Das Schweizer Privacy-Unternehmen Proton hat ein neues Tool vorgestellt, das Organisationen den Umstieg von Google Workspace deutlich vereinfachen soll. Der „Easy Switch for Business“ genannte Dienst adressiert ein zentrales Problem vieler Firmen: die technischen Hürden beim Wechsel von etablierten Produktivitätssuiten.
Schrittweiser Ausstieg statt Kaltentzug
Das am 17. Juni veröffentlichte Werkzeug erlaubt einen gestaffelten Übergang. Statt eines abrupten Wechsels können IT-Administratoren beide Systeme parallel laufen lassen. So lassen sich Datenintegrität und Systemkonfigurationen prüfen, bevor die Migration endgültig abgeschlossen wird. Das soll Ausfallzeiten vermeiden – ein entscheidender Vorteil für Unternehmen, die auf reibungslose Abläufe angewiesen sind.
Anzeige: Der Umstieg von Google Workspace scheitert oft an technischen Hürden und befürchteten Ausfallzeiten. Mit dem neuen Easy Switch for Business von Proton können IT-Administratoren beide Systeme parallel betreiben und die Migration ohne Unterbrechung durchführen. Migrationsleitfaden jetzt anfordern
Proton betreut eigenen Angaben zufolge bereits über 100 Millionen Privatkunden und 100.000 Organisationen. Mit dem neuen Angebot will man vor allem kleine und mittelständische Unternehmen ansprechen, die bislang vor dem Wechsel zurückschreckten.
Automatisierte Übertragung – mit einer Einschränkung
Die Migrationssoftware übernimmt die Übertragung von E-Mails, Kalendern, Kontakten und Domain-Einstellungen automatisch. Ausfallzeiten während des Wechsels sollen der Vergangenheit angehören.
Allerdings gibt es noch eine Lücke: Die Massenmigration von Cloud-Speicher über Proton Drive wird aktuell nicht unterstützt. Nutzer müssen Dateien hier noch manuell exportieren und einzeln neu hochladen. Das Unternehmen kündigte jedoch an, diese Funktion nachzureichen. Zudem ist für das zweite Halbjahr 2026 ein Migrationstool für Microsoft 365 geplant.
Europäische Souveränität als Geschäftsmodell
Der Zeitpunkt der Einführung ist kein Zufall. Am selben Tag präsentierte die Europäische Kommission ein Technologiesouveränitätspaket. Die Kernbotschaft: Die EU ist bei über 80 Prozent ihrer digitalen Produkte von Anbietern außerhalb der Union abhängig. Das neue Gesetzespaket, darunter der Cloud and AI Development Act (CADA), definiert vier Sicherheitsstufen für Cloud-Souveränität und setzt das Ziel von 30 Millionen aktiven Nutzern bei Open-Source-Alternativen bis 2030.
Proton positioniert sich hier als europäische Alternative. Der Sitz in der Schweiz bedeutet, dass das Unternehmen nicht unter US-Gesetze wie den FISA oder den CLOUD Act fällt. Für britische und europäische Firmen, die nach dem Brexit um ihre Datenflüsse und die Einhaltung lokaler Vorschriften besorgt sind, ist das ein starkes Argument. Hinzu kommt die besondere Eigentümerstruktur: Eine Non-Profit-Stiftung soll das Unternehmen vor einer Übernahme durch große Tech-Konzerne schützen.
Umfrage zeigt wachsendes Misstrauen
Anzeige: Die EU treibt die Technologiesouveränität voran – über 80 Prozent der digitalen Produkte kommen von außerhalb der Union. Unternehmen, die auf europäische Alternativen setzen, vermeiden Abhängigkeiten und Datenschutzrisiken. Checkliste für Cloud-Souveränität sichern
Eine aktuelle Proton-Umfrage unter 3.000 Menschen in Großbritannien, Frankreich und Deutschland untermauert den Trend. Die Ergebnisse zeigen eine wachsende Skepsis gegenüber US-Tech-Konzernen:
- 80 Prozent der Verbraucher halten es für wichtig, dass Unternehmen europäische Technologie nutzen.
- 45 Prozent würden Marken meiden, die ihre Daten bei US-Firmen speichern.
- 83 Prozent der Befragten sind besorgt über ihre Abhängigkeit von „Big Tech“.
- 65 Prozent glauben, dass europäische KMU verstärkt auf europäische Technologie setzen sollten.
Proton verzeichnet eigenen Angaben zufolge zweistellige Zuwachsraten bei europäischen Anmeldungen. Der Trend zu datenschutzfreundlichen Alternativen gewinnt offenbar an Fahrt – und Unternehmen scheinen zunehmend bereit, ihre langjährige Abhängigkeit von den großen Marktplayern zu überdenken.

