Die Branche für Projektmanagement-Software steuert auf eine entscheidende Phase zu. Während Microsoft mit KI-Features aufrüstet, kämpfen Konkurrenten wie Smartsheet und Monday.com mit Führungswechseln und enttäuschten Investoren. Die Euphorie um Künstliche Intelligenz weicht einer nüchternen Suche nach Effizienz und Profitabilität.
Smartsheet: CTO-Abgang nach Milliarden-Übernahme
In einer überraschenden Führungsänderung hat Smartsheet seinen Technikchef verloren. Cynthia Tee, seit Februar 2025 Chief Technology Officer des Unternehmens, hat ihren Posten verlassen. Ein Nachfolger wurde noch nicht benannt.
Der Abgang kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Erst 2025 wurde Smartsheet für 8,4 Milliarden Euro von den Finanzinvestoren Vista Equity Partners und Blackstone übernommen und in Privatbesitz überführt. Kurz darauf folgte eine nicht bezifferte Entlassungswelle in den Abteilungen für Technik, Marketing und Projektmanagement.
Hinter den Kulissen vollzieht das Unternehmen eine strategische Wende. Ein aktueller Bericht von Smartsheet zeigt ein drängendes Problem auf: 70 Prozent der Fachleute für Betriebsmanagement nutzen nicht autorisierte KI-Tools. Das Unternehmen konzentriert sich nun verstärkt auf Sicherheit und die Kontrolle dieser „Schatten-KI“ mit neuen Governance-Features für Großkunden.
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Monday.com: Trotz Umsatzrekord stürzt die Aktie ab
Während Smartsheet interne Strukturen neu ordnet, kämpft der israelische Konkurrent Monday.com mit den Launen des Kapitalmarkts. Obwohl das Unternehmen für das vierte Quartal 2025 einen Umsatz von 333,9 Millionen Euro meldete – ein Plus von 25 Prozent im Jahresvergleich –, brach die Aktie um etwa 26 Prozent ein.
Der Grund für die Enttäuschung der Anleger liegt in der Prognose für 2026. Monday.com erwartet einen Umsatz von lediglich 1,45 bis 1,46 Milliarden Euro. Analysten deuten diese vorsichtige Schätzung als Zeichen für eine nachlassende Nachfrage bei kleinen und mittleren Unternehmen sowie einen verschärften Wettbewerb durch KI-gestützte Alternativen.
Das Unternehmen versucht, mit einer eigenen KI-Strategie gegenzusteuern. Unter dem Titel „AI Vision 2026“ sollen „AI Blocks“ und „Product Power-ups“ die Software auch für nicht-technische Anwender zugänglicher machen. Doch der Markt honoriert diese Ankündigungen nicht mehr blind. Die Phase des unkritischen KI-Hypes scheint vorbei zu sein.
Microsoft setzt auf KI-Integration im eigenen Ökosystem
Während die eigenständigen Anbieter kämpfen, nutzt Microsoft seine Marktmacht aus. Der Tech-Riese baut die KI-Funktionen in seinen Microsoft Planner massiv aus, um Unternehmenskunden mit Copilot-Lizenzen enger an sich zu binden.
Ein zentrales Update betrifft den „Project Manager Agent“. Dieses KI-Feature, bisher Premium-Kunden vorbehalten, kann nun automatisch Aufgabenlisten aus Teams-Meeting-Protokollen erstellen und Zeitpläne aus Konversationen ableiten. Das Ziel ist klar: Nutzer sollen komplett im Microsoft-365-Universum bleiben.
Ergänzend hat Microsoft den „Agent Mode“ auch in PowerPoint integriert. Damit sollen Projektmanager, die für Berichte und Präsentationen auf die Office-Suite angewiesen sind, noch effizienter arbeiten können. Die Strategie zielt darauf ab, die Lücke zwischen Kommunikation und Aufgabenausführung zu schließen.
Branchenausblick: Der Fokus verschiebt sich auf harte Zahlen
Die Ereignisse der letzten Woche markieren eine Trendwende in der Projektmanagement-Branche. Die Phase experimenteller KI-Spielereien ist vorbei. Jetzt zählen operationale Effizienz und finanzielle Disziplin.
Die unterschiedliche Entwicklung von Monday.com und Microsoft zeigt, dass die „KI-Prämie“ schwindet. Investoren und Unternehmenskunden fordern konkreten Return on Investment für KI-Integrationen, nicht nur Versprechungen für die Zukunft.
Die Branche blickt nun gespannt auf Asana, das am 2. März seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2026 vorlegen wird. Die Ergebnisse werden zeigen, ob die Nachfrageschwäche bei KMU ein Problem von Monday.com ist – oder ein Symptom für eine gesamte Branche, die erwachsen werden muss. Bis dahin bleibt die Frage: Wer stabilisiert sein Schiff in einem Markt, der Unsicherheit kaum noch verzeiht?





