Project Orchard: Microsoft ersetzt OpenAI-Modelle um 40 Prozent günstiger

Microsoft stattet Teams mit KI-Moderator aus und treibt mit Project Orchard den Wechsel zu eigenen Modellen voran.

Im Zentrum steht ein KI-Assistent, der Meetings künftig aktiv moderieren kann.

KI übernimmt die Meeting-Leitung

Die wohl wichtigste Neuerung der Juli-Updates ist der sogenannte AI Facilitator. Das digitale Assistenzsystem greift live in Besprechungen ein: Es überwacht Redezeiten, schlägt Breakout-Räume vor und stellt passende Dokumente zur Diskussion bereit. Erkennt die KI Stille oder Verwirrung nach einer Frage, sucht sie eigenständig im Web und postet die Antworten direkt in den Meeting-Chat.

Standardmäßig ist der AI Facilitator deaktiviert. Nutzer können ihn bei Bedarf per Klick zuschalten. Ab August startet die gezielte Auslieferung an erste Kunden (Targeted Release), die allgemeine Verfügbarkeit folgt bis Ende des Monats. Voraussetzung ist eine Microsoft-365-Copilot-Lizenz. Die Funktion läuft auf Windows, Mac, im Web und auf mobilen Geräten.

Automatisierte Notizen für Präsenztermine

Microsoft erweitert zudem die KI-gestützten Meeting-Notizen auf persönliche Besprechungen in Teams Rooms mit Windows. Der Rollout beginnt im August, die allgemeine Freigabe ist für Oktober geplant. Dafür ist eine Teams-Rooms-Pro-Lizenz nötig.

Auch die Oberfläche wird überarbeitet: Die Chat-Liste bekommt eigene Bereiche für Favoriten, Nachverfolgungen, stummgeschaltete Chats und Meeting-Unterhaltungen. Die Bildschirmfreigabe wurde übersichtlicher gestaltet. Und: Ab Ende Juli erscheinen Einladungs-E-Mails für Gäste direkt vom Konto des Meeting-Organisators – nicht mehr von einem generischen System-Account.

„Project Orchard“: Microsoft setzt auf eigene KI-Modelle

Hinter den Kulissen vollzieht der Konzern eine strategische Wende. Unter dem Codenamen „Project Orchard“ ersetzt Microsoft zunehmend externe Modelle von OpenAI und Anthropic durch hauseigene MAI-Modelle. Zehntausende wöchentliche Anfragen in Excel und Outlook laufen bereits über die Eigenentwicklungen – etwa für Datenbearbeitung und E-Mail-Zusammenfassungen.

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Zu den neuen Modellen gehören MAI-Transcribe-1 (getestet in Teams und Copilot) sowie MAI-Image-2 für Bing und PowerPoint. Interne Berechnungen zeigen: Der Wechsel könnte die KI-Betriebskosten um bis zu 40 Prozent senken. In einem konkreten Einsatz bei der Unternehmensberatung McKinsey war ein MAI-Modell zehnmal kosteneffizienter als GPT-5.5.

Der Schritt folgt auf die Neuverhandlung der Exklusivitätsvereinbarung mit OpenAI im Jahr 2025. Microsoft kann nun eigene Infrastruktur nutzen, um Datenhoheit zu verbessern und Kosten zu drücken.

Autonome Assistenten für Vertrieb und Service

Mit Sales Agent und Service Agent bringt Microsoft zwei neue KI-Assistenten in die allgemeine Verfügbarkeit. Sie basieren auf Dynamics-365-Daten und erledigen eigenständig Aufgaben: E-Mail-Entwürfe schreiben, Verkaufschancen zusammenfassen oder nächste Schritte bei Kundenanfragen vorschlagen.

Die Marktforschung untermauert das Potenzial. Laut IDC erzielen Unternehmen 2024 durchschnittlich 3,70 US-Dollar Rendite pro investiertem Dollar in generative KI. Gartner prognostiziert, dass agentische KI bis 2029 eigenständig 80 Prozent aller häufigen Kundenservice-Anfragen lösen kann.

Für IT-Administratoren gibt es neue Feinsteuerung: Sie können bestimmte KI-Funktionen für einzelne Nutzergruppen deaktivieren und aktualisierte App-Berechtigungen vergeben. Bereits im April 2026 führte Microsoft für externe Präsentatoren Einmal-Passcodes per E-Mail ein – gegen unbefugten Zugriff auf Veranstaltungen.

Praxisbeispiel: KI-Assistent im Gesundheitssektor

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Der Cancer Council NSW in Australien setzt bereits einen maßgeschneiderten Copilot-Agenten namens „Genie“ in Teams ein. Die mit Copilot Studio gebaute Lösung versorgt rund 475 Mitarbeiter mit Informationen – ausschließlich aus genehmigten SharePoint-Bibliotheken. Alle KI-Antworten enthalten Quellenangaben und respektieren bestehende Datenberechtigungen.

Im Finanzsektor zeichnet sich ein weiterer Trend ab: Immer mehr Institute integrieren ihre klassische Telefonie in Teams. Eine Studie von Metrigy mit 43 Unternehmen zeigt eine klare Präferenz für Unified Communications as a Service (UCaaS) gegenüber nativen Anruflösungen. Laut Forrester lassen sich durch die Einbindung von Festnetz-Telefonie in Plattformen wie Teams die Telefoniekosten um bis zu 40 Prozent senken.