Panne in Malaysia fällt in eine turbulente Zeit für den WhatsApp-Mutterkonzern Meta. Bereits am 19. Juli legte ein weltweiter Ausfall die Dienste Facebook, Instagram und WhatsApp lahm. Der Vorfall begann am späten Abend neuseeländischer Zeit und führte zu massiven Anmeldeproblemen. Nach rund 90 Minuten waren die Dienste schrittweise wieder erreichbar.
Hinzu kommt regulatorischer Gegenwind in Indien – WhatsApps größtem Markt mit über 850 Millionen Nutzern. Das indische Ministerium für Elektronik und Informationstechnologie forderte im Juli 2026 einen Stopp der neuen Username-Funktion, die Ende Juni eingeführt wurde. Die Regierung befürchtet ein erhöhtes Betrugsrisiko. WhatsApp betont dagegen seine Sicherheitsvorkehrungen: Ratenbegrenzungen, reservierte Namen für öffentliche Personen und die Offenlegung von Account-Informationen bei Erstkontakt über einen Usernamen.
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Neue KI-Funktionen trotz Rückschlägen
Ungeachtet der Probleme treibt Meta die integration künstlicher Intelligenz weiter voran. Am 19. Juli kündigte das Unternehmen schnelle KI-gestützte Fotobearbeitung für WhatsApp an. Zeitgleich startete eine neue Sicherheitsfunktion namens Parent Alerts: Meta AI durchsucht Teenager-Chats nach Hinweisen auf Selbstverletzung oder Suizidgedanken.
Bevor Eltern benachrichtigt werden, prüfen menschliche Mitarbeiter die Risikoeinschätzung. Die Warnung erfolgt dann per App, E-Mail, SMS oder WhatsApp. Zunächst ist die Funktion nur in den USA, Großbritannien, Australien und Kanada verfügbar. Ein weltweiter Rollout soll bis Ende 2026 folgen.
Im Hardware-Bereich versucht unterdessen das Projekt Neo von Lumio, WhatsApp- und Instagram-Chatbots in die Fernsehunterhaltung zu integrieren. Doch die Nutzer scheinen zurückhaltend: Branchendaten zufolge bevorzugen 70 Prozent der Zuschauer weiterhin das manuelle Durchblättern, nur vier Prozent nutzen KI-gestützte Empfehlungen.

