Auf der Entwicklerkonferenz Meta Connect im September 2026 hat Meta seine Vision für die Zukunft von Virtual und Augmented Reality umrissen. Im Zentrum stand ein neues Gerät, das zuvor unter dem Projektnamen „Project Phoenix“ durch Leaks bekannt geworden war: eine ultraleichte, offene VR-Brille ohne klassische Controller.
Die Vorstellung markiert einen deutlichen Kurswechsel weg von den bisherigen, vollverkapselten Headsets der Quest-Reihe hin zu einer brillenartigen Bauform mit Passthrough-Funktion.
Leichtbau statt Vollimmersion
Das Gerät wiegt den Berichten zufolge rund 100 Gramm und ist damit laut Meta etwa fünfmal leichter als die Quest 3. Prozessor, Akku und Speicher sitzen ausgelagert in einem per Kabel verbundenen Compute-Puck, der bis zu drei Stunden durchgehende Medienwiedergabe ermöglichen und über eine 45-Watt-Schnellladefunktion verfügen soll.
Zur Ausstattung zählen Micro-OLED-Displays mit einer Auflösung von 37 Pixel pro Grad, Unterstützung für Dolby Vision und Dolby Atmos sowie Eye-Tracking und Handgestensteuerung anstelle physischer Controller. Eine auf der Connect gezeigte Session zu controllerfreier Interaktion gilt als Bestätigung dieses Ansatzes.
Beim Sichtfeld macht sich der Leichtbau bemerkbar: Es liegt bei 70 mal 66 Grad, während Quest 3 und das konkurrierende Steam Frame rund 110 Grad horizontal bieten – das menschliche binokulare Sichtfeld liegt bei etwa 120 Grad.
Transparente Display-Brillen anderer Hersteller kommen laut Vergleichsdaten auf lediglich rund 60 Grad horizontal und 40 Grad vertikal, sodass Metas Brille in diesem Punkt einen Mittelweg einschlägt.
Als Vergleichsgröße wird in mehreren Berichten die Apple Vision Pro herangezogen, die mit rund 600 bis 650 Gramm Gewicht und einem Sichtfeld von etwa 100 bis 110 Grad deutlich schwerer, aber immersiver ausgelegt ist und ursprünglich zu einem Preis von 3.499 US-Dollar eingeführt wurde; aktuellere Vergleiche nennen für das Gerät einen Preis von 3.700 US-Dollar.
Anpassung per App und offene Fragen zur Steuerung
In der Firmware von Horizon OS wurden Visualisierungen entdeckt, die ein schlankes Headset mit Nasenpads und anbindbarem Compute-Puck zeigen. Eine im August 2026 erschienene HorizonOS-Korrekturlinsen-App lässt zudem auf ein System mit anbringbaren und abnehmbaren Linseneinsätzen schließen, die per QR-Code individuell angepasst werden können – ein Hinweis darauf, dass Meta Sehschwächen der Nutzer direkt im Gerätedesign berücksichtigen will.
Da die Brille ohne eigene Controller ausgeliefert wird, aber mit Controllern früherer Meta-Generationen kompatibel bleibt, dürfte Handtracking zur primären Eingabemethode werden.
Entwicklerseitig reagiert Meta bereits darauf: Mit Version 207.0 des Meta XR Core SDK, laut einem Bericht vom 22. September 2026 veröffentlicht, wurde ein experimentelles „Device Readiness Check“-Werkzeug für Unity eingeführt, das Projektregeln und Controller-Abhängigkeiten prüft.
Ein Standardmodus erstellt dabei einen Bericht, ein KI-Modus kann zusätzlich Empfehlungen und automatisierte Korrekturen liefern – Codeänderungen bleiben jedoch den Entwicklern vorbehalten. Das Tool ersetzt laut Beschreibung weder Interaktionsdesign noch reale Gerätetests. Meta geht davon aus, dass bestehende Quest-Katalogtitel zum Marktstart auch auf der neuen Brille verfügbar sein werden.
Preis, Starttermin und Inhalte-Partnerschaften
Mehrere Berichte nennen übereinstimmend einen Marktstart im Frühjahr 2027 zu einem Preis von 1.299,99 US-Dollar in den USA, ein Preis für Großbritannien wurde bislang nicht kommuniziert. Zum Vergleich: Die Quest 3 war 2023 zu einem Einstiegspreis von 500 US-Dollar gestartet.
Meta plant zudem eine IMAX-Enhanced-Zertifizierung; ausgewählte 3D-Filme von Disney+, darunter The Avengers und Black Panther, sollen ab November in unterstützten Ländern verfügbar sein. Partnerschaften mit ESPN, MLB, NBC Sports, TNT Sports und UFC sollen ab Verfügbarkeit der Brille jährlich mehr als 100 immersive Live-Sportübertragungen in den USA liefern.
Offen bleiben bislang zentrale praktische Fragen: Berichte verweisen auf mögliche Einschränkungen durch die Kabelbindung zum Compute-Puck, auf Unsicherheiten bei der Präzision des Eye-Trackings sowie auf Datenschutzbedenken, die mit dauerhaft aktivem Blick- und Handtracking einhergehen könnten.
Meta selbst bezeichnete das Gerät als Beginn einer „neuen Ära für VR“ und signalisiert damit, dass der Konzern langfristig von sperrigen Headsets zu alltagstauglicheren Brillenformaten wechseln will – ein Wandel, der bei VR-Enthusiasten wegen der eingeschränkten Immersion durchaus auf Skepsis stößt, von Beobachtern aber als Schritt zur breiteren Marktdurchdringung gewertet wird.

