Die Nachfrage nach proteinreichen Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln wächst stetig. Was früher vor allem im Leistungssport und Bodybuilding verankert war, prägt mittlerweile die Sortimente großer Gastronomieketten, beeinflusst weltweite Rohstoffpreise und beschäftigt die Ernährungswissenschaft.
Gastronomie und Einzelhandel setzen auf proteinangereicherte Angebote
Sowohl internationale Ketten als auch lokale Gastronomiebetriebe erweitern ihr Angebot um eiweißreiche Produkte. In Spanien vereinbarten Starbucks Iberia und der Molkereikonzern Pascual eine strategische Allianz, um die Marke Dinamic Protein als Milchalternative einzuführen.
Wie Antonio Romero von Starbucks Iberia mitteilte, personalisieren 60 Prozent der Kundschaft ihre Getränke, während 40 Prozent zum Frühstück kommen. Die Proteinkategorie verzeichnet in Spanien einen Umsatz von 520 Millionen Euro bei einem Zuwachs von 22 Prozent und erreicht 61 Prozent der Haushalte.
Auch spezialisierte Gastronomiekonzepte expandieren. In Frankfurt eröffnete an der Bockenheimer Landstraße das Chinaski Deli, das von Annabel Hofbauer und Fabiano Di Letizia betrieben wird.
Neben Speisen wie Reispapierrollen, Matcha und Acai-Softeis bietet das Lokal Protein-Shakes für 14 Euro sowie Zusätze wie Kreatin, Zink oder Kollagen an; zudem ist ein Gemeinschaftsevent mit einer Pilatesstunde geplant.
In Dubai führen Cafés wie Backyard, Dopa, BLNDR, Matcha District oder das Pilates-Studio Karve Getränke mit funktionellen Zusätzen wie Kollagen, Ashwagandha oder Magnesium im Sortiment.
GLP-1-Therapien verändern Konsumverhalten und Rohstoffmärkte
Die steigende Nachfrage hinterlässt Spuren an den Rohstoffmärkten. Laut Daten des Branchendienstes Vesper stieg der Preis für Whey-Konzentrat 80 % in den USA auf über 13 US-Dollar pro Libra, was fast einer Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr entspricht.
In Brasilien, das laut dem Verband Abenutri 60 Prozent des südamerikanischen Whey-Verbrauchs stellt und zwischen 2020 und 2025 ein jährliches Marktwachstum von 8 Prozent verzeichnete, kletterte der Tonnenpreis innerhalb eines Jahres um bis zu 120 Prozent.
Parallel beeinflusst die Verbreitung von GLP-1-Medikamenten das Ernährungsverhalten. Nach Erhebungen von NielsenIQ konsumieren GLP-1-Nutzer in Brasilien 84,4 Prozent mehr tierisches Protein und 76,9 Prozent weniger Schokolade.
Daten von Serasa Experian zeigen im ersten Halbjahr 2026 zudem 1,36 Millionen Online-Bestellungen für GLP-1-Präparate – ein Plus von 149,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit einem Volumen von 2,35 Milliarden Real.
Bei McDonald’s erklärte Konzernchef Chris Kempczinski, Nutzer solcher Präparate griffen vermehrt zu kleineren Einheiten wie dem 1979 eingeführten Happy Meal. Studien belegen unter Semaglutid eine um 24 bis 39 Prozent verringerte Energieaufnahme bei freien Mahlzeiten gegenüber Placebo.
Empfehlungen der Wissenschaft für die tägliche Zufuhr
Ernährungswissenschaftliche Richtwerte weichen häufig von Trends in sozialen Medien ab, in denen mitunter zwei bis drei Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen werden – laut Fachleuten meist ohne messbaren Zusatznutzen. Der allgemeine Richtwert für gesunde Erwachsene liegt bei 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht inklusive Sicherheitszuschlag.
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Für sportlich Aktive mit mehr als fünf Trainingsstunden pro Woche gelten 1,2 bis 2,0 Gramm als zweckmäßig, während ein Muskelmasse-Plateau bei begleitendem Krafttraining bei rund 1,6 Gramm erreicht wird. Laut Univ.-Prof. Ekmekcioglu liegt die tatsächliche Zufuhr in Österreich ohnehin bereits über den Mindestempfehlungen.
Für eine effiziente Muskelproteinsynthese gelten 20 bis 30 Gramm Eiweiß pro Mahlzeit, verteilt auf drei Mahlzeiten, als optimal. Eine im Journal of Physiology publizierte Untersuchung aus dem Jahr 2013 zeigte, dass Gaben von 20 Gramm alle drei Stunden mehr Muskelmasse aufbauten als seltenere Einnahmen.
Eine Studie in Cell Reports Medicine aus dem Jahr 2023 ergab demgegenüber, dass sehr große Einzelmahlzeiten mit bis zu 100 Gramm Protein den Aufbau über viele Stunden aufrechterhalten können.
Für ältere Menschen raten Fachleute zu mindestens 1,0 bis 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, um dem Muskelverlust entgegenzuwirken, der ab dem 35. bis 40. Lebensjahr einsetzt, sich ab 50 beschleunigt und im Alter zwischen 60 und 70 Jahren besonders ausgeprägt ist.
Beim gezielten Körperfettabbau unter Muskelerhalt empfiehlt die Forschung mindestens 1,9 Gramm Protein pro Kilogramm im Kaloriendefizit bei einer wöchentlichen Gewichtsreduktion von rund 0,5 Prozent. Eine Meta-Analyse von 25 kontrollierten Studien aus dem Jahr 2025 unterstreicht die Rolle von Krafttraining zum Muskelerhalt; die ACSM-Leitlinie von 2026 empfiehlt zwei Einheiten wöchentlich für große Muskelgruppen.
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Risiken bei Nahrungsergänzungsmitteln und Nischenmärkte
Der trend erfasst auch spezifische Supplemente wie Beta-Alanin. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass entsprechende Präparate Missempfindungen wie Kribbeln oder Brennen auslösen können. Parästhesien treten bei schnell freisetzenden Formen ab etwa 10 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht auf.
Als Orientierung nennt das BfR Einzeldosen von unter 400 Milligramm und eine Tageszufuhr von maximal 1,2 Gramm über höchstens zwölf Wochen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stellte bereits 2014 fest, dass ein kausaler Nachweis für Leistungssteigerungen fehle, da lediglich eine von elf Humanstudien positive Effekte zeigte.
Alternative Proteinquellen tun sich im Massenmarkt weiter schwer. Obwohl die Europäische Union Speiseinsekten ab 2018 als neuartige Lebensmittel zuließ, sank die Zahl der Anbieter in Deutschland laut der Agrarökonomin Weiß nach einer Hochphase zwischen 2018 und 2022 von bis zu 30 auf unter zehn Unternehmen.
Große Ketten wie Rewe, Lidl, Aldi Süd oder tegut führen derzeit keine Insektenprodukte im festen Sortiment; Hauptabsatzmarkt bleibt die Futtermittelindustrie.

