Projekt TALON: Britische Marine jagt Drohnenschwärme im Eiltempo

Das britische Verteidigungsministerium sucht in Rekordzeit nach sofort einsatzfähigen Systemen zur Abwehr autonomer Kampfdrohnen. Projekt TALON soll die wirtschaftliche Lücke zwischen teuren Raketen und billigen Drohnen schließen.

Die britische Marine rüstet sich in Rekordzeit gegen die wachsende Bedrohung durch Kampfdrohnen. Das Verteidigungsministerium in London sucht nach sofort einsatzfähigen Abwehrsystemen, die innerhalb von Wochen auf Kriegsschiffen installiert sein sollen.

Hinter der Eile steckt die nackte Realität moderner Seekriegsführung: Hochmoderne Abfangraketen sind wirtschaftlich und taktisch chancenlos gegen Schwärme billiger, autonomer Drohnen. Das als Projekt TALON bezeichnete Vorhaben soll diese Lücke schließen. Es umgeht bewusst die sonst üblichen, jahrzehntelangen Beschaffungszyklen.

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Eine neue Art der Beschaffung: Sofort, nicht perfekt

Kern der Ausschreibung ist ein „System-of-Systems“-Ansatz. Statt auf eine einzelne Wunderwaffe setzt die Royal Navy auf ein vernetztes Geflecht aus Sensoren und Abwehrmaßnahmen. Entscheidend ist die Autonomie: Die Systeme müssen Drohnen eigenständig erkennen, verfolgen und bekämpfen können.

Die Vorgaben an die Industrie sind klar und drängend. Gesucht werden ausgereifte Technologien, die mit minimalem Aufwand in bestehende Schiffsysteme integriert werden können. Sie müssen sowohl auf bemannten als auch unbemannten Plattformen skalierbar sein. Das Ziel ist ein sofortiger Schutz, noch bevor neuartige Laserwaffen wie DragonFire ab 2027 einsatzbereit sind.

Technische Hürden: 100 Drohnen auf einen Schlag

Die Leistungsanforderungen zeigen das Ausmaß der Bedrohung. Die Systeme müssen in der Lage sein, mittlere Kampfdrohnen der NATO-Klasse 2 zu neutralisieren. Diese wiegen bis zu 600 Kilogramm und ähneln den in Konflikten im Nahen Osten eingesetzten Langstrecken-Loitering-Munitionen.

Das geforderte Schutzgebiet ist gewaltig: Mindestens 100, im Optimalfall bis zu 2.500 Quadratkilometer soll es abdecken. Zudem muss die Abwehr mehrere Ziele gleichzeitig bekämpfen können. Die Mindestanforderung liegt bei 25 Drohnen, bevor nachgeladen werden muss. Bevorzugt wird jedoch eine Kapazität von sagenhaften 100 Zielen.

Die Abwehr soll auf zwei Säulen basieren: kinetischen und nicht-kinetischen Effektoren. Zu Ersteren gehören automatische Geschütze oder günstige Kurzstrecken-Projektile. Die zweite, vielleicht wichtigere Säule ist die elektronische Kriegsführung. Durch gezielte Mikrowellen oder Störsender sollen die Kommunikations- und Navigationsverbindungen feindlicher Drohnen gekappt werden.

Lücke im Verteidigungsnetz: Teure Raketen gegen billige Drohnen

Projekt TALON ersetzt nicht die bestehende Hochleistungsabwehr. Fregatten und Zerstörer der Royal Navy bleiben auf Raketensysteme wie Sea Ceptor und Sea Viper angewiesen. Diese sind unverzichtbar gegen hochentwickelte, supersonische Bedrohungen.

Gegen einen Schwarm günstiger Drohnen sind sie jedoch wirtschaftlich untragbar. Eine einzige Abfangrakete kann Millionen kosten, während ein gegnerischer Drohnenschwarm nur einen Bruchteil davon verschlingt. Diese asymmetrische Wirtschaftlichkeit zwingt zum Umdenken.

Die Dringlichkeit unterstreichen aktuelle Manöver. Ende Februar testete der Zerstörer HMS Duncan während der Übung „Sharpshooter“ 72 Stunden lang seine automatisierten Abwehrsysteme gegen unbemannte Oberflächen- und Luftziele. Parallel dazu ist die HMS Dragon mit lasergeführten Martlet-Raketen ins östliche Mittelmeer verlegt worden – eine weitere Sofortmaßnahme.

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Paradigmenwechsel: Die Tür öffnet sich für neue Player

Der aggressive Zeitplan von Projekt TALON signalisiert einen fundamentalen Wandel in der militärischen Beschaffung. Das traditionelle Modell maßgeschneiderter, mehrjähriger Marineprojekte passt nicht zum rasanten Innovationszyklus unbemannter Systeme.

Indem das Ministerium „von der Stange“ verfügbare, leicht integrierbare Lösungen verlangt, öffnet es die Tür für nicht-traditionelle Rüstungsunternehmen und Firmen aus der kommerziellen Automatisierungsbranche. Der Fokus auf elektronische Kriegsführung hebt zudem die Bedeutung von Signalstörung als primäre, nicht mehr nur sekundäre Verteidigungswaffe hervor.

Die Zukunft der maritimen Drohnenabwehr hängt nun von den Industrievorschlägen ab, die Mitte März 2026 eingereicht werden müssen. Sollte der Zeitplan eingehalten werden, könnten die ersten TALON-Systeme noch im späten Frühjahr auf britischen Kriegsschiffen aktiv sein. Dies würde nicht nur die Überlebensfähigkeit in umkämpften Gewässern erhöhen, sondern einen neuen Präzedenzfall für agile Militärbeschaffung setzen.