Ein neues Sicherheitselement aus deutscher Entwicklung soll vernetzte Geräte gegen aktuelle und zukünftige Bedrohungen wappnen. Der Chip basiert auf der offenen RISC-V-Architektur und integriert erstmals Post-Quanten-Kryptografie.
Die Fraunhofer-Institute IIS, AISEC und EMFT haben das Sicherheits-Element im 22-Nanometer-Verfahren in Dresden gefertigt. Es dient als Hardware Root of Trust für vernetzte Geräte und erfüllt die Anforderungen des European Cyber Resilience Act. Die kryptografischen Operationen erfolgen dabei innerhalb von Millisekunden, wie die beteiligten Institute mitteilen.
Rekordwerte bei Angriffen auf mobile Infrastruktur
Die Notwendigkeit robusterer Sicherheitsmechanismen unterstreichen aktuelle Marktdaten. Marktbeobachter registrierten im ersten Quartal dieses Jahres rund 2,67 Millionen Schadsoftware-Angriffe auf Mobilgeräte. Zudem wurden etwa 306.000 neue Schadprogramme identifiziert.
Die Bedeutung mobiler Sicherheit nimmt zu: Rund 58 Prozent der Nutzer verwenden ihr Smartphone als primäres Internetgerät. Besonders kritisch bewerten Experten, dass rund 41 Prozent der Anwender Kopien von Ausweisdokumenten auf ihren Geräten speichern.
Gleichzeitig steigt die Komplexität der Bedrohungen durch künstliche Intelligenz. Analysen zeigen, dass die Erfolgsquote von KI-gestützten Phishing-Kampagnen mittlerweile bei bis zu 54 Prozent liegt. In einer koordinierten Aktion gelang es Ermittlungsbehörden wie dem BKA zuletzt, mit der Plattform „Kratos“ ein großes Netzwerk für Phishing-Dienstleistungen zu zerschlagen. Seit 2024 hatte das Netzwerk hohe Umsätze generiert und zehntausende manipulierte Banking-Apps verbreitet.
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Übergang zur Post-Quanten-Ära
Branchenexperten prognostizieren den sogenannten „Q-Day“ – den Zeitpunkt, an dem Quantencomputer heutige Verschlüsselungsverfahren brechen könnten – für den Zeitraum zwischen 2029 und 2030. Eine Umfrage zeigt: Über 70 Prozent der Unternehmen sind über diese Entwicklung besorgt. Doch nur 15 bis 20 Prozent verfügen über eine konkrete Migrationsstrategie.
Um den Übergang zu erleichtern, setzen Anbieter zunehmend auf Hybrid-Zertifikate. Diese kombinieren klassische Verfahren wie RSA oder ECC mit neuen PQC-Algorithmen. Damit soll eine schrittweise Modernisierung der digitalen Identitäten ermöglicht werden – deren Anzahl die von menschlichen Nutzern genutzten Identitäten bereits heute massiv übersteigt.
Auch im Bereich der Blockchain-Technologie werden Vorbereitungen getroffen. Forschungsinitiativen befassen sich gezielt mit der Quantensicherheit von Bitcoin. Andere Netzwerke wie Kaspa führen bereits Tests mit quantenresistenten Signaturen in Testumgebungen durch.
Förderung von Quantensensorik und Chip-Prüfung
Auch auf staatlicher Ebene wird die Sicherheit der Hardware-Lieferketten verstärkt adressiert. Das Bayerische Wirtschaftsministerium fördert ein Projekt zur Erkennung von Hardware-Trojanern in Mikrochips mittels Quantensensorik. Durch Magnetfeldmessungen sollen Manipulationen in Chips aufgedeckt werden können. Das Vorhaben hat eine Laufzeit bis Ende 2028.
Parallel dazu unterstützt die EU-Kommission den Aufbau von Produktionsstätten für Halbleiter-Prüfgeräte in München mit Millionensummen im Rahmen des European Chips Act. Ziel ist es, die technologische Souveränität zu stärken und die Sicherheit kritischer Halbleiterkomponenten von der Fertigung bis zum Einsatz im Endgerät zu gewährleisten.
Trend zur passwortlosen Authentifizierung
Flankierend zur Hardware-Entwicklung treiben große Technologieanbieter den Abschied von klassischen Passwörtern voran. Ab September 2026 planen erste Schwergewichte der Softwarebranche, Passkeys als Standard für die Identitätsprüfung festzulegen. Ältere Verfahren wie die Authentifizierung per SMS oder Sprachnachricht sollen demnach bis Anfang 2027 vollständig ersetzt werden – sie gelten als anfällig für moderne Angriffsmethoden. Weltweit befinden sich nach Branchenangaben bereits über fünf Milliarden Passkeys im Einsatz.
Während die Hardware-Sicherheit künftig auf Quantenresistenz setzt, können Nutzer schon heute ihre privaten Konten durch den Verzicht auf unsichere Passwörter schützen. Wie Sie die neue Passkey-Technologie bei Diensten wie Amazon oder WhatsApp einfach einrichten, erfahren Sie in diesem kostenlosen Experten-Report. Gratis-Report: Passwortlose Anmeldung jetzt einrichten

