Google plant den Start eines Prototyp-Satelliten, um die Leistungsfähigkeit und Machbarkeit von KI-Chips im Weltraum zu erproben. Der Start soll auf einer SpaceX-Falcon-9-Rakete im Rahmen der Transporter-18-Rideshare-Mission erfolgen, in Partnerschaft mit dem Unternehmen Planet. Das Projekt trägt den Namen Suncatcher.
Was der Testsatellit leisten soll
Der experimentelle Satellit mit der Bezeichnung MVP soll vier KI-Chips vom Typ TPU an Bord haben, die zusammen etwa die Rechenleistung eines Rechenzentrumsservers erreichen. Versorgt werden sie von rund 1 kW Solarstrom. Damit soll der Satellit in der Lage sein, einfache KI-Anfragen direkt im Weltraum zu beantworten.
Google betont jedoch, dass die Mission der Datensammlung und dem Erkennen möglicher Fehler dient – nicht der Vorführung eines bereits betriebsbereiten orbitalen Rechenzentrums.
Im Zentrum der Tests stehen die TPUs von Google unter realen Belastungen: Der Raketenflug selbst dauert etwa 10 Minuten, wobei Bauteile Belastungen von 50 bis 100 g ausgesetzt sein können. Anschließend müssen die Chips im Orbit Strahlung und extremen Temperaturschwankungen standhalten.
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Zur Kühlung setzt Google auf Heatpipes und Radiatoren, die im Vakuum arbeiten sollen. Laut einem Bericht erlaubt dieses System über Wärmeleiter und Radiator einen Betrieb von etwa 15 Minuten, bevor eine Abkühlpause nötig wird.
Vorarbeiten zu den Chips gab es bereits am Boden: Google testete seine TPUs zuvor mit KI-Workloads in einer Einrichtung der University of California, Davis. In Protonentests überstanden die Trillium-TPUs laut Unternehmensangaben eine Strahlendosis, die über der für eine fünfjährige Weltraummission erwarteten Dosis lag.
Die Logik hinter dem Vorhaben
Googles Kalkül basiert auf der Annahme, dass Satelliten im niedrigen Erdorbit deutlich mehr Solarenergie erzeugen könnten als Anlagen auf der Erde – laut Unternehmen bis zu achtmal mehr. Das würde Rechenkapazität im All potenziell attraktiv machen, sofern die Kosten stimmen.
Google geht davon aus, dass die Startkosten auf etwa 200 US-Dollar je Kilogramm sinken müssten, damit Weltraum-Computing wirtschaftlich mit irdischen Rechenzentren konkurrieren kann. Nach eigener Einschätzung des Unternehmens könnten diese Kosten bis Mitte der 2030er Jahre erreicht werden.
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Für die Zukunft denkt Google bereits größer: Geprüft werden Flotten mit mehr als 80 Satelliten, wobei ein Modell eine Konstellation aus 81 Satelliten in 650 Kilometer Höhe untersuchte.
Für die Datenübertragung zwischen solchen Satelliten hat ein Demonstrator laut Berichten bereits 800 Gbit/s je Richtung erreicht. Für 2027 sind zudem zwei weitere Satellitenstarts geplant, mit denen hochbandbreitige Laserkommunikation beziehungsweise Laserlinks zwischen zwei Satelliten getestet werden sollen.
Vorgeschichte und Wettbewerb
Google hatte Project Suncatcher bereits am 4. November 2025 offiziell angekündigt. Zu diesem Zeitpunkt waren zwei Prototyp-Satelliten bis Anfang 2027 vorgesehen. Der nun geplante Start des MVP-Satelliten fügt sich in diesen Zeitplan ein.
Google ist mit der Idee eines Rechenzentrums im All nicht allein: Auch SpaceX und das Unternehmen Starcloud verfolgen eigene Pläne für KI-Rechenzentren im niedrigen Erdorbit. Damit zeichnet sich ein neues Wettbewerbsfeld ab, in dem mehrere Akteure gleichzeitig an der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit von Weltraum-Computing arbeiten.

