Projekt DAWO: Niederlande testen NixOS für Behörden-Arbeitsplätze

Ein NixOS-Pilot läuft, während die Steuerbehörde den geplanten Wechsel zu Microsoft 365 beendet und europäische Alternativen prüfen will.

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Die niederländische Verwaltung erprobt mit dem Projekt DAWO eine behördliche Arbeitsumgebung, die auf der Linux-Distribution NixOS basiert. Wie aus einem Bericht von Anfang Oktober 2026 hervorgeht, laufen derzeit erste Tests im Rahmen eines Pilotprojekts. Ein fester Zeitplan für eine mögliche flächendeckende Umstellung auf das quelloffene Betriebssystem ist bislang nicht festgelegt.

Der Schritt fügt sich in verstärkte Bestrebungen ein, die Abhängigkeit von außereuropäischen Softwareanbietern zu verringern. Die niederländischen Bemühungen um digitale Souveränität hatten insbesondere Anfang 2025 an Dringlichkeit gewonnen, nachdem Microsoft im Rahmen von Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) dem damaligen Chefankläger den Zugriff auf seine Dienste gesperrt hatte.

Rückzug aus der Cloud bei Steuer- und Zollverwaltung

Flankiert wird das Betriebssystem-Pilotprojekt von weitreichenden Weichenstellungen in weiteren Behördenbereichen. So kündigte die niederländische Steuerbehörde an, die geplante Migration zur Cloud-Suite Microsoft 365 zu stoppen. Betroffen von dieser Entscheidung sind neben den Finanzämtern auch der Zoll und die Verwaltung für Sozialleistungen.

Zuvor hatte der niederländische IT-Prüfungsbeirat, das Advisory Board on ICT Assessment, das Vorhaben kritisch beurteilt und Risiken bezüglich der Informationssicherheit, der Datenverarbeitung und einer langfristigen Anbieterabhängigkeit moniert.

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Zwar verbleiben E-Mail- und Kalenderdienste vorerst auf Microsoft-Software, diese soll jedoch bis 2027 auf eigenen staatlichen Servern betrieben werden. Von den 47.500 Beschäftigten der Steuerverwaltung waren rund 5.000 bereits zu Microsoft 365 migriert worden; sie nutzen das System vorübergehend weiter.

Für persönliche Datenspeicherung und Werkzeuge zur Zusammenarbeit plant die Regierung, in den Jahren 2027 und 2028 europäische Alternativen und quelloffene Lösungen zu prüfen. Die Behörden begründen das Vorgehen mit zusätzlichen Kapazitäten in eigenen Rechenzentren sowie dem Ziel größerer Unabhängigkeit.

Wachsendes europäisches Interesse an Open-Source-Systemen

Mit dem Test von NixOS stehen die Niederlande im europäischen Vergleich nicht allein da. In Frankreich nutzt die staatliche Digitalisierungsbehörde DINUM intern Sécurix, eine gehärtete NixOS-Konfiguration, die sich in einem frühen Alpha-Stadium befindet.

Auf kommunaler und regionaler Ebene blickt die öffentliche Hand in Europa auf unterschiedliche Erfahrungen zurück: Während München nach dem in den 2000er-Jahren begonnenen Projekt LiMux im Jahr 2017 die Rückkehr zu Windows beschloss, startete Schleswig-Holstein 2026 den offiziellen, schrittweisen Wechsel des Betriebssystems in der Landesverwaltung.

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Auch die Europäische Kommission stellte eine eigene Open-Source-Strategie vor, die darauf abzielt, die Bindung an proprietäre Softwarehersteller zu lockern, entsprechende Beschaffungen zu begünstigen und Lieferketten im Softwarebereich abzusichern. Ob DAWO in den Niederlanden letztlich den Schritt aus der Pilotphase in den Regelbetrieb schafft, hängt von den Ergebnissen der aktuellen Tests ab.