Psychische Leiden: Krankschreibungen steigen um 9,3 Prozent

Die hkk meldet mehr Krankschreibungen wegen psychischer Leiden; soziale Benachteiligung und Versorgungslücken belasten zusätzlich.

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Aktuelle Berichte und Auswertungen verdeutlichen den engen Zusammenhang zwischen Armut, sozialer Benachteiligung und einer Zunahme psychischer Erkrankungen. Einkommensschwache Gruppen und Menschen in prekären Lebenslagen tragen ein deutlich höheres Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen, während das Gesundheitssystem gleichzeitig vor erheblichen Engpässen bei der therapeutischen Versorgung steht.

Psychische Diagnosen führen Fehlzeiten-Statistiken an

Die Auswertungen der hkk Krankenkasse für das erste Halbjahr 2026 unterstreichen die Verschiebung im Krankheitsgeschehen. Bei rund 610.000 krankengeldberechtigten Mitgliedern lag der Krankenstand bei 5,0 Prozent, was einem leichten Rückgang um 0,2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Beschäftigte verzeichneten im Schnitt 18,4 Fehltage. Während die Fehltage infolge von Atemwegserkrankungen um 19,6 Prozent sanken, stiegen Krankschreibungen wegen psychischer Leiden um 9,3 Prozent. Damit wurden psychische Diagnosen erstmals der häufigste Ausfallgrund, gefolgt von Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems.

Zudem verlängerten sich die Ausfallzeiten. Psychische Erkrankungen verursachten im ersten Halbjahr 2026 im Schnitt 38,8 Fehltage je Fall, während Fälle des Muskel-Skelett-Systems auf 17,8 Tage und Atemwegserkrankungen auf 5,8 Tage kamen.

Bei Langzeiterkrankungen von mehr als sechs Wochen stieg der Anteil an allen Fehltagen von 42,6 Prozent im ersten Halbjahr 2025 auf 45,8 Prozent im ersten Halbjahr 2026. Regional zeigten sich deutliche Unterschiede: In Bremen entfielen 22,8 Prozent der 20,4 Fehltage je Beschäftigtem auf psychische Leiden, während Niedersachsen insgesamt 21,4 Fehltage aufwies.

Belastungen im Kindes- und Jugendalter

Auch bei jüngeren Generationen wirken sich soziale Unterschiede auf die seelische Verfassung aus. Die bundesweite COMO-Studie unter Verbundleitung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) dokumentiert für die Erhebungsjahre 2023 bis 2025 anhaltend hohe Belastungen: Rund jedes fünfte Kind zeigt Hinweise auf psychische Auffälligkeiten.

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Psychische Diagnosen haben Atemwegserkrankungen als häufigsten Ausfallgrund abgelöst — die Krankschreibungen stiegen um 9,3 Prozent, und ein Fall dauert im Schnitt 38,8 Tage. Wer jetzt gegensteuert, senkt Ausfallkosten und hält Leistungsträger im Unternehmen. Kostenlosen HR-Report jetzt anfordern

Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status sind seltener sportlich aktiv, verfügen über eine geringere Fitness und weisen ein erhöhtes Risiko für seelische Probleme auf.

In Sachsen verzeichnen Wohlfahrtsverbände wie die Diakonie und die Caritas eine wachsende Nachfrage nach sozialer und psychologischer Beratung. Angst- und Essstörungen werden dort bei jungen Menschen deutlich häufiger diagnostiziert, zugleich nehme die Zahl der Schulverweigerer zu.

Über 3.200 junge Menschen verlassen in Sachsen jährlich die Schule ohne Abschluss. Gleichzeitig belasten Wartezeiten von bis zu neun Monaten auf einen Psychotherapieplatz sowie Kürzungen in Beratungsangeboten die Versorgung.

Strukturelle Faktoren und gesundheitliche Kluft

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen die langfristigen Effekte von Lebensumfeld und Isolation auf die Gesundheit. Eine in Nature Communications veröffentlichte Untersuchung von Forschern um Lu Qi an der Tulane University ergab, dass Einsamkeit und soziale Isolation die krankheitsfreie Lebenserwartung um durchschnittlich rund sechs Jahre verkürzen können, wobei psychische Erkrankungen besonders ins Gewicht fallen.

Nach Einschätzung des Medizinsoziologen Nico Dragano zeigen sich bei fast allen Erkrankungen soziale Ungleichheiten; statistisch sterben arme Menschen in Deutschland acht Jahre früher als vermögende Personen.

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Bei körperlichen Berufen geht zunehmende Digitalisierung mit schlechterer Gesundheit und rund 20 Prozent mehr Fehltagen einher — Wissensberufe trifft das nicht. Ohne gezielte Schulungen und präventive Unterstützung vertieft sich diese Kluft weiter. Der Leitfaden zeigt den 5-Schritte-Plan fürs Eingliederungsmanagement. 5-Schritte-Plan jetzt sichern

Zusätzliche Belastungen entstehen am Arbeitsplatz. Eine gemeinsame Untersuchung des ifo Instituts, des IAB und der Universität Konstanz zeigt, dass eine zunehmende Digitalisierung bei Beschäftigten mit überwiegend körperlichen Berufen mit schlechterer Gesundheit und rund 20 Prozent mehr Fehltagen im Jahr einhergeht, während Wissensberufe keine derartigen Nachteile aufweisen.

Forscher warnen, dass ohne gezielte Schulungen und präventive Unterstützung bestehende gesundheitliche Ungleichheiten in der Erwerbsbevölkerung weiter vertieft werden könnten.