Buchhändler in Großbritannien und Irland berichten Mitte August 2026 von einer auffälligen Zunahme an Massenbestellungen durch anonyme Käufer. Die Bestellungen, die aus den USA, Kanada sowie verschiedenen europäischen Ländern und dem Vereinigten Königreich getätigt werden, betreffen vorwiegend gebrauchte Bücher.
In der Branche wird vermutet, dass große Technologieunternehmen physische Literatur aufkaufen, um diese als Trainingsdaten für Künstliche Intelligenz (KI) zu nutzen.
Das „Project Panama“ und die Zerstörung von Originalen
Hintergrund dieser Entwicklung sind Berichte über das sogenannte „Project Panama“ des KI-Unternehmens Anthropic. Das Unternehmen soll in großem Umfang gebrauchte Bücher erworben haben, um eine qualitative Verschlechterung von Daten aus dem Internet auszugleichen.
Den vorliegenden Informationen zufolge wurden dabei bis zu 11.000 Bücher pro Tag verarbeitet. Der Prozess umfasst das Abtrennen der Buchrücken, das anschließende Scannen der Seiten und die Vernichtung der Originale.
Anthropic nutzt dabei eine rechtliche Argumentation, wonach der Erwerb physischer Exemplare und deren Digitalisierung für den persönlichen Gebrauch unter die „Fair Use“-Regelung falle. Diese Praxis wird jedoch kritisch bewertet, da befürchtet wird, dass insbesondere seltene oder antiquarische Werke durch diese Form der Datengewinnung unwiederbringlich verloren gehen könnten.
Neben Anthropic sollen auch andere Branchengrößen wie OpenAI, Stability AI, AI21 Labs und DeepMind ähnliche Methoden anwenden und massenhaft Bücher in Australien, Europa und Großbritannien aufkaufen, um sie nach der Digitalisierung zu vernichten.
Rechtliche Auseinandersetzungen und Milliardenvergleiche
Die Praxis der KI-Firmen beschäftigt bereits seit längerer Zeit die Gerichte. Richter William Alsup wertete das Vorgehen des Kaufens, Scannens und anschließenden Vernichtens in einer Entscheidung von Ende Juli als zulässig im Sinne des „Fair Use“. Dennoch steht Anthropic, das unter anderem von Amazon, Google und Sam Bankman-Fried unterstützt wird, unter erheblichem finanziellem Druck durch Urheberrechtsklagen.
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Bereits im August 2024 reichten die Autoren Andrea Bartz, Charles Graeber und Kirk Wallace Johnson eine Sammelklage gegen das Unternehmen ein. Sie warfen Anthropic vor, das KI-Modell Claude mit Raubkopien trainiert zu haben. Inzwischen einigte sich das Unternehmen auf eine Vergleichszahlung in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar mit den betroffenen Autoren. Auch gegen Google wurde eine ähnliche Klage eingereicht.
Auswirkungen auf den Buchmarkt
Die massenhafte Nutzung von Buchdaten zur KI-Entwicklung zeigt bereits deutliche Auswirkungen auf den digitalen Buchmarkt. Eine Untersuchung von rund 14.000 E-Books auf der Plattform Amazon im Zeitraum von 2023 bis 2026 belegt einen 19-fachen Anstieg bei den Verkäufen von KI-generierten Titeln. Während der Umsatz in diesem Segment um das Neunfache stieg, verzeichneten menschliche Autoren rückläufige Verkaufszahlen.
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Ed Newton-Rex von der Organisation Fairly Trained bezeichnete diese Studienergebnisse als Beleg für eine massive Marktschädigung. Angesichts dieser Entwicklung signalisierte das U.S. Copyright Office zuletzt eine Verschärfung seiner Haltung gegenüber KI-generierten Inhalten.
Als Reaktion auf den Hunger der Industrie nach Daten haben Institutionen wie Harvard zusammen mit Google und Microsoft rund eine Million gemeinfreie Bücher als legale Trainingsalternative veröffentlicht. Parallel dazu beliefert der Datendienst ISBNdb KI-Trainingseinheiten gezielt mit Buchdaten.

