Grundlegende Sicherheitslücken bei digitalen Immobilienplattformen haben weltweit hochsensible Daten offengelegt. Die jüngsten Vorfälle in Australien und Frankreich zeigen das massive Risiko für den gesamten Sektor.
Die digitale Transformation des Immobilienmarktes zeigt eine gefährliche Schattenseite. Innerhalb weniger Tage wurden zwei schwere Sicherheitspannen bekannt, die die persönlichen und finanziellen Daten von Millionen Mietern, Vermietern und Eigentümern gefährdeten. Die Vorfälle unterstreichen eine wachsende Cybersicherheitskrise in der boomenden Proptech-Branche.
Australische Plattformen: Millionen Dokumente frei zugänglich
Am 1. Februar 2026 kam ans Licht, dass mehrere australische Plattformen für die Verwaltung von Mietdokumenten fundamental unsicher sind. Ein Sicherheitsforscher entdeckte, dass sensible Dateien wie Mietverträge, Personalausweise, Gehaltsnachweise und Referenzen über simple Hyperlinks abrufbar waren – ohne jede Anmeldung oder Authentifizierung.
Die analysierten sieben Plattformen speichern Dokumente in der Cloud. Die generierten Links waren zwar durch zufällige Zeichenfolgen verschleiert, aber nicht geschützt. Jeder, der im Besitz eines Links war, konnte das Dokument einsehen. Teilweise ließen sich durch einfache numerische Änderungen in der URL sogar weitere Dateien erreichen. Das deutet auf eine vorhersehbare und unsichere Speicherstruktur hin.
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Eine betroffene Plattform, Inspection Express, hat nach eigenen Angaben inzwischen reagiert. Das Unternehmen gab an, seine Sicherheitsprotokolle in diesem Monat nach einer Warnung des Forschers im Vorjahr aktualisiert zu haben. Zu den Maßnahmen gehören nun Links, die nach einer gewissen Zeit oder einer begrenzten Anzahl Aufrufe ablaufen, sowie neue Einschränkungen beim Teilen und Kopieren. Eine andere Plattform führte eine Postleitzahlen-Überprüfung ein.
Französischer Mega-Leak: Immobilien-Datenbank im Darknet
Die Gefahr mangelhafter Sicherheit ist keineswegs theoretisch. Ende Januar 2026 tauchte im Darknet eine massive Datenbank aus dem französischen Immobiliensektor zum Verkauf auf. Der vermeintliche Datensatz umfasst etwa 500 Gigabyte und über 1,1 Millionen Einzeldateien.
Bei dem Leak handelt es sich laut Analysen um einen umfassenden Datenabfluss aus einem Cloud-Speicher oder Dokumentenmanagementsystem. Betroffen sind Eigentümer, Mieter und Dienstleister. Die Dateien enthalten vertragliche, finanzielle, kommunikative und persönliche Daten.
Cybersicherheitsexperten warnen vor den Folgen. Solch detaillierte Informationen ermöglichen Identitätsdiebstahl in großem Stil, da Mietanträge oft komplette Identitätsprofile inklusive Steuererklärungen und Ausweisdokumente enthalten. Zudem erhöht der Zugriff auf Kommunikations- und Vertragsdaten das Risiko für Business Email Compromise (BEC). Dabei leiten Kriminelle etwa Miet- oder Kaufzahlungen auf eigene Konten um.
Immobilienbranche: Ein lukratives Ziel für Cyberangriffe
Die Vorfälle in Australien und Frankreich sind Symptome eines internationalen Problemen. Die zunehmende Digitalisierung der Immobilienbranche schafft neue Angriffsflächen – und der Sektor erweist sich als lukratives Ziel.
Daten aus Großbritannien verdeutlichen das Ausmaß: 65 Prozent der britischen Anwaltskanzleien, die eng in Immobilientransaktionen eingebunden sind, haben bereits einen Cybervorfall erlebt.
Die Sensibilität der verarbeiteten Daten macht die Systeme besonders attraktiv für Angreifer. Es geht nicht nur um Finanzdaten, sondern auch um Heimatadressen und sogar Gebäude-Zugangscodes. Ein einziger Datenleck kann Betroffene finanziell ruinieren und sie physischen Gefahren wie Einbrüchen aussetzen. Für die betroffenen Unternehmen drohen neben Reputationsschäden hohe Strafen nach der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).
Ausblick: Sicherheit muss von Anfang an mitgedacht werden
Die aufgedeckten Sicherheitslücken sind ein Weckruf für die globale Proptech-Industrie. Reaktive Maßnahmen wie ablaufende Links sind ein Schritt in die richtige Richtung, reichen aber nicht aus. Experten fordern einen „Security-by-Design“-Ansatz, bei dem Sicherheit von Beginn an integraler Bestandteil der Plattformentwicklung ist.
Die Branche rechnet mit schärferen Regulierungen und standardisierten Sicherheitsprotokollen für alle Plattformen, die sensible Immobiliendaten verarbeiten. Für Mieter und Vermieter bedeutet das: Sie müssen die Sicherheitspraktiken der von ihnen genutzten Dienste kritisch hinterfragen. Für die Technologieanbieter wird der Aufbau von Vertrauen durch transparente und überprüfbare Sicherheitsmaßnahmen zur Überlebensfrage in einem zunehmend risikobewussten Markt.
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